Interview: „Wir machen da nicht mit“

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Lisa Kaiser.

Nieder-Roden (eh) ‐ Wie man Mobbing erkennt und was man dagegen tun kann, hat die Klasse 7 d der Heinrich-Böll-Schule in den letzten sieben Wochen intensiv gelernt. Nicole Bartsch, Lisa Kaiser und Dany Heider äußern sich im Gespräch mit unserer Zeitung darüber, was sie aus dem Anti-Mobbing-Seminar mitgenommen haben.

Habt ihr schon mal einen Fall von Mobbing erlebt?

Nicole: Früher ist ein Mädchen in unserer Klasse dauernd gemobbt worden. Alle Jungs haben sie geärgert. Das war voll gemein.

Dany: Heute würde das keiner aus unserer Klasse mehr machen. Sie hat echt darunter gelitten.

Woran kann man Mobbing erkennen?

Nicole: Wenn man jeden Tag sieht, dass jemand immer von denselben Leuten mit Sprüchen fertig gemacht oder ausgelacht wird. Das Opfer ist allein und zieht sich von den anderen zurück.

Dany: Das Opfer hat Angst vor dem Täter. Der Täter kommt ja nie alleine.

Lisa: Die anderen, die dabei sind, sagen es niemandem, weil sie Angst haben, dass sie Probleme kriegen oder so. Ich habe gelernt, dass man nicht einfach weggucken soll, dass man sich aber auch nicht selbst in Gefahr bringen soll.

Was ist in eurer Klasse sonst noch hängen geblieben?

Dany Heider.

Lisa: Wir haben ein Täter-Opfer-Spiel als Rollenspiel in der Klasse gespielt. Dabei haben wir erkannt, wie man sich als Täter und als Opfer fühlt - und wie man zum Täter oder zum Opfer werden kann.
Nicole: Wir haben gesehen, wie Opfer sich fühlen. Man will nicht, dass das mit einem selbst passiert, und deshalb machen wir auch nicht mit.
Lisa: Man sieht oft, dass Ältere Jüngere ärgern. Sie sagen dann, das ist ja bloß Spaß. Aber es ist nur ein Spaß für die Älteren, nicht für die Jüngeren. Am Anfang will sich das Opfer wehren, aber mit der Zeit gibt es auf.

Wie fühlt sich ein Mobbing-Täter?

Nicole: Er fühlt sich stark und denkt, dass jeder Angst vor ihm hat. Dadurch fühlt er sich gut.

Dany: Er denkt auch, er hat viele Freunde. Er fühlt sich cool und will, dass die anderen Respekt vor ihm haben.

Und was ist mit den Mitläufern?

Nicole Bartsch.

Nicole: Die wollen einfach nur mitmachen können. Sie fühlen sich vielleicht gut, dass sie selbst nicht das Opfer sind.
Lisa: Ja, sie schleimen sich beim Täter ein. Und sie sagen sich: Ich mach‘ da mit, aber mich trifft keine Schuld. Vielleicht machen sie auch mit, damit ihnen nicht langweilig ist. Da fühlt sich gleich auch die ganze Gruppe stark. Dadurch wird das Opfer noch mehr in die Enge getrieben.

Etwas gegen Mobbing zu tun ist ja eher ein ungewöhnliches Unterrichtsfach. Wie hat es euch gefallen?

Nicole: Ich hätte es nicht gedacht, dass man so was in der Schule lernt, aber ich finde es gut.

Lisa: Die Klasse ist auch viel ruhiger und rücksichtsvoller geworden.

Dany: Wir sind jetzt enger befreundet. Jeder mag sich, jeder kennt die anderen und kann sie leiden.

Lisa: Wir halten jetzt mehr zusammen. Ich würde manche Personen in der Klasse mehr verteidigen.

Nicole: Wir sind vielleicht nicht alle die besten Freunde, aber wir achten auf die anderen.

Quelle: op-online.de

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