Wohnungen sind Mangelware

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Bis zur Teeküche saßen und standen die rund 100 Besucher der Diskussion im Sozialzentrum.

Nieder-Roden - „Mama, ich hab’ eine neue Freundin. Sie kommt aus Syrien und hat etwas ganz Schlimmes erlebt.“ So etwas erzählen Kinder der Grundschule am Bürgerhaus vielleicht bald zu Hause. Etwa 130 Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten werden in diesem Jahr in Rodgau erwartet.

Der Kreis Offenbach will 60 bis 80 von ihnen in einem Neubau an der Borsigstraße unterbringen. Auf großes Interesse stieß die Diskussion „Flüchtlinge ja - Container nein“ des Vereins „Mein Nieder-Roden“ am Mittwoch im Sozialzentrum. Rund 100 Besucher saßen und standen bis ins Foyer.

Der Schulsportplatz hinter dem Bürgerhaus Nieder-Roden ist auch bei Freizeit- und Hobbykickern beliebt. Ein Achtel des Geländes hat der Kreis Offenbach zum Bau einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge verplant. 60 bis 80 Menschen sollen dort jeweils für ein paar Monate unterkommen.

Details zum geplanten Neubau nannte Kreis-Sozialdezernent Carsten Müller. Es handele sich nicht um Blechcontainer, sondern um ein Gebäude in Modulbauweise, ähnlich wie das Gefahrenabwehrzentrum des Kreises in Dietzenbach. Von dem knapp 8 000 Quadratmeter großen Sportgelände werde der Neubau nur etwa 1 000 Quadratmeter in Anspruch nehmen. Dort werde auch künftig ein Sportplatz sein, betonte Bürgermeister Jürgen Hoffmann.

Der Gedanke an eine Gemeinschaftsunterkunft löste bei manchen Besuchern dennoch Sorgen aus. „Eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge in ganz Rodgau“ forderte Stephanie Blum, die Vorsitzende von „Mein Nieder-Roden“. Dies erleichtere die Integration. „Flüchtlinge in Gemeinschaftsunterkünften haben es meist schlechter als solche, die in Wohnungen leben“, betonte Diskussionsleiter Reza Azizi.

Anmietung von Wohnungen

Auch die Landtagsabgeordnete Barbara Cardenas Alfonso (Linke) aus Dietzenbach sprach sich für die Anmietung von Wohnungen aus. Sie seien nicht nur besser für die Menschen, sondern auch billiger für die Kostenträger. Cardenas warnte aber davor, eine bestimmte Art von Unterkunft zu verteufeln: „Wir brauchen kurz-, mittel- und langfristige Lösungen.“

Diese Ansicht teilte auch Carsten Müller (SPD). Es sei aber nicht möglich, kurzfristig genügend freie Wohnungen zu finden. Eine Notlösung in Form von Gemeinschaftsunterkünften sei deshalb erforderlich. Müller rief Eigentümer dazu auf, Wohnraum an Flüchtlinge zu vermieten: „Wenn wir Wohnungen bekommen, werden wir sie auch belegen.“

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Die Stadt melde jede frei werdende Wohnung an den Kreis Offenbach, sagte Bürgermeister Hoffmann. Bisher seien dies drei Wohnungen gewesen. Zwei Altbauten in Jügesheim (Untere Sände), die der Verein „Mein Nieder-Roden“ ins Gespräch brachte, bezeichnete Hoffmann als unbewohnbar: keine Heizung, kein fließendes Wasser, Bausubstanz miserabel.

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Der Kreis-Sozialdezernent kündigte an, ankommende Flüchtlinge ab 1. März direkt den Städten zuzuweisen. Die Betreuung durch Sozialarbeiter wolle der Kreis einem freien Träger übertragen. Mit eigenem Personal sei das nicht mehr zu leisten. Fünf Mitarbeiter betreuten derzeit je 180 Flüchtlinge, „das ist nicht vertretbar“. Carsten Müller: „Wir bekommen wöchentlich etwa 15 bis 20 Personen zugewiesen. Das Land Hessen fragt nicht, ob wir Platz haben oder nicht.“ Donnerstags werde die Anzahl der Asylbewerber gemeldet, montags träfen sie im Kreishaus ein. Meist handele es sich um allein Stehende oder Paare, „die wenigsten Flüchtlinge sind Familien“.

eh

Quelle: op-online.de

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