Wenn die Trommel ruft

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In vollem Ornat tanzten „native Americans“ und Indianerfreunde aus ganz Deutschland. Bei manchen Tänzen durften auch Besucher in Alltagskleidung mitmachen.

Jügesheim - (eh) Trommelschläge und indianische Gesänge tönten am Wochenende über die Prärie im Westweiler. Das erste Indianer-Tanzfest (Powwow) in Rodgau lockte 20 Tänzer und mehr als 1 000 Schaulustige an. +++Fotostrecke+++Video+++

Veranstalter Roland Pöschel hätte sich mehr Besucher gewünscht, ließ sich aber keine Enttäuschung anmerken: „Ich mach‘ das ja, weil ich Spaß daran habe.“

Gebannt schauten auch kleine Gäste den Tanzdarbietungen zu, die auch mancher Indianer mit der Digitalkamera festhielt.

Die beiden Trommelgruppen „Pumpkin Vyne“ und „Sweet Grass Singers“ verrichteten Schwerarbeit. In der Hitze gaben sie den Tänzern stundenlang den Takt vor. Auch die Tänzer kamen ins Schwitzen. Ein junger Mann, der am Samstag mit einem temporeichen „Men‘s Fancy Dance“ für Beifallsstürme sorgte, musste sich nach der ersten Zugabe erschöpft zurückziehen. Nicht alle Tänze sind so dynamisch. Aber auch traditionelles Stampfen kostet Kraft. Und ein Heilungstanz („Jingle Dress Dance“) der Frauen beschränkt sich zwar auf kleine Trippelschritte, erfordert aber dennoch Körpereinsatz, um die Schellen an der Kleidung zum Klingen zu bringen.

Für Jackie Fischer aus dem Westerwald, die den kulturellen Teil des Powwow organisiert hatte, erfüllte das Wochenende alle Erwartungen: Es war warm und anstrengend, was will man mehr? Dass eine größere Gruppe an Tänzern wegen einer Autopanne nicht kam, nahm sie gelassen hin - obwohl dadurch der geplante Tanzwettbewerb ausfallen musste. „So können wir im Programm viel flexibler sein“, freute sich Fischer. Ohnehin komme es nie auf die Minute an: „Das ist das Schöne am Powwow. Es ist Indian Time. Das Programm steht, aber kein Hahn kräht danach, wenn es nicht exakt eingehalten wird.“

Indianerfreunde wie Rüdiger Bannas („Großer Falke“) aus Karlsruhe zelteten mit ihren Tipis auf dem Powwow-Gelände und stellten Lakota-Indianer aus der Zeit vor den Reservaten dar.

Ingo Schönhold aus der Nähe von Köln, der den Einzug der Tänzer und Fahnen moderierte, bezeichnet das Powwow flapsig als „Indianerdisco“: „Da kommt jeder, der Lust hat.“ Der Ablauf sei stets für Veränderungen offen. Wer als Künstler etwas vorführen wolle, werde ins Programm eingebunden: „Die Zeit setzt meistens den Rahmen, dass nicht alles untergebracht werden kann.“
Mit Respekt begegneten die Zuschauer den sieben „native Americans“, die in teils aufwändigem Federschmuck auf dem Gelände waren. Ein Erlebnis am Freitagabend war das Konzert des indianischen Musikers Tdom Bah, der bereits im Februar bei der Kulturinitiative Maximal aufgetreten war. Am Sonntag entführte er die Zuhörer nochmals mit der Flöte in die Weiten seiner Heimat.

So fröhlich wurde in Jügesheim gefeiert

Powwow - Indianertanzfest in Rodgau

Mit Humor führte Dokumentarfilmer John „Blackbird“ Summers, ein Cree-Indianer, als „Master of Ceremonies“ durch das Programm. Der Kanadier, der seit einigen Jahren in Deutschland lebt, kokettierte in seiner Moderation mit seinen Deutschkenntnissen, etwa bei der Aufforderung zu einem Gemeinschaftstanz: „Dancers und Dancerinnen, komm‘ hier und dance mit!“
Horst und Petra David vom Reiterhof bereuten es nicht, dass sie ihre Wiese für das Powwow zur Verfügung gestellt hatten. „Das ist mal ganz was anderes“, sagte Petra David: „Aber für ein Rockkonzert würden wir die Wiese nicht hergeben.“

Einen ruhigen Dienst hatte die Sanitätsmannschaft des Roten Kreuzes aus Dudenhofen: Die Helfer versorgten fast zwei Dutzend Wespenstiche. Zu ernsthaften Notfällen kam es trotz Gluthitze nicht.

Quelle: op-online.de

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