Bagger rollen noch nicht

Wohngebiet N39: Autos sind nicht willkommen

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Die Straße „Am Forschheimer See“ endet bisher als Stummel am Feldrand. Anlieger fürchten, die Piste solle in Zukunft das Neubaugebiet hauptsächlich erschließen.

Nieder-Roden -  Das geplante Wohngebiet N 39 im Südwesten Nieder-Rodens weckt Sorgen bei den künftigen Nachbarn. Anwohner der Straße „Am Forschheimer See“ befürchten, dass ihre ruhige Wohnstraße in einigen Jahren zur Hauptzufahrt wird. Sie wollen eine Bürgerinitiative gründen. Von Ekkehard Wolf 

„Es wird ein immenses Verkehrsaufkommen geben“, prophezeit Dominik Schulz, der mit seiner Familie seit einigen Jahren am Forschheimer See wohnt: „Für die Anwohner wird es nicht akzeptabel sein, dass der ganze Verkehr da durchfließt.“ In einem offenen Brief an Bürgermeister Jürgen Hoffmann fordert er eine direkte Anbindung des Neubaugebiets an die Rodgau-Ringstraße.
„Auf Umwegen mussten wir erfahren, dass das Wohngebiet um den Forschheimer See … die vollen Lasten der Erschließung tragen soll“, schreibt Schulz. Die Stadt habe es bisher versäumt, die Anlieger zu informieren.

Für eine solche Informationsveranstaltung sei es noch zu früh, sagt Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Die Verkehrsplanung werde erst bei der Aufstellung des Bebauungsplans behandelt.

Bis zu 2 000 Einwohner erwartet Dominik Schulz im Gebiet N 39. Das bedeutet nach seinen Berechnungen rund 4 500 Fahrzeugbewegungen am Tag. Was folge seien „unerträglicher Bauverkehr, Lärm, Emissionen mit allen Risiken für Kinder“. Er befürchtet, durch die Verkehrsbelastung werde der Wert der Grundstücke und Häuser sinken. „Wir haben nichts gegen ein Neubaugebiet, im Gegenteil, Nieder-Roden braucht so etwas“, betont Dominik Schulz. Gemeinsam mit einigen Nachbarn will er eine Bürgerinitiative gründen: „N 39 nicht zu Lasten der Bürger“ ist das Motto. Per E-Mail ist die Initiative unter n39-nicht-zu-lasten-der-buerger@gmx.de erreichbar.

Das geplante Wohngebiet N 39 hat eine lange Geschichte. In den 1950er Jahren soll der Bürgermeister der damaligen Gemeinde Nieder-Roden in Aussicht gestellt haben, die nassen Wiesen würden eines Tages Bauland. Erst 2007 beschloss die Stadtverordnetenversammlung, einen Bebauungsplan aufzustellen. Er wurde jedoch nicht weiterverfolgt. Fünf Jahre später wollte der Magistrat das Gebiet aus ökologischen Gründen als reines Grünland ausweisen. Nach Protesten der Grundstückseigentümer und der Bürgerinitiative „Mein Nieder-Roden“ ruderte die Parlamentsmehrheit zurück. Jetzt haben die Grundstücksverhandlungen begonnen, nachdem die schwierige Frage der Entwässerung geklärt ist.

Zur Anbindung ans Straßennetz gab es mehrere Vorschläge. In seiner ursprünglichen Ausdehnung von 30,4 Hektar sollte das Wohngebiet bis an die Rodgau-Ringstraße heranreichen. Die kleine Version von 2007 hingegen sah zwei schmale Zufahrten über die Wiesbadener Straße und das Bahnpfädchen am Krümmlingsweg vor.

Nun ist ein Wohngebiet mittlerer Größe geplant, das eine ausgedehnte Grüninsel enthält. Wie dieses Gebiet N 39 an das Straßennetz angebunden werden soll, ist noch offen. Das Verkehrskonzept wird üblicherweise zusammen mit dem Bebauungsplan erstellt. Für Kommunalpolitiker ist das selbstverständlich, aus Sicht der Bürger aber nicht. „Die verkehrliche Erschließung ist einer der ersten Punkte, die man bei einem solchen Projekt klärt“, meint Dominik Schulz aus seiner beruflichen Erfahrung als Betriebswirt in der Industrie. Die Stadtverordnetenversammlung habe Fakten geschaffen, indem sie im Juni die Hessische Landgesellschaft (HLG) mit dem Ankauf der Grundstücke beauftragte.

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Bürgermeister Jürgen Hoffmann sieht das anders. Für ihn steht die Verfügbarkeit der Flächen an erster Stelle. Erst wenn klar sei, dass alle Eigentümer ihre Grundstücke in das Verfahren einbringen, könne die Arbeit am Bebauungsplan und am Verkehrskonzept beginnen.

Eine Festlegung auf eine bestimmte Zufahrt gebe es nicht, sagt Hoffmann. Allerdings sei klar, dass mehrere Straßen aus dem Wohngebiet Forschheimer See mit Stummeln in den Feldrand münden. Das könne nur Absicht sein, „sonst hätte man damals einen Wendehammer gebaut“. Erster Stadtrat Michael Schüßler äußert Verständnis für die Bürgerinitiative. Niemand wünsche sich zusätzlichen Verkehr vor der Haustür. „Die Interessen sind legitim.“ Stadtverwaltung und Magistrat ließen sich von sachlichen Erwägungen leiten, unterstreicht Bürgermeister Hoffmann: „Wir arbeiten auf der Grundlage der Expertise der Fachplaner und nicht auf Zuruf.“

Quelle: op-online.de

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