Windkraft passt nicht nach Rodgau

+
Bernhard Pelka und Dr. Bernhard Knaf (rechts) im Gespräch.

Rodgau - Am 13. Dezember stehen bei der Hauptversammlung des CDU-Stadtverbands Neuwahlen an. Welche Änderungen wird es geben? Wie steht die Rodgauer CDU zur Windkraft? Diese und andere Fragen stellte Redaktionsleiter Bernhard Pelka dem Stadtverbandsvorsitzenden Dr. Bernhard Knaf (62).

Stehen Sie bei der Hauptversammlung wieder für den Vorsitz zur Verfügung?

Ja. Ich freue mich, dass ich aus allen Rodgauer Stadtteilen zur erneuten Kandidatur aufgefordert worden bin.

Wird es Verjüngungen im neuen Vorstand geben?

Teilweise schon. Die Gespräche darüber laufen derzeit aber noch im Stadtverbandsvorstand.

Wenn wir schon beim Personal sind. Wird es nicht langsam Zeit, dass die CDU einen Bürgermeisterkandidaten aufbaut? Dazu braucht es doch ein paar Jahre.

Das sehe ich nicht so. Die jetzige Zeit wäre dafür absolut ungeeignet. Der aktuelle Bürgermeister ist erst gut ein Jahr im Amt, seine Amtszeit dauert sechs Jahre. Wir gehen das ruhig und gelassen an. Ich gehe davon aus, dass wir das zwei Jahre vor der nächsten Bürgermeisterwahl entscheiden werden. Wir haben geeignete Kandidaten. Ich selbst habe vier oder fünf Namen auf dem Tableau.

Die Feuerwehren haben sich zusammengeschlossen, die Gewerbevereine bündeln ihre Kräfte, die SPD Rodgau-Nord bildet seit langem eine Einheit. Wie sieht’s mit der CDU aus?

Die Union tut sich aufgrund ihrer starken Eingebundenheit in die Vereine und die lokalen Besonderheiten in den einzelnen Stadtteilen mit einer Gesamtvereinigung schwer. Aber in der Tat gibt es immer wieder Gespräche, um Synergien zu erzielen. Wir arbeiten dran.

Der parteiinterne Streit in der CDU scheint ausgestanden. Es ist ruhig geworden um die CDU. Ist das angesichts der zurückliegenden Auseinandersetzungen ein gutes oder ein schlechtes Zeichen?

Da muss ich widersprechen. Wir haben diesen Streit schon beendet, seit ich das Amt des Stadtverbandsvorsitzenden angetreten habe. Wir gehen seither einheitlich und freundschaftlich miteinander um und machen geschlossen eine Politik ausschließlich zum Wohl dieser Stadt. Insofern glaube ich, dass die Ruhe uns gut getan hat.

Lassen Sie uns über das Parlament reden. Dort ist die Union mit 13 Sitzen zwar stärkste Fraktion, hat letztlich aber nichts zu melden gegen die Mehrheit der Kooperation. Wie findet sich die Fraktion in ihrer neuen Rolle zurecht?

In der Tat ist das für uns alle nicht einfach, nach den Jahrzehnten an der Spitze der politischen Verantwortung nun in der Opposition zu sein. Aber das ist Demokratie, dass man auch mal auf der anderen Seite sitzen muss. Die Kolleginnen und Kollegen haben sich dieser Aufgabe gestellt und arbeiten intensiv. Wir bemühen uns um Sachlichkeit, um eine bessere Politik für Rodgau zu machen als die Kooperation. Aber trotz aller Sachlichkeit wird derzeit grundsätzlich gegen die CDU entschieden, egal um was es geht.

Auch wenn Ihre Gestaltungsmöglichkeiten eingeschränkt sind, müssen Sie sich positionieren und Themen besetzen. Welche Möglichkeiten sehen Sie hier?

Wir setzen klare Akzente und orientieren uns dabei an unseren Leitlinien für Rodgau, die wir im letzten Wahlkampf schon vorgestellt haben. Das umfasst die gesamte Bandbreite der Rodgauer Politik - von Städtebau, über Kinderbetreuung und Senioren bis zu den Finanzen. Das werden auch die jetzigen Haushaltsberatungen für 2012 zeigen. Da werden wir einige Änderungs- und Ergänzunganträge einbringen.

Wenn es um Akzente geht, darf die Energiewende nicht außen vor bleiben. Die CDU aber lehnt Windräder ab. Sind Sie gegen Ihre eigene Landesregierung?
Natürlich nicht. Ich habe zur Kenntnis zu nehmen, dass die Bevölkerung die Energiewende will. Aber mit der geforderten Schnelligkeit habe ich ein Problem. Es gehört mehr dazu, als Windkraft und Solartechnik einfach zu beschließen. Da gehört auch die Infrastruktur dazu. Schauen Sie: Wir brauchen 3 500 Kilometer Hochspannungsleitungen in Deutschland, wenn wir 2020 die Wende haben wollen. Bisher haben wir 90 Kilometer geschafft. Auch brauchen wir 400 Pumpspeicherkraftwerke bis dahin. Das ist mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zu erreichen.

Sie lehnen also die für Rodgau geplanten zwei Windräder ab?

Rodgau ist für Windkraftanlagen kein geeigneter Standort. Und Weiskirchen ist mit der A3 und dem Flughafen genug belastet. Was mich an dem Verfahren in Rodgau am meisten stört, ist die Intransparenz. Die Bürger wurden vom Magistrat nicht mitgenommen bei dieser Entscheidung.

So undurchsichtig kann das für die CDU aber nicht gewesen sein. Im Magistrat sind Sie doch vertreten und damit in die Entscheidungen eingebunden.

Im Magistrat gab es dazu überraschend eine Vorlage. Alles war vorgegeben und wurde dann schnell zur Abstimmung gestellt. Eine Chance und die Zeit, sich sachkundig zu machen, bestand nicht.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare