Die Stadt investiert weiter in den Wohnungsbau

Wohnen soll bezahlbar sein

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Am Mühlweg in Weiskirchen errichtet die Stadt zwölf Drei-Zimmer-Wohnungen für 2,5 Millionen Euro.

Rodgau - Die städtischen Wohnhäuser am Mühlweg in Weiskirchen sind bald fertig. In zwei baugleichen Häusern entstehen zwölf Drei-Zimmer-Wohnungen. Die Mieter können voraussichtlich zum 1. Februar einziehen. Auch in den anderen Stadtteilen hat „bezahlbares Wohnen“ Konjunktur. Von Ekkehard Wolf 

Sechs Wohnungen will der Magistrat an Bewerber vergeben, die auf der Warteliste für städtischen Wohnraum stehen. „Dabei handeln wir nach den Kriterien von Not und Bedürftigkeit“, sagt Erster Stadtrat Michael Schüßler (FDP) an. Die sechs anderen Wohnungen werde die Stadt „ein Stück weit breiter anbieten“, um herauszufinden, wie hoch die Nachfrage ist. Der Mangel an Wohnraum für Gering- und Durchschnittsverdiener ist auch im Rathaus bekannt. Von der Anzahl der Interessenten für die Mühlstraße erhofft sich Schüßler aber einen Indikator für die „dezidierte Nachfrage an diesem Standort“: „Das kriegen wir mit keiner Umfrage heraus.“

Die beiden Häuser am Mühlweg zählen zu dem, was die Stadt unter „bezahlbarem Wohnraum“ versteht: ein laut Schüßler „guter Standard“ für eine Kaltmiete von acht Euro pro Quadratmeter. Das sind für drei Zimmer rund 600 Euro im Monat. „Das ist kein sozialer Wohnungsbau“, betont Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD). Die Stadt wolle diesen Häusern „keinen Stempel aufdrücken“, sondern strebe eine gute Mischung an Bewohnern an. Eine ausgewogene soziale Struktur sei „der Schlüssel zur Akzeptanz“.

Die Wohnblocks an der Mühlstraße in Jügesheim sollen Gesellschaft bekommen. Zurzeit läuft ein Architektenwettbewerb.

Vor fünf Jahren hatte die Stadt 20 barrierefreie Sozialwohnungen in der Ludwigstraße 58-60 in Jügesheim errichtet. Die letzte wurde im Mai 2013 bezogen. Schon nach wenigen Monaten klagten Bewohner über einen Wasserschaden und andere Baumängel. Der Generalunternehmer aus Kassel forderte nachträglich eine höhere Bezahlung, nachdem er die Ausschreibung mit einem konkurrenzlos niedrigen Angebot gewonnen hatte. Am Ende landete die Stadt bei Baukosten von rund 3,6 Millionen Euro. Für die Wohnungen besteht 20 Jahre Belegungs- und Mietbindung. Die Miete beträgt derzeit 6,38 Euro pro Quadratmeter. Dazu kommen Nebenkosten zwischen 2,50 und drei Euro pro Quadratmeter. Wegen hoher Nebenkostenabrechnungen trafen sich einige Mieter und die Stadt vor Gericht – drei Verfahren laufen noch.

Im Wohnungsbau sieht Erster Stadtrat Schüßler „eine politische Trendwende in Rodgau“. Die Stadt habe etwas mehr als 140 Mietwohnungen in ihrem Portfolio; innerhalb von drei Jahren kämen nun weitere 62 dazu. Im Zeitraum von 2010 bis 2015 war Rodgau die einzige Stadt im Kreis Offenbach, die in Sozialwohnungen investierte. Und der Wohnungsbau geht weiter. Nach den Erfahrungen in der Ludwigstraße setzt die Stadt jetzt allerdings auf „bezahlbaren Wohnraum“ ohne Sozialbindung.

Wo früher die Hainhäuser Feuerwehr stand, baut eine Bauherrengemeinschaft neun Mietwohnungen.

Das nächste Bauvorhaben soll an der Ecke Mühlstraße/Dudenhöfer Straße in Jügesheim entstehen. Dort sind rund 30 Wohnungen geplant. Ihr Bau dürfte etwa fünf Millionen Euro kosten. Zurzeit wird der Bebauungsplan aufgestellt. Gleichzeitig läuft ein Architektenwettbewerb. Die Stadt erhofft sich Vorschläge, die dem südlichen Ortseingang städtebaulich gerecht werden und einige der alten Bäume erhalten. Die Jury tagt am 13. April 2018. Jeweils zehn Wohnungen plant die Stadt beim Bau der nächsten Kindertagesstätten in Weiskirchen (Hauptstraße 177) und Hainhausen-West ein. Das Motto: unten spielen, oben wohnen.

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Bezahlbarer Wohnraum ist auch das Stichwort für das Gelände des ehemaligen Feuerwehrhauses Hainhausen. Dort errichtet eine Bauherrengemeinschaft ein Gebäude mit neun Drei-Zimmer-Wohnungen von je 83 Quadratmetern. Die Stadt hatte das Grundstück unter der Bedingung verkauft, dass dort „preiswerter Wohnraum“ entsteht. Eine Kaltmiete zwischen 8,88 und 9,11 Euro je Quadratmeter ist für fünf Jahre festgeschrieben.

Auch in Rodgau-West sind Mietwohnungen vorgesehen, die nicht allzu teuer sind. 30 Prozent bezahlbarer Wohnraum waren im städtebaulichen Wettbewerb gefordert. Interesse daran äußerte bereits die ABG Frankfurt Holding, eine der großen Wohnungsbaugesellschaften der Republik mit gut 50.000 Wohnungen. AGB-Geschäftsführer Frank Junker und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) waren im Januar 2016 zu Gesprächen im Rodgauer Rathaus.

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Quelle: op-online.de

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