Viel Wirbel um die Windkraft

Rodgau - Die Ankündigung des Magistrats, die Stadt werde im Wald zwischen Weiskirchen und Seligenstadt zwei Windräder errichten, wirbelt die Kommunalpolitik durcheinander. Die Grünen begrüßen das Projekt in einer Pressemitteilung ausdrücklich. Von Bernhard Pelka

„Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) teilen mit, sie seien zwar „prinzipiell nicht gegen alternative Energiepolitik“. Beim Windkraftprojekt fürchte ZmB allerdings einen Alleingang von Stadtrat Michael Schüßler - vorbei am Stadtparlament. Die Junge Union wiederum lehnt das Vorhaben grundsätzlich ab. Und Seligenstädter Naturschützer halten die zwei Windräder sogar für gesetzeswidrig und „nicht genehmigungsfähig“.

Diese Ansicht äußert die „Arbeitsgemeinschaft Fledermausschutz Seligenstadt“ im Naturschutzbund Seligenstadt und Mainhausen in einer Presseerklärung. Die Anlage bedrohe besonders geschützte Tierarten. Ein Gutachten im Auftrag der Stadt Seligenstadt habe 2009 die Fledermausfauna in direkter Nachbarschaft der geplanten Windrad-Standorte im Wald untersucht und alle vier der durch Windkraftanlagen besonders gefährdeten Arten dort festgestellt. Die Arbeitsgemeinschaft bemüht ein weiteres Gutachten, um die Brisanz ihres Anliegens zu verdeutlichen. So sei in Freiburg ermittelt worden, „dass dort im Durchschnitt 20,9 Fledermäuse pro Windkraftanlage und Jahr zu Tode kamen.“ Da der Wald bei uns Überwinterungsgebiet für zum Teil aus Skandinavien zuwandernde Fledermausarten sei, „könnte die Todesrate dort noch viel höher liegen.“

13 der 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten

Im Wald zwischen Seligenstadt und Rodgau seien bisher 13 der 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten nachgewiesen. Darunter die Mopsfledermaus, die in Hessen bereits als ausgestorben galt. Windräder gehörten aufs offene Feld. Davon habe die Stadt Rodgau genug.

Die Rodgauer Grünen sind hingegen sicher, dieses Gebiet erfülle „alle Kriterien, die bei der Windkraftnutzung eingehalten werden müssen“. So sei der dortige Wirtschaftswald kein Naturschutzgebiet „und auch die Mindestentfernung zur Wohnbebauung wird mühelos eingehalten“. Aufgrund der geringen Grundfläche von Windkraftanlagen und der bereits vorhandenen Wirtschaftswege seien die Auswirkungen auf den Wald „minimal“ (etwa 30 mal 50 Meter je Anlage). „Auch eine bemerkbare Geräuschentwicklung ist nicht zu erwarten.“ Das wirtschaftliche Risiko trage allein der Investor.

„Für Rodgau wären Windkraftanlagen ein deutlicher Schritt auf das vor kurzem von der hessischen Energieministerin Lucia Puttrich vorgezeichnete Ziel, Hessens Energieversorgung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken.“

Nur ein einziger Investor

„Zusammen mit Bürgern“ kritisieren, dass der Magistrat nur auf einen einzigen Investor setzte. Auch sollten wohl vollendete Tatsachen geschaffen werden. „Steuern wir mit diesem Blankoscheck für die Windkraft und den einen Investor auf das gleiche Desaster zu, wie die Mühlheimer mit ihrer Biogas-Anlage?“ Jeder Bürger habe das Recht zu erfahren, wie es mit der Energiewende konkret in Rodgau weitergeht. Da seien vorgezogene Absprachen und Zusagen an Investoren „der falsche Weg“. ZmB fordert den Magistrat auf, für mehr Transparenz zu sorgen. Diesem Magistrat gehört auch das ZmB-Mitglied Hermann Jäger ehrenamtlich an.

Quelle: op-online.de

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