Pfarrerehepaar wirbt für die Aktion „Hello-Marteen“

Wichtigeres als Spuk und Süßes

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Interview Auch bei „Hello-Marteen“ sind Verkleidungen erlaubt: Pfarrer Felipe Blanco Wißmann und Pfarrerin Yvonne Blanco Wißmann machen es vor, auf den Spuren des Mönches Martin Luther und seiner späteren Frau Katharina von Bora.

Nieder-Roden - Die evangelische Kirche feiert am 31. Oktober den Reformationstag. Im Rummel von Halloween geht dies immer mehr unter.

In Nieder-Roden möchte das Pfarrerehepaar Yvonne und Dr. Felipe Blanco Wißmann mit einer guten Idee und der Aktion „Hello-Marteen“ diesen Trend verlangsamen. Redakteur Ekkehard Wolf sprach mit dem Pastorenehepaar.

„Hello-Marteen“ - was ist denn das?

Felipe Blanco Wißmann: „Hello-Marteen“ ist erst einmal ein schönes Kunstwort aus „Martin (Luther)“ und „Halloween“. Wie wir auf das Wort gekommen sind, weiß ich gar nicht mehr genau.

Yvonne Blanco Wißmann: Der Name war einfach irgendwann da, als wir unseren Plan besprochen haben: Etwas für Kinder am 31. Oktober zu veranstalten.

Was wollen Sie damit erreichen?

Felipe Blanco Wißmann: Am 31. Oktober ist für uns in erster Linie Reformationstag: An diesem Tag im Jahr 1517 soll Martin Luther seine Thesen an die Kirchentür in Wittenberg geschlagen haben: Der Beginn der Reformation. Noch heute ein wichtiger Feiertag in den evangelischen Kirchen.

Yvonne Blanco Wißmann: Wir wollen auch Kindern vermitteln: An diesem Tag geht es um Anderes und Wichtigeres als Spuk und Unheimliches. Martin Luther wollte, dass alle Menschen erfahren: Sie sind von Gott angenommen und geliebt, unabhängig von ihren Leistungen.

Glauben Sie ernsthaft, dass das klappt?

Yvonne Blanco Wißmann: Warum nicht. Wir heben ja nicht den Zeigefinger und sagen: Ihr dürft Halloween aber nicht feiern. Sondern wir greifen die Sache mit einem Augenzwinkern auf. Und machen eine Alternative daraus, die den Kindern bestimmt Spaß machen wird.

Wie soll die Aktion am 31. Oktober ablaufen?

Felipe Blanco Wißmann: Die Kinder treffen sich um 17 Uhr auf dem Puiseauxplatz. Wir lernen ein kurzes Segenslied oder einen Segenswunsch auswendig. Und dann gehen wir zu vielen Menschen in Nieder-Roden und erschrecken die nicht, sondern singen und wünschen Segen: In der Hoffnung, dass an diesem Tag auch ein paar Süßigkeiten für die Kinder da sind.

Wo nehmen Sie die Kinder her, die da mitmachen?

Yvonne Blanco Wißmann: Die kommen hoffentlich von ganz allein. Aus der Kirchengemeinde Aus dem Kindergarten. Aus der Grundschule. Natürlich wird nicht kontrolliert, ob jemand evangelisch ist. Und jeder kann sich so verkleiden, wie er oder sie mag.

Wie sind Sie eigentlich auf die Idee zu „Hello-Marteen“ gekommen?

Felipe Blanco Wißmann: Am Anfang stand nicht ein Nachdenken über Halloween, sondern ein alter Brauch aus meiner Heimat in Westfalen: Da gehen die Kinder an Martin Luthers Geburtstag, dem 10. November, von Haus zu Haus. Sie singen ein Lied über den Reformator oder ein Kirchenlied. Und sie bekommen dafür sogar etwas Süßes. Für mich war das immer ein toller Tag, als ich ein Kind war. Wir haben uns gedacht: Dieser Brauch ist doch geradezu dafür gemacht, auf den 31. Oktober verlegt zu werden.

Eigentlich ist Halloween doch schon seit Jahren aus dem Ruder gelaufen. Woher nehmen Sie die Zuversicht, daran noch etwas ändern zu können?

Felipe Blanco Wißmann: Wir werden sicher nicht den Einzelhandel davon überzeugen können, die Halloween-Artikel aus dem Regalen zu nehmen. Obwohl wir an diesem Tag Martin-Luther-Kostüme oder ähnliches gern sehen würden: Das wäre ja auch möglich. Er war ja zunächst ein Mönch. Wir haben aber auch den Eindruck, dass sich das Halloween-Fest amerikanischer Prägung noch nicht so durchgesetzt hat, wie sich das mancher Geschäftemacher vielleicht wünschen würde.

Yvonne Blanco Wißmann: Dass immer noch viele Menschen auch gerne etwas über den Reformationstag am 31. Oktober hören wollen, das merken wir am guten Besuch des Erwachsenengottesdienstes um 19 Uhr. Wegen des Umbaus am Puiseauxplatz findet der übrigens diesmal im städtischen Sozialzentrum statt. Was für die Erwachsenen ein wichtiger Tag ist, das soll den Kindern Spaß machen. Und die Menschen, die wir besuchen, hören sicher auch gerne einen guten Wunsch. Das ist doch schöner, als nur „Süßes oder Saures“ zu hören. Das wäre ein guter Anfang für eine Änderung.

Quelle: op-online.de

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