Nur noch drei Marktstände in Jügesheim

Wochenmarkt Nieder-Roden künftig ohne Oliven & Co.

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Feinkosthändler Reza Shahmoradi ist heute zum letzten Mal auf dem Wochenmarkt in Nieder-Roden.

Rodgau - Der Wochenmarkt auf dem Puiseauxplatz wird um eine Nuance ärmer. Nach zwei Jahren verabschiedet sich Feinkosthändler Reza Shahmoradi (Frankfurt) zum Jahresende. Einen Nachfolger gibt es nicht. Von Ekkehard Wolf 

Der Markt in Nieder-Roden hat jetzt noch zehn Stände, jeden zweiten Freitag zwölf. Die Auswahl ist immer noch größer als samstags in Jügesheim. Backwaren, Blumen, Obst und Gemüse: Das Angebot am Rathaus Jügesheim ist überschaubar. Die Bäckerei Bauder, Blumenhändler Palumbo und Obst/Gemüse Frank sind seit vielen Jahren samstags zwischen 8 und 13 Uhr auf dem Hermann-Sahm-Platz. Zu den besten Zeiten gab es dort auch Wurst und Fleisch, Käse, Oliven und manches mehr. Auch der Wochenmarkt in Nieder-Roden hat in 22 Jahren seine Höhen und Tiefen erlebt. Petra Funk aus Griesheim ist seit dem ersten Tag dabei. Sie verkauft Obst und Gemüse in einer bodenständigen Auswahl und verlässlicher Qualität.

Einen internationalen Akzent auf dem Puiseauxplatz setzen Oliven & Co. Mehrere Anbieter haben es im Lauf der Zeit damit versucht. Nach zwei Jahren gibt nun auch Reza Shahmoradi auf. Er tut das ohne Groll: „In manchen Städten klappt es eben nicht“, sagt der gebürtige Iraner, der mit seinen mediterranen Spezialitäten auch Feinkostgeschäfte beliefert. Ab Januar fährt er freitags nach Bad Nauheim statt nach Rodgau. Das Problem fasst Shahmoradi in drei Worten zusammen: „Zu wenig Laufkundschaft.“ Feinkost ist ein Nischenmarkt, der von Stammkunden allein nicht leben kann. An einem durchschnittlichen Markttag auf dem Puiseauxplatz kommt er nach eigenen Angaben auf nur 15 oder 16 Kunden. Das sind drei Käufer pro Stunde – zu wenig für zweimal 40 Kilometer Anreise und mehr als fünf Stunden Arbeitszeit.

Dass es in Bad Nauheim besser läuft, weiß der Feinkosthändler aus Erfahrung. Den Kurort im Wetteraukreis fährt er bisher schon dienstags an. Von Dienstag bis Samstag ist er täglich auf Achse. An zwei Tagen hat er zwei Märkte nacheinander, einen vormittags und einen nachmittags. Seine weiteste Tour führt nach Erbach im Odenwald – 90 Kilometer, die sich lohnen. Dabei hat Erbach weniger Einwohner als Nieder-Roden. Zwei Abwerbeversuche hat Reza Shahmoradi in den vergangenen Jahren erlebt, „einmal war sogar ein Bürgermeister da“. Auf ähnliche Weise hatte auch der damalige SPD-Ortsverein Nieder-Roden vor mehr als zwei Jahrzehnten die ersten Händler für den Puiseauxplatz gewonnen. So gehe man heute nicht mehr vor, sagt Bernhard Schanze von der Wirtschaftsförderung der Stadt: „Wir in den kleineren Kommunen versuchen uns eher zu unterstützen als uns gegenseitig die Händler abzuwerben.“

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Wie geht es weiter mit den Wochenmärkten in Rodgau? Orientierung erhofft sich die Stadt von einer Kundenbefragung im Sommer. Studenten der Hochschule Darmstadt befragten 231 Besucher vor Ort, weitere 163 füllten einen Online-Fragebogen aus. Die Ergebnisse will der Magistrat am 24. Januar vorstellen. Bereits jetzt ist dem Wirtschaftsförderer klar: „Keiner ist allein in der Lage, die Stagnation oder den Rückgang aufzuhalten. Wir schaffen das nur zusammen.“

Mit gemischten Gefühlen betrachtet die Stadt einzelne Anbieter, die sich außerhalb der Wochenmärkte tummeln. Zwei Händler haben sich etabliert: ein Fischwagen mittwochs an der Jügesheimer Kirche und ein Obst-und-Gemüse-Stand freitags und samstags am Toom-Baumarkt in Dudenhofen. Als Wirtschaftsförderer begrüßt Bernhard Schanze jede Erweiterung des Angebots, schränkt aber ein: „Das ist natürlich nicht das, was wir unter Wochenmarkt verstehen. Es ist nicht in unserem Interesse, noch mehr Einzelstandorte zu bespielen. Wir müssen es nach wie vor schaffen, möglichst viele Händler an einen Ort zu bringen.“

Die Händler auf den Wochenmärkten bezahlen 2,05 Euro Standgebühr pro Meter Frontlänge. Dieser Betrag ist seit 1994 unverändert und wurde lediglich von Mark auf Euro umgerechnet. Die Stadt wird davon nicht reich: Die Einnahmen belaufen sich im besten Fall auf 4 200 Euro im Jahr. Für Feinkosthändler Reza Shahmoradi war die Standgebühr nicht das Problem. Er hofft, dass er seine bisherigen Stammkunden wenigstens ab und zu wieder sieht: donnerstags in Sprendlingen oder mittwochs und samstags in Groß-Umstadt.

Quelle: op-online.de

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