Windkraft soll kein Windei werden

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Engagiert äußerten Bürger ihre Meinungen in der DGB-Diskussion über Windkraft.

Weiskirchen (eh) - Chancen für die Windkraft sieht Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) in Rodgau - doch ob hier in absehbarer Zeit auch nur ein Windrad errichtet wird, ist ungewiss.

Noch sei nichts entschieden, betonte Hoffmann am Mittwoch in einer Podiumsdiskussion des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Der Magistrat habe zwar eine Absichtserklärung mit einem potenziellen Investor abgeschlossen, aber damit sei nur gesagt, „in welche Richtung es gehen soll“.

Der Bürgermeister bekräftigte, er halte zehn Windkraftanlagen in Rodgau für möglich. Aber das sei nur eine persönliche Ansicht: „Ich kann es mir vorstellen, mehr nicht.“ Deshalb sei es auch zu früh, über Standorte zu reden. Es sei Sache der Investoren, das Potenzial auszuloten, die Wirtschaftlichkeit zu berechnen und mögliche Auswirkungen auf die Natur zu ermitteln.

Windkraft-Standort zwischen Weiskirchen und Froschhausen

Thorwald Ritter aus Hainburg, der Kreisvorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), sieht einen möglichen Windkraft-Standort in der Wald-Abteilung 23 zwischen Weiskirchen und Froschhausen: „Es wird keine Windräder vor der Tür geben, sie werden mindestens 1000 Meter von der Grundstücksgrenze entfernt stehen.“ Die Windverhältnisse im Rhein-Main-Gebiet eigneten sich nur für hohe Windräder mit rund 140 Meter Nabenhöhe. Eine mäßige, aber stetige Luftbewegung sei für diese Anlagen besser als der Wechsel zwischen starkem Wind und Flaute.

Im Genehmigungsverfahren könne jeder Bürger seine Einwände vorbringen, sagte Ritter: „Auch wir als Umweltverband werden alle Aspekte prüfen.“ Zum Schutz von Fledermäusen könnten die Behörden zum Beispiel vorschreiben, die Anlage zu gewissen Zeiten abzuschalten.

Kein Wald gerodet

Im Gegensatz zu landläufigen Befürchtungen werde für Windräder kein Wald gerodet, betonte der BUND-Kreisvorsitzende vor rund 50 Zuhörern im Ansingraum des Bürgerhauses Weiskirchen: „Nur während der Bauzeit sieht es schlimm aus.“ In der Nähe von Groß-Umstadt könne sich jeder selbst davon überzeugen, wie Windräder in Waldgebieten aussehen.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann plädierte für einen sachlichen Umgang mit dem Thema. Es gebe wohl keinen Ort, an dem die Bevölkerung Windkraftanlagen herbeisehne. „Aber wenn sie einmal stehen, werden sie nirgendwo in unserer Republik kritisiert. Und nirgends werden Horden toter Vögel aufgesammelt.“ Es sei nicht sinnvoll, den Rodgauer Investor unter Druck zu setzen. Mit Ergebnissen sei wohl erst 2013 zu rechnen: „Dieser Prozess braucht Zeit, wenn man kein Windei bauen will.“

„Ja zur Energiewende mit vernünftigen Arbeitsplätzen“

„Ja zur Energiewende mit vernünftigen Arbeitsplätzen“, sagte Mike Josef vom DGB Südosthessen. Der Beschäftigungszuwachs in der Branche sei enorm. Durch die Energiewende seien allein im strukturschwachen Nordhessen in den letzten zehn Jahren 13.000 neue Arbeitsplätze entstanden, vor allem in kleinen und mittelständischen Betrieben. Allerdings gebe es oft noch untertarifliche Arbeitsbedingungen und einen hohen Anteil an Leiharbeitern. Der DGB versuche dies zu ändern.

Engagierte Meinungen pro und contra Windkraft äußerten elf der rund der 50 Bürger in der Diskussion. „Mich interessiert, was die Stadt bei der ganzen Sache gewinnt“, fragte ein Anwohner aus Weiskirchen. Der Grundstückseigentümer erhalte eine Pachtzahlung vom Betreiber, sagte dazu der Seligenstädter SPD-Stadtverordnete Michael Hollerbach: „Es bleibt Geld für die Gemeinde vor Ort, neben der Gewerbesteuer. Wenn ein Windpark Gewinn abwirft, bleiben mindestens 70 Prozent in der Gemeinde.“

Quelle: op-online.de

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