Zahnärzten die Bohrer gestohlen

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Nur noch leere Schläuche und Kabel hält Soenke Herzog in den Händen. Die teuren Motoren der Zahnbohrer wurden in allen vier Behandlungsräumen abgeschnitten.

Jügesheim (eh) ‐ Einbrecher haben in der Nacht zum Dienstag die Zahnarztpraxis an der Ludwigstraße ausgeräumt. Sie nahmen praktisch alles mit, was nicht am Boden festgeschraubt war.

„Jeder Spiegel, jede Pinzette, jeder Bohrer - nichts ist mehr da“, berichtet Soenke Herzog, einer der drei Zahnärzte der Gemeinschaftspraxis der Familie Herzog. Nach einer ersten Schätzung der Polizei liegt der Schaden bei 300 000 Euro.

Implantate, Bohrer und andere Kleinteile wurden systematisch aus ihren Kunststoffschubladen ausgeleert. Aus den Behandlungseinheiten ragen nur noch die Schläuche und Kabel: Die teuren Präzisionsmotoren, die Bohrer und Fräsen antreiben, wurden abgetrennt. Zahnarzt Malte Herzog: „Die Täter wussten genau, welches Kabel man kappen kann und welches nicht.“

„Das schlaucht mich schon, wenn ich das sehe“, gibt Soenke Herzog zu: „Vor zwei Jahren hatten wie hier eine komplette Oralchirurgie eingerichtet.“ Sein Bruder ergänzt: „Die Geräte waren alle auf dem neuesten Stand.“

Alles leer: Untersuchungssonden, Bohrer, Implantate. Malte Herzog ist damit beschäftigt, die ganzen Schäden aufzulisten.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Einbrechern um Profis handelt. Die Ganoven hinterließen kein Durcheinander, sondern sie räumten die Praxisräume gezielt aus. Malte Herzog und seine Eltern bemerkten den Einbruch am Dienstag um 7.30 Uhr. Die Praxistür war aufgebrochen, der Schließzylinder fehlte. Erst die Kriminalpolizei bemerkte später auch Aufbruchspuren an der Eingangstür des Hauses.

Der Einbruch wurde zwischen Montag, 20.30 Uhr, und Dienstag, 7.30 Uhr, verübt - ein Zeitraum von elf Stunden. Genauer wollen die Ermittler die Tatzeit nicht eingrenzen. Der Döner-Imbiss im Erdgeschoss hat abends bis 22.30 Uhr geöffnet. Es ist also nicht auszuschließen, dass späte Gäste etwas Verdächtiges beobachtet haben.

Ein Lieferwagen oder ein ähnliches Fahrzeug muss zum Abtransport des Diebesguts benutzt worden sein. Die Einbrecher wurden offensichtlich gestört: Im Flur ließen sie Laborgeräte stehen, die sie bereitgestellt hatten. Die Täter hatten die Fenster der Praxis gekippt. So konnten sie besser hören, wenn sich draußen Fahrzeuge oder Personen näherten.

Bei der Fahndung ist die Kriminalpolizei auf die Mithilfe der Bevölkerung angewiesen: Wer hat am Montagabend oder in der Nacht zum Dienstag Licht in der Zahnarztpraxis gesehen? Wer hat verdächtige Personen oder Fahrzeuge beobachtet? Wer weiß, wo die gestohlenen Gerätschaften abgeblieben sind? Die Kripo ist rund um die Uhr unter Tel. 8098-1234 erreichbar.

Am Dienstag musste die Praxis alle Termine absagen. Gestern haben Dr. Manfred Herzog und seine Söhne wieder einen reduzierten Betrieb aufgenommen. Für zwei der vier Behandlungsräume haben sie Geräte aus einer kürzlich geschlossenen Praxis erhalten. Die Altgeräte funktionieren noch einwandfrei, dürften aber für Einbrecher und Hehler unverkäuflich sein. Soenke Herzog: „Wir können zumindest Schmerzpatienten behandeln.“

Quelle: op-online.de

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