Sechs Mal Vorrang für die Windkraft

Rodgau (eh) - Rückenwind für erneuerbare Energien kommt aus dem Bau- und Verkehrsaussschuss. Mit den Stimmen der Kooperation hat der Ausschuss am Donnerstag empfohlen, mögliche Standorte für Windräder, eine Biogasanlage und ein Solarkraftwerk in den Regionalplan aufzunehmen.

Die CDU-Vertreter enthielten sich: Nach ihrer Ansicht sind die Standorte nicht gründlich genug untersucht.

Sechs Vorranggebiete für Windenergie hat der Magistrat ausgesucht. Damit folgt er einem Wunsch aus Wiesbaden. Die CDU/FDP-Landesregierung will bis 2050 den Energieverbrauch vollständig aus erneuerbaren Energien decken. Zwei Prozent der Landesfläche sollen für Windenergie ausgewiesen werden. In Rodgau schlägt der Magistrat sogar 5,34 Prozent der Fläche vor. „Damit stehen wir gut da“, meint Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD).

Interessanteste Windkraft-Standort im Kreis Offenbach

Rodgau ist der interessanteste Windkraft-Standort im Kreis Offenbach. Diesen Schluss legen die so genannten Suchraumkarten nahe, die der Regionalverband im März vorstellte. „Wir wurden davon auch überrascht“, sagt Jutta Lusert, die Leiterin des städtischen Fachdienstes Stadtplanung und Umwelt.

Der Fachdienst hat sechs Gebiete ausgewählt, in denen Windräder denkbar sind. Das kleinste umfasst zehn Hektar (ha), das größte 180 ha, insgesamt sind es 347 ha. Fünf dieser Flächen liegen im Wald, eine in der Feldgemarkung. Alle sind mehr als 1000 Meter vom nächsten Wohngebiet entfernt. Hoffmann: „Wir positionieren uns damit auf einer Ebene, die deutlich macht, dass wir für Windenergie sind und erhebliche Flächen zur Verfügung stellen, dass wir aber auch die Interessen der Bevölkerung berücksichtigen.“

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Bernhard von der Au (CDU) vermisste Aussagen über positive oder negative Auswirkungen der sechs Windkraft-Standorte auf die Stadt. Bevor man Flächen ausweise, sei es sinnvoll, die möglichen Einnahmen zu kalkulieren. Die Stadt befinde sich in einem sehr frühen Stadium des Planungsrechts, entgegnete Bürgermeister Hoffmann: „Eine monetäre Betrachtung ist definitiv noch nicht möglich.“ Jürgen Kaiser (SPD) sprang dem Bürgermeister zur Seite: „Es ist doch nicht Aufgabe der Stadtplanung, auszurechnen, wo sich ein Windrad lohnt. Das ist die Sache dessen, der es aufbauen will.“

„Schwachsinnsantrag“

Sollte sich der CDU-Kreisverband mit seiner Forderung durchsetzen, Windräder im Umkreis von 20 Kilometern um Großkraftwerke zu verbieten, wäre die Diskussion in Rodgau ohnehin vergebens. Als „Schwachsinnsantrag“ bezeichnete Heino Reckließ (FDP) das Ansinnen der Union: „Dann wäre die einzige Stadt mit guten Voraussetzungen raus aus dem Spiel. Sie konterkarieren Ihre eigene Landesregierung – unsere Landesregierung.“

Keine Antwort bekam Horst Böhm (ZmB) auf die Frage, wie weit das beabsichtigte „Gesamtkonzept Energie“ im Rathaus gediehen sei. Bürgermeister Hoffmann rüffelte: „Sie wissen wohl nicht, was ein Gesamtkonzept ist.“

Quelle: op-online.de

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