Verbeugung vor großem Dirigenten

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Dank an eine große Persönlichkeit: Der Männerchor verabschiedete sich von Kapellmeister Winfried Siegler (Mitte).

Dudenhofen - Wehmut bei allen Sängern und Sängerinnen, Hochachtung der Weggefährten, Bewunderung des Publikums und größter Respekt von ehemaligen Schülern: Von Katharina Weltzien-Falk

Wohin man schaute, mit wem man auch sprach vor und nach dem Galakonzert im voll besetzten großen Saal des Bürgerhauses Dudenhofen, die Menschen lieben ganz offensichtlich den Dirigenten, Komponisten, Juror und Dozenten Winfried Siegler und bedauern zutiefst seinen Abschied vom Dirigentenstab. Er selbst ist bescheiden geblieben bei allen beruflichen Höhenflügen. Ein kleines bisschen stolz sei er auf seine musikalische Laufbahn, besonders auf die großen und überwältigenden Wettbewerbserfolge und die Konzerte in der Frankfurter Alten Oper mit großem Orchester und berühmten Solisten. Unheimlich schnell sei die Zeit vergangen und vieles hätte sich in der Chorszene verändert, seit er 1965, 31-jährig, den Männerchor Dudenhofen übernommen hatte. Spannungen hätte es da noch gegeben zwischen den Chören.

Davon war am Verabschiedungsabend nichts zu spüren. Auch dies ein Verdienst des Dirigenten, da er eine Diskussionskultur in den eigenen Reihen immer gefördert hatte, wie der erste Vorsitzende des Männerchores, Werner Seib, in seiner Dankesrede betonte. Winfried Siegler, ein großer Mann der deutschen Chorszene, darf höchst zufrieden auf sein Lebenswerk zurück schauen.

Die Formationen Männerchor, Frauenchor, Gemischter Chor und Cantiamo, unterstützt von Sängern und Sängerinnen der Liederfreunde Hainstadt und der Joyful Voices Dietzenbach, gaben mit der festlichen Gala unter dem Motto „Time to say Goodbye“ ihr Bestes, um einen würdigen Abschied von der Bühne zu bereiten.

Sparsam in der Gestik, zurückgenommen im Ausdruck

Siegler selbst dirigierte den Männerchor vom Klavier aus, sparsam in der Gestik, zurückgenommen im Ausdruck, doch da war er, der viel gerühmte „Siegler-Klang“, der in der Chronik treffend mit „Transparenz, Tonreinheit, Aussprache und Rhythmik“ beschrieben ist. Attribute, die auch auf den Festabend zutrafen. Nobel, rein und sehr harmonisch der Gesamteindruck, der im Übrigen auch für die anderen Ensembles unter der hervorragenden Leitung von Rainer Fenchel galt.

Moderator Heinz Karnbach hatte das Konzert zunächst mit einer Überraschung eröffnet: Der Kinderchor sang zwei Titel, „We Are the world“ und „Für Alle hier“. Saubere Intonation, schöne Stimmen und kongeniale sehr junge Interviewpartner für die Moderation ergaben ein stimmiges Bild. Leiterin Theresia Uglik bedankte sich bei Winfried Siegler für seine Motivation und Unterstützung. Anschließend präsentierte Winfried Siegler seinen Männerchor mit klassischen Werken: Bruckners „Ave Maria“, Stürmers Vertonung von Goethes „Wanderers Nachtlied“ und Verdis „Die Himmelsjungfrau gnadenvoll“.

Heinz Karnbach hatte das Publikum schon vorher mit einer Rezitation des Goethe- Gedichtes in verschiedenen Versionen zum Schmunzeln und Träumen gebracht. Seine Führung durch das Programm war professionell, witzig, lehr- und temporeich und bestens dazu geeignet, Menschen zum intensiven Zuhören zu animieren.

Auch die Sopranistin Carmen Lang tat dies mit ihrer schönen und ausdrucksstarken Stimme. Eine klare Höhe bei zugleich wohlklingender Tiefe, die sie bei Verdi noch mit dem Männerchor gemeinsam präsentierte, ließ keine Wünsche offen. Später überzeugte sie, klassisch ausgebildet, mit dem Filmtitel „Lovers“, am Klavier begleitet vom souveränen und umsichtigen Pianisten Hans-Kaspar Scharf. Schade, dass das Instrument selbst einen leicht verstimmten Eindruck hinterließ.

„Time to say goodbye“ zum Abschluss

Vorher sang der Gemischte Chor schlicht und schön Kreutzers „Schon die Abendglocken klangen“. Der Frauenchor folgte mit dem Titel „I will follow him“. Rainer Fenchel dirigierte temperamentvoll, klar und rhythmisch präzise. Die sehr versiert swingende Begleitband Roxone stand ihm in puncto Musikalität in nichts nach. Außerdem besitzt Fenchel selbst eine schöne Baritonstimme, wie er später unter Beweis stellen konnte.

Zunächst aber sang Nadine Michel mit wohlklingender Musicalstimme das Sopransolo für den Frauenchor. Beim folgenden Titel, „This little Light of mine“, klatschte das Publikum rhythmisch mit. Vor der Pause dann noch „Summertime“ mit Carmen Lang und Hans-Kaspar Scharf, sowie ein vom Moderator so genannter „Siegler-Nummern-Block“ mit dem Männerchor und dem schönen Solotenor von Rudolf Vogel unterstützt von Rainer Fenchel als Gesangssolisten: „Swing Low“, „Wo warst du“ und „I want to go to Heaven“, verstärkt noch von einem Posaunisten des Musikvereins. Nach der Pause zeigten sich alle Gruppierungen noch einmal von ihrer besten Seite. Der Männerchor mit Sieglers „Komm herab, oh Madonna Theresa“, Cantiamo, Roxone und Matthias Väth mit Gitarre und Solodarbietung bei „Fürstenfeld“, der Frauenchor mit dem Lied „Amore, Bella Italia“ von Sieglers Kollegen Pappert, bis hin zu Karnbachs eigens umgedichteten Abba-Titel „Nur Sieg(l)er steh’n im Licht“ des Frauenchores.

Stimmlich und musikalisch sehr überzeugend Arlens „Over the Rainbow“ wieder mit Carmen Lang und Hans-Kaspar Scharf, gefolgt vom letzten Block von Cantiamo mit Band: „Take me home“ von Denver, Mercurys „Bohemian Rhapsody“ und Rodgers „You’ll Never Walk Alone“ mit herausragenden Solodarbietungen der vier Roxone-Mitglieder an Gitarre, Schlagzeug, Keyboard und Bass und vier Blechbläsern vom Musikverein Dudenhofen. Das Publikum war begeistert. Nach der gefühlvollen Dankesrede von Werner Seib und einem Musikfilm über die schönsten Programme der Siegler-Ära ertönte als Finale von allen Chören und Solisten gemeinsam „Time to say goodbye“.

Quelle: op-online.de

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