Wiki-Jünger blicken nach Rodgau

Rodgau (eh) - Viele Autoren der freien Enzyklopädie Wikipedia blickten am Samstag gespannt nach Jügesheim. Eine achtköpfige Jury ermittelte im Rathaus die Sieger des Schreibwettbewerbs der deutschsprachigen Wikipedia.

Rodgau bot sich als Tagungsort an: Die Stadt liegt zentral und ist mit Flugzeug, Zug und Auto gut erreichbar. Juroren kamen sogar aus Österreich und der Schweiz. Die kürzeste Anreise hatte Uwe Müller-Klausch aus Nieder-Roden. Er betreut den Internetauftritt der Stadt Rodgau und arbeitet in seiner Freizeit seit Jahren bei Wikipedia mit.

Das größte Lexikon in deutscher Sprache ist im Lauf von zehn Jahren auf mehr als 1. 225 .000 Artikel gewachsen. Texte und Bilder stammen von ehrenamtlichen Autoren. Gut 23. 000 aktive Benutzer beteiligen sich daran, diese Sammlung an freiem Wissen zu erweitern und zu verbessern. Jeden Tag kommen etwa 450 neue Artikel dazu.

Die Perlen unter den Neuzugängen herauszufinden, ist nicht einfach. 62 Lexikon-Artikel aus dem März wurden für den Wettbewerb nominiert. Die Juroren prüften die Texte und deren Quellen auf Herz und Nieren. „Da steckt eine Mordsarbeit dahinter“, sagt Uwe Müller-Klausch: „Im April war jede Minute Freizeit gefüllt.“ Auch das Finale war arbeitsintensiv. Sieben Stunden lang diskutierten die Juroren über inhaltliche und sprachliche Qualität.

Beitrag über französischen Fußballverein gewinnt

Dabei beschäftigten sie sich mit so unterschiedlichen Themen wie dem Striegeligen Schichtpilz, dem U-Bahn-System der taiwanischen Stadt Kaohsiung und der Sonderpädagogik im Nationalsozialismus. Die Bandbreite im Sektor Kultur reichte von der Filmkomödie „Verliebt in scharfe Kurven“ bis zur Philosophenfrage: „Was ist ein Autor?“ Gesamtsieger wurde der Beitrag über den französischen Fußballverein „Stade Reims“: inhaltlich umfassend und mitreißend formuliert.

Der Schreibwettbewerb ist eine der erfolgreichsten Autoreninitiativen der Wikipedia. In 14 Wettbewerben seit Oktober 2004 wurden mehr als 1 000 Artikel bewertet. Etwa 40 Prozent von ihnen tragen inzwischen die Qualitätsprädikate „Exzellent“ oder „Lesenswert“.

Neben dem Spaß am Mitmachen winkt den Autoren der preisgekrönten Artikel die Anerkennung innerhalb der Wikipedia-Gemeinde: ein Motivationsschub, den man nicht mit Gold aufwiegen kann. Die von privaten Spendern ausgelobten Sachpreise sind eher symbolischer Natur. Dazu zählen ein Wochenende im Weserbergland, eine Packung Räucherlachs, ein Schweizer Offiziersmesser und ein Exemplar des Buches „Wikipedia clever nutzen - in Schule und Beruf“. Die Gewinner des Wettstreits dürften auf dieses Buch aber wohl kaum angewiesen sein.

Quelle: op-online.de

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