Wenn der Ball gegen die Garage knallt

Schiedsmann Peter Kratz schlichtet Streitigkeiten an seinem Schreibtisch im Obergeschoss des Polizeipostens Dudenhofen. Foto: Wolf

Rodgau - Wenn der Nachbar in der Mittagspause Rasen mäht, ist das kein Fall mehr für die Polizei. Seit die hessische Lärmschutzverordnung vor einigen Jahren aufgehoben wurde, gilt Bundesrecht - und das ist bei Gartenlärm ziemlich liberal. Dennoch löst Lärm noch manchen „Krach“ zwischen Nachbarn aus. Aber die wenigsten landen vor Gericht.

„Ich habe in meiner Tätigkeit noch kein offizielles Verfahren wegen Lärmbelästigung gehabt“, berichtet Peter Kratz, der seit 1998 als Schiedsmann Nachbarschaftsstreitigkeiten in Jügesheim, Dudenhofen und Nieder-Roden schlichtet. Die meisten Lärmfragen, die an ihn herangetragen werden, haben mit Kindern zu tun. Ein typisches Beispiel: Philipp und Kevin spielen Fußball gegen das Garagentor. Das donnert richtig, wenn der Ball aufs Blech trifft. Auch die ratternden Räder der Bobby-Cars sind ein Klassiker. Zweijährige auf ihrem Plastikauto können sehr ausdauernd sein. So unangenehm das für manche Anwohner sein mag, justiziabel sind beide Fälle nicht. „Kinder sind nicht deliktfähig“, weiß Peter Kratz.

Zum Problem wird das seiner Erfahrung nach vor allem in Wohngebieten, in denen sich ein Generationenwechsel vollzieht. Etwa im Leipziger Ring: Da wohnen Rentner neben Familien mit Kindern. „Die Empfindlichkeiten werden mit zunehmendem Alter größer“, sagt der Schiedsmann aus Dudenhofen, den selbst drei Enkel auf Trab halten: „Ich hab‘ schon ein paar Mal ältere Leute gefragt, ob sie mit 70 auf die Welt gekommen sind oder ob sie auch mal Kinder waren.“

In Wohnblocks oder Reihenhäusern gibt es noch mehr Lärmkonflikte: Bellende Hunde, übende Schlagzeugschüler oder der Nachbar, der nachts um 22 Uhr unbedingt ein Loch in die Wand bohren muss. Solche Fälle hat auch Peter Kratz schon bearbeitet: „Das waren alles so genannte Tür-und-Angel-Fälle, die sich durch ein Gespräch mit den Nachbarn geregelt haben.“

Dabei kommt dem pensionierten Sport- und Kulturamtsleiter der Stadt Rodgau zugute, dass er viele Pappenheimer persönlich kennt. Das gilt besonders für Dudenhofen, wo sein verstorbener Vater Ludwig Kratz IX. 20 Jahre lang Bürgermeister und 39 Jahre Schiedsmann war.

„Das Schlimmste ist, die Leute reden zu wenig miteinander“, sagt Peter Kratz. „Vor 20 Jahren war es selbstverständlich, über den Gartenzaun zu sagen: ‚Horch emol Schorsch‘, und dann gemeinsam ein Bier zu trinken. Heute heißt es: Sie hören von meinem Anwalt.“ Und noch eine Erfahrung hat er gemacht: „Nachbarn, die schon 20 oder 25 Jahre nebeneinander wohnen, können ihr Problem erst lösen, wenn sie bei mir sitzen.“

Quelle: op-online.de

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