Wie kommt das Geld in die Zitrone?

+
Wie kommt der Geldschein in die Zitrone? Andreas Fleckenstein bei einem seiner Lieblingstricks.

Jügesheim - „Beim Zaubern gibt es zwei verschiedene Realitäten. Man muss zum Einen genau wissen, was man selbst macht und zum Anderen, wie es für den Zuschauer aussieht.“ Andreas Fleckenstein (30) beherrscht die hohe Kunst der Illusion. Von Peter Petrat

Als Magier hat er sogar schon die Traumschiff-Urlauber auf der „MS Deutschland“ verzaubert.

Angefangen hat die Leidenschaft für Tricks und Zauberei bei dem selbstständigen Sicherheitsberater mit einem Zauberkasten, den er als Viertklässler geschenkt bekam. Sein Vater hatte noch einige fortgeschrittene Tricks in einer Kiste.

Nachdem der Jügesheimer im Bekanntenkreis auftrat, entstanden immer neue Kontakte zu anderen Zauberkünstlern und damit der Zugriff auf interessantere Tricks. Dann kam die Aufnahmeprüfung zum Magischen Zirkel. Die internationale Vereinigung von Zauberkünstlern hat rund 2 900 Mitglieder.

Als Zauberer auf dem Traumschiff

Zauberbücher, wohin das Auge blickt: Der 30-jährige Magier besitzt ein großes Regal voller Fachliteratur.

An seinen ersten „richtigen“ Auftritt 1994 erinnert sich Andreas Fleckenstein noch genau. Damals unterhielt er die Mitglieder eines Gesangvereins in Großauheim. Neben seinem Chemie-Studium begann er mit seinen Künsten das erste Geld zu verdienen. Inzwischen tritt er regelmäßig auf, zudem ist er Vorsitzender der Ortsgruppe Frankfurt im Magischen Zirkel.

„Auch wenn das Üben der Fingerfertigkeiten und der Handgriffe nicht mehr im Vordergrund steht, denkt man ständig über neue Möglichkeiten nach“, erklärt Zauberkünstler Fleckenstein. Sein Bücherregal ist voll mit Literatur über Zauberei und deren Grundlagen. Die Sammlung reicht von seltenen, alten Werken des Entfesselungskünstlers Harry Houdini bis hin zu Sammelbänden über das Zaubern mit Tauben.

Die Grundfertigkeiten und Griffe zu beherrschen hat viele Jahre Übung gekostet. Das zahlt sich jetzt aus: Bei neuen Tricks ist der handwerkliche Teil schnell gemeistert. Viel wichtiger als die Fingerfertigkeit ist jedoch die Präsentation. „Der handwerkliche Ablauf eines Zaubertricks ist nur das Grundgerüst“, weiß der Zauberer zu berichten, „es ist wichtig zu wissen, was ich sage, wie die Ablenkung funktioniert und besonders das Timing.“

Im Gegensatz zu so genannten „Kinderzauberern“ begeistert Andreas Fleckenstein überwiegend ein erwachsenes Publikum, wie er es auch im Februar und März 2010 bei der Südamerika-Kreuzfahrt der „MS Deutschland“ tat. Erwachsene Zuschauer könne man einfacher auf eine falsche Fährte locken, weil sie in ihren Vorstellungen bereits festgefahren seien, verrät Fleckenstein. Kinder hingegen hätten noch keine derart gefestigte Sicht der Dinge und nur eine grobe Vorstellung von physikalischen Grundregeln. „Kinder muss man mitnehmen auf die Reise, während man bei den Erwachsenen versuchen muss, sie staunen zu lassen und damit wieder für einen Augenblick Kind sein zu lassen“, erklärt der Zauberkünstler. Ein Moment des Staunens könne mehr wert sein als Applaus.

„Zauber-Dinner, Magie à la Carte“

Bevorzugt betreibt er so genannte „Stand-up-Zauberkunst“, bei der es zwar eine Bühne gibt, aber die rund 200 Zuschauer dennoch recht nahe am Geschehen sind und eine Interaktion mit dem Publikum stattfinden kann. Auch gegen „ganz nah dran“ hat er nichts: Dann geht er in der Regel von Tisch zu Tisch und verblüfft die Menschen.

Mit befreundeten Künstlern bietet er die Programmreihe „Zauber-Dinner, Magie à la Carte“ an, bei der es neben Gaumenfreuden auch hautnah aufregende Tricks und Magie zu sehen gibt. Die schwebenden und sich auf einmal in Luft auflösenden Gegenstände und unfassbaren Zufälle ziehen die Gäste schnell in ihren Bann.

„Ein tolles Requisit sind Spielkarten“, sagt Andreas Fleckenstein, während er mit einem breiten Lächeln ein Päckchen hervorzaubert, „sie sind klein, handlich, man kann sie überall mit hin nehmen und eine Menge mit ihnen machen.“ Viel mehr Requisiten verwendet er nicht, jedenfalls keine, die man sieht.

Früher hantierten Zauberkünstler mit vielen Apparaten: Die ganze Bühne stand voll mit Kisten und Geräten, die nach und nach abgearbeitet wurden. Inzwischen erzeugen sie das Staunen des Publikums mit Alltagsgegenständen. So auch bei einem Lieblingstrick von Andreas Fleckenstein: Ein markierter Geldschein verschwindet auf geheimnisvolle Weise und taucht später in einer Zitrone wieder auf, die der Zauberer vor den Augen der Zuschauer frisch anschneidet.

Auch spanische Einflüsse sind in der Welt der Magie und Illusion zu sehen. Dabei werden die Tricks in mehrere Stufen aufgeteilt, in denen nach und nach Lösungsideen der Zuschauer ausgeschlossen werden, um noch mehr Spannung zu erzeugen.

Da es alle Tricks bereits in irgendeiner Form gibt, bauen viele Zauberer etwas mehr Comedy und Unterhaltung in ihre Vorführungen einzubauen, ohne dass jedoch die eigentliche Illusion verschwindet. Einen Trick zu verraten, ist Zauberkünstlern streng untersagt. Ausnahmen gelten für die Nachwuchsförderung. Genauso wie man Bücher mit den Tricks kaufen kann, werden die Geheimnisse interessierten Nachwuchszauberern weitergegeben. „Aber die Begeisterung sollte aus jedem selbst kommen, und damit auch der Ehrgeiz, die Tricks selbst verstehen zu wollen“, betont Andreas Fleckenstein. Nächstes Jahr bringt der Magische Zirkel gemeinsam mit einem Spieleverlag einen Zauberkasten heraus, um diese Begeisterung zu wecken.

www.andreasfleckenstein.de

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare