25 Jahre Mauerfall

Fahrkarten in die Freiheit

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Seine Fahrkarten in die Freiheit hat Wolfgang Hahn bis heute aufbewahrt.

Rodgau - Der Fall der Berliner Mauer liegt nun 25 Jahre zurück. Wir sprachen mit Menschen, die beim Gedanken daran noch heute Gänsehaut bekommen: Wolfgang Hahn und Armin Hartung. Von Bernhard Pelka 

Wolfgang Hahn war bis 1984 Bürger der DDR. Dann hatte er Glück mit seinem Ausreiseantrag. Am 20. März 1984 nahm er in seinem Geburts- und Wohnort Bischofswerda in Sachsen die Fahrkarten in die Freiheit entgegen. „Am 21. März, 8 Uhr, kamen wir dann mit dem Zug auf dem Frankfurter Hauptbahnhof an.“

Im Reisegepäck war nur das Nötigste, aber vor allem eine große Portion Glückseligkeit darüber, endlich im Westen zu sein. Hahn war nach monatelangen Schikanen durch DDR-Beamte mitsamt seiner ganzen Familie, Frau Sabine, Sohn Mirko und Tochter Susanne, ausgereist. „Seit ich den Antrag gestellt hatte, galt ich als Staatsfeind. Manchmal wurden wir einmal die Woche zum Rat der Stadt einbestellt, um uns belehren und quasi verhören zu lassen. Da sitzen einem dann fünf, sechs oder sieben Leute gegenüber und stellen ununterbrochen Fragen. Man kann sich das kaum vorstellen.“

Die Wende erlebte der gelernte Bleikristallschleifer als Arbeitnehmer von Du Pont Neu-Isenburg. „Ich hab das erst gar nicht so begriffen, was da abgeht. Mein Chef hat mir dann frei gegeben, damit wir eventuell gleich in die alte Heimat fahren können“, erinnert sich der heute 63-Jährige an den Mauerfall.

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Familiäre Bindungen hatten ihm den Start im Westen erleichtert. Vom Auffanglager in Gießen aus ging es gleich zur Verwandschaft nach Sprendlingen. Seinen Einreiseantrag zu den Eltern an Weihnachten 1989 lehnten die DDR-Behörden noch ab. Aber nach der legendären Pressekonferenz mit dem damaligen Mitglied des Zentralkomitees der SED, Günter Schabowski, war das natürlich alles hinfällig. Reisefreiheit! „Wir hatten ja gedacht, dass wir uns nie wieder sehen. Und dann das“, beschreibt Wolfgang Hahn seine mit dem Mauerfall verbundenen Glücksgefühle.

Alle seine Hoffnungen an den Westen haben sich übrigens erfüllt. Auch wenn er durch die Schließung des Gewürzmittelherstellers Kerry in Jügesheim seinen letzten Arbeitsplatz deutlich vor dem Eintritt ins Rentenalter verlor. „Wer hier arbeitet und sich engagiert, der kann sich fast alles leisten. Wichtiger aber sind die Meinungs- und Reisefreiheit.“

Quelle: op-online.de

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