Wilhelm-Busch-Schule

Sitzkreis statt Frontalunterricht

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„Wer kennt ein Wort mit H?“ Bei den Erstklässlern fliegen die Hände hoch. Das Foto entstand gestern beim ersten Sitzkreis auf den neuen Bänken.

Jügesheim - Wo der Schulträger an seine Grenzen stößt, sind die Fördervereine gefragt. Das erlebt die Wilhelm-Busch-Schule (WBS) gerade bei der Ergänzung ihres Mobiliars. 60 stapelbare Bänke stehen auf der Wunschliste. Die ersten zwölf Exemplare wurden jetzt geliefert. Von Ekkehard Wolf 

Die üblichen Tische und Stühle werden dem Alltag in den Klassen oft gerecht, aber nicht immer. Die Bänke sollen es erleichtern, vor der Tafel einen Sitzkreis aufzubauen. „Das ist mit Stühlen nicht machbar“, sagt Schulleiterin Angelika Stelzer-Dasbach. Es koste einfach zu viel Zeit, bis alle Stühle im Kreis stehe und die Kinder wieder zur Ruhe kommen.
In vielen Klassen beginnt jeder Schultag im Kreis. Auch neue Inhalte erarbeiten sich die Kinder oft in der Runde. „Der Sitzkreis wird mehrmals am Tag gebraucht“, berichtet Konrektorin Alessa Länder. Sie sieht darin auch eine soziale Komponente: „Es schafft Gemeinschaft, wenn man sich in die Augen schauen kann.“

Stillsitzen war gestern. Heute sind Grundschüler viel in Bewegung. Das ist nicht zuletzt durch neue Unterrichtsformen wie das individuelle Arbeiten bedingt. Die Kinder holen sich selbstständig ihre Aufgaben, die sie in ihrer Reihenfolge und in ihrem eigenen Tempo bearbeiten. Der häufige Wechsel von Arbeitsphasen und Sitzkreisen hält die Aufmerksamkeit hoch.

„Eigentlich passen die Klassenräume nicht mehr zum neuen Lernen“, meint Alessa Länder. Damit die Kinder individuell arbeiten können, muss der Klassenraum umstrukturiert werden: „Man braucht Ecken, Nischen, Sitzgruppen und einzelne Tische.“ In ihrer eigenen Klasse hat die Konrektorin einen Sitzkreis aus Teppichfliesen, „aber die entspannte Position fördert nicht bei allen die Konzentration“.

So entstand die Idee eines Sitzkreises aus Bänken für jeweils vier Kinder. Für die ganze Schule sind etwa 60 Bänke notwendig. Sie müssen stapelbar sein, um die Reinigungskräfte nachmittags nicht bei der Arbeit zu behindern. Dabei sollen sie leicht genug sein, dass die Kinder sie tragen können.

„Es war nicht leicht, das optimale Produkt zu finden“, berichtet Alessa Länder. Nach langer Suche hat die WBS einen Anbieter gefunden, der leichte, stapelbare Bänke in den gewünschten Maßen liefert. Der Zufall will es, dass es sich um den gleichen Hersteller handelt, bei dem auch eine andere Rodgauer Schule Kunde ist.

Die Bänke aus Stahlrohr mit Holzbrettern sind 1,60 Meter lang und 35 Zentimeter hoch. Die Sitzhöhe ist so bemessen, dass auch Erstklässler mit den Füßen auf den Boden kommen. „Baumelnde Beine sind kontraproduktiv“, weiß die Konrektorin. Es gibt eine Einheitsgröße für alle Klassen. Bei groß gewachsenen Viertklässlern stehen dann halt die Knie etwas in die Höhe. Aber das geht auch den Erwachsenen so, wenn sie zwischen den Kindern im Kreis sitzen.

Eine erste und eine vierte Klasse bekommen die neuen Möbel zuerst. Beide sind Inklusionsklassen, in denen behinderte und nicht behinderte Kinder miteinander lernen. Jede Bank kostet etwas mehr als 100 Euro. Das macht zusammen gut 6000 Euro. Aus dem knapp bemessenen Schulbudget ließe sich das nie finanzieren.

Die Idee mit dem mobilen Sitzkreis trug die WBS im Herbst dem Landtagsabgeordneten Frank Lortz (CDU) vor, der in seiner Funktion als Landtagsvizepräsident jedes Jahr viele Schulen besucht. Der Politiker zeigte sich aufgeschlossen: „Ich werde sehen, was sich machen lässt.“ Um die gute Absicht zu unterstreichen, überreichte Lortz eine 1000-Euro-Spende der Sparkasse Langen-Seligenstadt.

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„Die ersten zwölf Bänke sind bestellt“, berichtete wenig später Thomas Köhler, der Vorsitzende des Schulfördervereins. Der Verein will weiter fleißig Spenden sammeln, um alle Klassen mit Sitzbänken auszustatten.

Auch Schulfeste, Flohmärkte und andere Veranstaltungen bringen Geld in die Kasse des Fördervereins. Ein Sponsorenlauf mobilisierte vor einigen Monaten gut 5 000 Euro an Spenden für den Austausch des alten Spielecontainers auf dem Schulhof. „Das war weitaus mehr, als wir erwartet haben“, freut sich Köhler. Der neue Spielecontainer kommt in diesem Jahr. Außerdem finanzierte der Verein mehrere CD-Player mit Verstärker, die stabil genug für den Schulalltag sind. Kosten: rund 2000 Euro.

Die Wilhelm-Busch-Schule ist nicht die erste, die ihr Mobiliar mit Spendengeldern ergänzt. Bereits vor Jahren hat die Freiherr-vom-Stein-Schule in Dudenhofen mehrere Klassenräume mit einem runden Tisch ausgestattet. Gemeinsame Arbeit in der großen Runde und individuelle Arbeitsphasen an den Einzeltischen wechseln sich ab.

Quelle: op-online.de

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