Lichterglanz in Nieder-Roden

Winterlicher Adventsmarkt mit Flair

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Mit volltönendem Männergesang eröffnete der Chor des Sonntagvereins den Adventsmarkt in Nieder-Roden.

Nieder-Roden - So muss ein Adventsmarkt sein: Der Neuschnee leuchtet auf den Dächern und unten auf dem Kirchplatz begegnen sich die Menschen auf einen kurzen Gruß oder ein längeres Gespräch.

Die Buden bilden einen Kreis zwischen Kirche, Pfarrhaus, alter Schule und Museum, über allem liegt Lichterglanz und ein ganz besonderer Duft. Nach dem verregneten Reinfall im vergangenen Jahr ließ das zweite Adventswochenende in Nieder-Roden diesmal kaum Wünsche offen.

Auch Besucher aus anderen Stadtteilen waren angetan von der anheimelnden Atmosphäre „auf dem schönsten Platz Nieder-Rodens“, wie Günther Keller vom Arbeitskreis für Heimatkunde schwärmt. Keller ist einer der Väter des Adventsmarkts. Gemeinsam mit dem Sonntagverein und den Handballern der SG Nieder-Roden hatte der Heimatverein vor einem runden Dutzend Jahren die erste Budenstadt an der Matthiaskirche organisiert.

„Heil‘ge Nacht, nun kehrst du wieder“

„Heil‘ge Nacht, nun kehrst du wieder“, sang der Männerchor des Sonntagvereins zur Eröffnung. Auch ein Bläser-Ensemble des Musikvereins und die Sängervereinigung Sängerkranz Polyhymnia erfreuten die Besucher mit weihnachtlichen Klängen.

Noch stärker als der Glühwein duftete am Samstag der heiße Sliwowitz. Der Pflaumenbrand wurde an mehreren Ständen ausgeschenkt. Fast schien es, als sei das serbische Nationalgetränk auch der Lieblingsdrink der Nieder-Röder.

Das Aroma der Heißgetränke mischte sich mit den Gerüchen ganz unterschiedlicher Speisen: Kartoffelpuffer, heiße Fleischwurst, geröstete Maroni, Wildgulasch... Die Speisekarte war nicht riesig, aber vielseitig. Beim Bummel über den Platz roch es an jeder Stelle anders.

Manche neue Gesichter

Trotz der Kälte begegnete den Marktbesuchern immer ein freundliches Lächeln.

Auch in den Marktbuden sah man manche neue Gesichter. Erstmals dabei war ein gemeinsamer Stand der Kita Turmstraße und des Waldkindergartens „Wühlmäuse“, die unter dem Motto „Gummistiefel trifft Hausschuh“ zusammenarbeiten. Aus Jügesheim kam die unabhängige evangelische Gemeinde: Weil es im Heimatort keinen Adventsbummel gab, baute sie ihren Stand einfach in Nieder-Roden auf.

An Menschen, denen es nicht so gut geht, erinnerten die Kerbburschen und -mädchen mit ihrer jährlichen Spende für einen guten Zweck. Diesmal überreichten sie 1 000 Euro an das Kinderhaus Frank in Frankfurt-Sossenheim, eine Wohneinrichtung für behinderte Kinder. Dort lebt auch ein Junge aus Nieder-Roden, der am Samstag vier Jahre alt geworden ist. Sein Vater erzählte die Geschichte seines Sohnes, der vor vier Jahren als gesundes Baby auf die Welt kam und sich prächtig entwickelte, bis eine Herpes-Infektion im Alter von neun Monaten 80 Prozent seines Großhirns zerstörte. Der Junge kann nicht mehr sehen, kann wohl auch nicht mehr hören, hat nur wenig Kontrolle über seine Gliedmaßen und wird im Kinderhaus Frank liebevoll und kompetent gepflegt und gefördert. Seine Eltern haben gelernt, sich auch über kleinste Erfolge zu freuen.

Aus Betroffenheit über das Schicksal dieser Familie hätte der Nikolaus beinahe seinen Auftritt vergessen. Wartende Kinder an der Bühne erinnerten ihn daran. Für ihre Geduld wurden sie belohnt: Viele Kinder durften sich mehr als eine Überraschung aus dem Geschenkesack holen.

Zufriedene Gesichter sah man an den Ständen der Vereine, wo ehrenamtliche Helfer dank des guten Besuchs viel zu tun hatten. „Viel besser als im letzten Jahr“, strahlte Werner Ott vom Sonntagverein. Am Stehtisch nebenan bemerkte ein Gast: „Weihnachtsmarkt im Schnee is schee - wenn nur die - aber die kalte Füß!“ J eh

Quelle: op-online.de

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