Windräder bevorzugt in den Wald

Weiskirchen (eh) Auf der Suche nach möglichen Standorten für Windräder hat der Magistrat fünf Waldgebiete und ein Stück der Feldgemarkung östlich von Dudenhofen ausgeguckt. Das Stadtparlament soll am 21. Mai darüber entscheiden.

Außerdem auf der Wunschliste: Eine Biogasanlage neben der Kompostierungsanlage und eine frei stehende Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung nördlich der Autobahn A 3.

Es geht zunächst nicht um konkrete Projekte, sondern nur darum, Wünsche für den Regionalen Flächennutzungsplan anzumelden. Bei der Windkraft spricht man von so genannten Vorrangflächen. Alle liegen teilweise oder vollständig in Landschaftsschutzgebieten, zwei befinden sich zudem in Vogelschutzgebieten nach der europäischen Natura-2000-Verordnung.

„Suchräume“ für die Windenergienutzung

Zwei dieser Flächen waren bereits 2007 im Entwurf des Regionalen Flächennutzungsplans ausgewiesen. Eine liegt zwischen Weiskirchen und Froschhausen (dort plant ein Investor derzeit zwei Windräder), die andere in der Nähe von Rollwald nördlich des Katharinenhofs. Der Flächennutzungsplan wurde seinerzeit jedoch ohne Vorrangflächen beschlossen – mit der Folge, dass Windkraftanlagen seither außerhalb des bebauten Gebiets praktisch überall zulässig sind.

Das wollen die Planungsträger nun ändern. Regierungspräsidium und Regionalverband haben deshalb so genannte „Suchräume“ für die Windenergienutzung ermittelt. Einerseits gibt es dort ausreichend Wind, andererseits ist das nächste Wohngebiet mindestens 1000 Meter entfernt. Die Landkarten wurden im März vorgestellt. Die meisten und größten „Suchräume“ im Kreis Offenbach liegen demnach rund um Rodgau.

Sechs Flächen für Windkraft vorgeschlagen

Die Stadtverwaltung suchte und wurde fündig. Der Magistrat schlägt dem Stadtparlament nun sechs Flächen für Windkraft vor, die möglichst weit von bebauten Gebieten entfernt liegen. Zudem sollen sie gut erreichbar sein. Fünf davon sind Wälder in städtischem Eigentum. Die Stadt sichert sich damit Handlungsfreiheit: Als Eigentümerin kann sie selbst entscheiden, zu welchen Bedingungen sie das Gelände zur Verfügung stellt.

Am 21. Mai beraten die Stadtverordneten über die Vorrangflächen. Das Parlament kann aber nur eine Vorentscheidung treffen. Der Beschluss geht als Empfehlung an das Regierungspräsidium und den Regionalverband. Diese sollen dann untersuchen, ob sich die genannten Areale als Vorrangflächen für Windenergie eignen. Erst im neuen Regionalen Flächennutzungsplan werden die Vorrangflächen endgültig festgelegt. Das kann noch Monate dauern.

Fakten

  • Diese Gebiete schlägt der Magistrat als Vorrangflächen für Windräder vor:
    1. Weiskirchen Nordost, nördlich der L 2310, nahe der Grenze zu Hainburg und Obertshausen (Wald, Landschaftsschutz, teilweise Vogelschutzgebiet).
    2. Weiskirchen Ost, nahe der Grenze zu Seligenstadt und Hainburg (Wald, Landschaftsschutz, bereits 2007 vorgesehen). Ein Investor will dort zwei Windräder errichtet, Gutachten und Pläne liegen aber noch nicht vor.
    3. Dudenhofen Ost, beidseits der Kreisquerverbindung L 3121, nahe der Grenze zu Seligenstadt (Felder und Wiesen, privates Eigentum, teilweise Landschaftsschutz).
    4. Dudenhofen Südost, zwischen L 3116 und Kalksandsteinwerk, nahe der Grenze zu Seligenstadt (Wald, Landschaftsschutz, Vogelschutzgebiet gemäß Natura 2000). 
    5. Jügesheim West, nördlich der Kreisquerverbindung K 174, nahe der Grenze zu Dietzenbach und Heusenstamm (Wald, Landschaftsschutz, Vogelschutz gemäß Natura 2000).
    6. Nieder-Roden Nordwest, südlich der Kreisquerverbindung K 174, zwischen Waldacker und der Erweiterung des Rodgau-Sees (Wald, Landschaftsschutz).
      • Für hohe Windräder mit Nabenhöhe von 140 Metern herrscht an allen Standorten laut Regionalverband ein ausreichendes Windpotenzial von 5,5 Metern pro Sekunde.
      • Die Flächen 5. und 6. liegen weniger als 15 Kilometer von Wetterradar in Offenthal entfernt. Der Deutsche Wetterdienst fordert dort eine Höhenbeschränkung für Windräder: 130 Meter bis zur Rotorspitze. Das kann die Anlagen nach Einschätzung der Stadt möglicherweise unrentabel machen. Die Flächen 2. und 4. liegen teilweise ebenfalls in diesem 15-km-Radius.

Quelle: op-online.de

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