Wenn der Bagger nach Socken greift

Wetten-dass-Spiele bei der Nieder-Röder Kerb

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Behutsam greift die riesige Baggerschaufel nach der weißen Socke (Pfeil). Ralf Weyland und Andreas Mieth vollführten das Kunststück. Zuvor hatten Jan Plößer und Felix Staudt mit einem Gabelstapler eine Zwei-Euro-Münze in ein Ebbelwoi-Glas bugsiert - und das fünf Mal!

Nieder-Roden - Wetten, dass man mit einem 22-Tonnen-Bagger Socken aufhängen kann? Wer’s nicht glaubte, konnte es bei der Nieder-Röder Kerb erleben. Die Wetten-dass-Spiele zum Kerbauftakt verdienten das Prädikat „sensationell“. Von Ekkehard Wolf 

16 Jahre nach ihrer Rückkehr in den alten Ort hat die Nieder-Röder Kerb den Generationenwechsel geschafft. Erstmals meisterte der frisch gegründete Kerbverein das Fest allein. Der junge „Kerbvater“ Sebastian Spahn schickte seine Vorgänger liebevoll aufs Altenteil. Unter dem Beifall der Besucher im Zelt erklärte er den Heimatvereinsvorsitzenden Günther Keller zum „Kerb-Opa“ und Robert Spahn zum „Uropa“. Beide hatten das Traditionsfest in den letzten 16 Jahren mit viel Herzblut lebendig gehalten.

Zylinder auf dem Kopf und ein Bierglas in der Hand: Kerb-Uropa Robert Spahn (links) und Kerb-Opa Günther Keller.

Beim Kerbspruch zeigte sich, dass auch die neue Generation etwas zu sagen hat. Sebastian Spahn schlug elegant den Bogen vom ausgefallenen Weihnachtsmarkt zum gelungenen Stadtfest vom 13. Juli: „Da sind wir sogar Weltmeister geworden!“ Launige Worte fand Spahn zur Medicum-Baustelle: „Noch schöner ist unser Schwimmbad am Bahnhof geworden. Da gibts jetzt einen Sprungturm und bis Winter ist es auch noch überdacht. Ein wunderschönes Hallenschwimmbad (...). Aber krank werden darf bei uns im Süden Rodgaus bald keiner mehr.“

Vollen Einsatz zeigten die Kerbburschen und -mädchen nicht nur beim Feiern, sondern auch beim Arbeiten. Gegen 3 Uhr nachts waren sie am Samstagmorgen mit dem Aufräumen fertig, vier Stunden später standen sie in der Backstube, um 150 süße Kerbwecken zu backen Das Besondere: Die Rosinen waren zuvor in Apfelwein eingelegt. „Weck mit Schuss“ sozusagen. Das Gebäck wurde gegen eine Spende unter die Leute gebracht, ebenso wie 800 Ansteckbuttons mit dem Motto der Kerb. Die Spenden gehen erneut an die Bärenherz-Stiftung in Wiesbaden. Gabriele Schwab aus Seligenstadt, die sich seit elf Jahren ehrenamtlich für Bärenherz engagiert, sprach im Kerbzelt über das Hospiz, in dem todkranke Kinder ihre letzte Lebensphase verbringen.

Kerb 2014 in Nieder-Roden

Kerb in Nieder-Roden

Zur Nieder-Röder Kerb gehören auch die Zelte an den Traditionsgaststätten und der Festbetrieb in den Scheunen Mergenthal (mit Musikverein) und Schrod. Seit die Kerb wieder im Altort stattfindet, öffnen die Brüder Wolfgang und Andreas Schrod ihre Scheune für Gäste. Zusätzlich stellen sie ein Zelt im Garten auf. Ihnen ist wichtig, „dass Leben im Ort ist“, wie Andreas Schrod sagt. An drei Tagen helfen rund 30 Leute mit: Familie, Freunde und Mitglieder des Sonntagvereins. Profi-Koch Wolfgang Schrod nimmt jedes Jahr eine Woche Urlaub, um die Kerbgäste zu verköstigen. Der Erlös landet nicht in der eigenen Tasche, sondern als Spende bei der Kinderhilfestiftung.

Die Brüder Wolfgang (links) und Andreas Schrod öffnen jedes Jahr zur Kerb ihre Scheune für Besucher.

Auch im SGN-Clubhaus war Kerb. Die „Steps“ begeisterten rund 60 Zuhörer mit alten Hits wie „Wake Up Little Susie“ und „Hey Baby“. Der Kerbverein Nieder-Roden will das Fest in den nächsten Jahren weiterentwickeln. „Wir hoffen, dass das Zelt noch einen oder zwei Tage mehr füllen können“, sagt Frank Stoffels vom Kerbverein. Die spektakuläre Bagger-Wette werde man aber wohl kaum übertreffen können: „Nächstes Jahr werden wir wieder mehr im Zelt bleiben und Spiele mit den Gruppen an den Tischen machen.“

Quelle: op-online.de

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