Wer will die alte Bahnschranke?

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Der Platz reicht beim besten Willen nicht. Thomas Gotta nimmt Maß für die neue Ladeneinrichtung: Die Schranke muss weg.

Jügesheim  ‐ Die letzte Jügesheimer Bahnschranke sucht eine neue Heimat. Getränkehändler Thomas Gotta will das Erinnerungsstück abgegeben, weil es nach dem geplanten Umbau nicht mehr in seinen Laden passt. Von Ekkehard Wolf

Die Schranke stammt vom Bahnübergang Kasseler Straße, der durch den Bau der S-Bahn-Strecke überflüssig wurde. Seit 14. Juli 2003 fließt der Verkehr durch die Unterführung Elbinger Straße.

Gotta hatte damals eine der Schranken ergattert. „Ich hab‘ einfach lieb und nett gefragt, ob ich eine haben könnte“, erinnert er sich. Die Bauarbeiter und auch die Bauleitung waren damals Stammkunden im Getränkemarkt an der Unterführung.

Baujahr Juli 1999

Am Nachmittag des 14. Juli 2003 war es so weit: Ein Kranwagen lieferte die Bahnschranke an. Mit dem Abbau war sie ins Eigentum der Baufirma übergegangen. Die Deutsche Bahn hatte dafür keine Verwendung mehr. Dabei war das Gerät nicht mal besonders alt: Das Typenschild der Firma Pfleiderer Verkehrstechnik weist als Baujahr den Juli 1999 aus.

Das sperrige Stück Eisenbahntechnik ist ein richtiges Schwergewicht. Mit Hubwagen und Palette bugsierten Mitarbeiter des Getränkemarkts den schweren Antriebssockel in die Mitte der Halle. Mehrere kräftige Männer waren dazu notwendig. Gut, dass sich der fünf Meter lange Schrankenbaum abschrauben lässt! Er besteht aus einem dickwandigen Kunststoffrohr, das sich gut tragen lässt.

Wohin mit der letzten Jügesheimer Bahnschranke?

Die Bahnschranke war von Anfang an ein Blickfang im Getränkemarkt. „Jeder, der hier reinkam, fand das total toll“, erzählt Thomas Gotta. Auch wenn er dem Rodgau-Express keine Träne nachweint, gefällt ihm die Schranke: „Sie ist einfach ein schönes Stück.“ Umso mehr bedauert Gotta, dass das Teil nun weg muss. Beim Umbau will er zusätzliche Flächen für Aktionsware schaffen - „und da geht es um jeden Meter“.

Wer die Bahnschranke haben möchte, kann sich nun bei Getränke Gotta (info@gotta24.de) melden. Die Zeit ist knapp. Thomas Gotta: „Spätestens am 19. November muss die Schranke abgeholt sein, denn dann bauen wir um.“

Wohin mit der letzten Jügesheimer Bahnschranke? „Kein Platz im Museum“, lehnte der Heimatverein dankend ab. Auch aus dem Museum für Eisenbahntechnik, das Franz Stockdreher aus Nieder-Roden vor rund zehn Jahren angeregt hatte, ist nie etwas geworden.

Quelle: op-online.de

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