Krisensitzung

Wie sicher ist der Badesee? Todesfälle werfen Fragen auf

Mit Booten suchten Rettungsschwimmer und Feuerwehrleute am Sonntag nach dem vermissten Elfjährigen. Auch Taucher und ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera waren im Einsatz. Es gelang den Rettungskräften nicht mehr, den Jungen ins Leben zurückzuholen.
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Mit Booten suchten Rettungsschwimmer und Feuerwehrleute am Sonntag nach dem vermissten Elfjährigen. Auch Taucher und ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera waren im Einsatz. Es gelang den Rettungskräften nicht mehr, den Jungen ins Leben zurückzuholen.

Die Zeit der Unbeschwertheit am Rodgauer Badesee ist vorbei. Nach den beiden Todesfällen bleibt das Strandbad für vier Tage geschlossen.

Rodgau - Wie sicher ist der Badesee? In einer Krisensitzung suchten die Verantwortlichen der Stadtverwaltung nach Möglichkeiten, die Sicherheit der Badegäste zu verbessern. Ergebnisse liegen noch nicht vor.

Klar ist: Badeunfälle lassen sich nie ganz verhindern. Das Baden im See ist riskanter als in einem Schwimmbad. Das hat mehrere Gründe, unter anderem die Wassertiefe und den Baggerbetrieb.

Rodgau: Im Offenen Gewässer ist mit Kaltwasserströmungen zu rechnen

Schwimmer müssen stets damit rechnen, plötzlich in eine Kaltwasserströmung zu geraten. Das kann zu medizinischen Problemen führen. Durch den Sandabbau ist das Wasser so trüb, dass die Sichttiefe weniger als einen Meter beträgt. Ein untergetauchter Körper ist von oben nicht mehr sichtbar.

Als Badeaufsicht beschäftigt die Stadt fünf Schwimmmeister. Bei größeren Besucherzahlen werden sie von Rettungsschwimmern der DLRG unterstützt. Vom Balkon des neuen Funktionsgebäudes hat das Team den größten Teil der Wasserfläche im Blick. Zusätzlich gibt es einen Wachturm an der Grenze zwischen Textil- und FKK-Strand. „Wenn der Turm nicht besetzt ist, laufen die Mitarbeiter Streife oder sind mit dem Boot unterwegs“, sagt Rathaus-Sprecherin Sabine Hooke auf Anfrage.

Vom Balkon des neuen Funktionsgebäudes hat die Badeaufsicht den größten Teil der Wasserfläche im Blick. Der Wachturm am Rodgauer Badesee an der Grenze zwischen Textil- und FKK-Strand ist nicht durchgehend besetzt.

Bei Badeunfällen kommt es auf jede Sekunde an. So war es auch am Freitagnachmittag am Rodgauer Badesee, als Hilferufe aus dem Wasser tönten. Mehrere Badegäste hatten eine Schwimmerin entdeckt, die auf dem See trieb. Sie hielten die Frau mit einer Luftmatratze über Wasser, bis das Rettungsboot eintraf.

Augenzeugen schildern ihre Eindrücke der Rettungsaktion am Rodgauer Badesee

Drei Augenzeugen schildern das Geschehen in E-Mails an unsere Redaktion. Zwei von ihnen kritisieren, bis zum Eintreffen der Rettungsschwimmer sei zu viel Zeit vergangen. „Bis die Wasserrettung den Vorfall bemerkte und endlich aktiv wurde, vergingen knapp vier Minuten“, schreibt ein Leser aus Obertshausen.

„Die Helfer vor Ort haben alles gegeben und fleißig bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes reanimiert – das war top und sehr professionell“, äußert sich eine Leserin anerkennend. Sie hofft: „Vielleicht werden in Zukunft aufgrund dieses Vorfalls auch mal wieder die Aufsichtstürme/-hütte am FKK-Strand durch Rettungsschwimmer besetzt. Dann hätte man vielleicht gesehen, wie es zu dem Unglück kam und schneller vor Ort sein können.“

Ein zusätzliches Problem sehen die Zeugen darin, dass die schwimmenden Pontons zum Corona-Schutz entfernt worden seien. Lediglich die große Badeinsel liege noch im Wasser, sei aber gesperrt.

Taucher findet leblosen Körper in vier Metern Tiefe im Rodgauer Badesee

Selbst die beste Aufsicht hätte den zweiten Unglücksfall des Wochenendes wohl nicht verhindern können. Am Sonntag ertrank ein elfjähriger Junge, der gegen 17 Uhr zum letzten Mal an der Grenze des Nichtschwimmerbereichs gesehen worden war. Nach Aussage seines Vaters wollte der Junge alleine schwimmen gehen. Der Vater beobachtete seinen Sohn vom Ufer aus. Als er ihn nicht mehr sehen konnte, alarmierte er die Badeaufsicht.

Ein Großaufgebot an Rettungskräften suchte nach dem Elfjährigen. Eine Menschenkette durchkämmte die Nichtschwimmerzone. Taucher kamen sogar aus dem Main-Kinzig-Kreis und aus Aschaffenburg. Auch ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera war im Einsatz. Ein Feuerwehrtaucher fand den leblosen Körper gegen 18.45 Uhr in einer Tiefe von etwa vier Metern. Trotz intensiver Bemühungen gelang es nicht, ihn ins Leben zurückzuholen.

Die Kriminalpolizei soll nun die näheren Umstände aufklären. Unter anderem geht es um die Frage, wie gut der Elfjährige schwimmen konnte. „Wir gehen von einem tragischen Unglücksfall aus“, betont ein Pressesprecher der Polizei. (Ekkehard Wolf)

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