Felder werden Bauland

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In diesen „Baufenstern“ (helle Flächen) dürfen künftig Häuser errichtet werden. Der Ortsbeirat Jügesheim hat Anfang Mai die Namen der Erschließungswege festgelegt.

Jügesheim - Das geplante Baugebiet J 41 westlich von Jügesheim macht Fortschritte. Die Neuaufteilung der Grundstücke (Umlegung) ist fast abgeschlossen. Die Aufträge zum Bau der Versorgungsleitungen und Straßen werden in den nächsten Tagen vergeben. Von Ekkehard Wolf

Für die Baugrundstücke gibt es so viele Interessenten, dass der Magistrat innerhalb von drei Monaten mit unterschriftsreifen Verträgen rechnet. Wenn alles klappt, gewinnt am Ende auch die Allgemeinheit.

Die Gerste gedeiht gut auf den Feldern am Ende der Marburger Straße. Doch die Getreideernte im Sommer wird voraussichtlich die letzte sein. Danach können die Eigentümer eine ganz andere Ernte einstreichen, denn ihre Ackergrundstücke werden zu Bauland. Etliche Rodgauer Familien sind in den letzten Jahrzehnten auf diese Weise zu Geld gekommen.

Blick von der Allensteiner Straße: Im linken Bereich, etwa bis zum Hochhaus, ist das Baugebiet „Auf den Bruchgärten“ geplant.

Diesmal ist es etwas anders. Damit die Kräfte von Angebot und Nachfrage nicht ungeregelt ins Kraut schießen, hat die Stadt Rodgau die Hessische Landgesellschaft (HLG) beauftragt, das Baugebiet zu entwickeln. Die HLG soll Grundstücke ankaufen, umlegen und erschließen und dann als fertiges Bauland verkaufen.

Etliche Eigentümer haben sich auf diesen Weg eingelassen. Sie besitzen knapp die Hälfte der Fläche. Die anderen wollen ihre Bauplätze lieber selbst nutzen oder auf eigene Faust vermarkten. Aus den vielen kleinen Parzellen hat die HLG 19 Päckchen geschnürt, die in so genannten Umlegungsvereinbarungen festgehalten sind. Alle Eigentümer haben unterschrieben.

Zu welchen Preisen die Landgesellschaft die Grundstücke aufkauft, ist Verhandlungssache. Das Stadtparlament hat eine Höchstgrenze von 65 Euro pro Quadratmeter festgelegt. Die Alt-Eigentümer, die selbst wieder Bauplätze erhalten, müssen 134 Euro pro Quadratmeter für die Erschließung bezahlen.

Der Magistrat will das formelle Umlegungsverfahren „alsbald“ abschließen.

Wie sich die Flächen danach aufteilen, steht schon jetzt fest:

  • 10.831 Quadratmeter Bauland vermarktet die HLG.
  • 11.546 Quadratmeter Bauland werden den Alt-Eigentümern zugeteilt.
  • 17.053 Quadratmeter verwendet die Stadt für öffentliche Belange (Straßen und Wege, Grün- und Ausgleichsflächen, Spielplatz).

Acht Baugrundstücke von 437 bis 3 999 Quadratmetern hat die HLG zu verkaufen. Zwei der größten Grundstücke eignen sich für Bauträger, die kleineren für private Bauherren. Ohne jegliche Werbung haben sich bereits acht Bauträger und 36 private Interessenten bei der HLG gemeldet. Der Magistrat ist deshalb zuversichtlich, dass die Grundstücke zum aktuellen Verkehrswert verkauft werden können. Laut Gutachterausschuss des Kreises Offenbach ist der Preis für Bauland in Jügesheim-West seit dem vergangenen Jahr von 390 auf 400 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Im Baugebiet J 26 wurden sogar Preise von durchschnittlich 430 Euro erzielt. Für ein Mehrfamilienhaus-Grundstück peilt der Magistrat einen Verkaufspreis von 440 Euro an.

Über die Vergabe der Bauplätze entscheidet die Stadtverordnetenversammlung voraussichtlich am 8. Oktober. Zeit ist Geld: Je früher die Käufer bezahlen, umso weniger Zinsen kostet die Zwischenfinanzierung. Wenn alles klappt, bleibt am Ende ein Überschuss von rund 700 000 Euro, den die Stadt Rodgau in ihre Infrastruktur investieren kann. Erster Stadtrat Michael Schüßler: „Dies kann insbesondere deshalb als Erfolg gewertet werden, weil die Stadt selbst kein eigenes Ackergelände in das Verfahren eingebracht hatte.“

Ein Risiko für die Steuerzahler bleibt, falls die HLG nicht alle Bauplätze verkaufen kann: Die Stadt muss alle Grundstücke aufkaufen, die die HLG innerhalb von zehn Jahren (also bis Ende 2020) nicht loswird.

Quelle: op-online.de

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