Zauberwald im Kamelienhaus

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Drei duftig-leichte Elfenkinder umringen ihre Königin Titania (Leonie Löw), die sich im Liebeswahn in den Mann mit dem Eselskopf (Glen Arriola) verguckt hat. Fotos: Wolf

Dudenhofen (eh) - Einen „Sommernachtstraum“ inmitten von Frühlingsblüten haben rund 1000 Theaterbesucher im Kamelienhaus der Gärtnerei Fischer erlebt. Regisseurin Tanja Garlt und ihr „Theater total“ beweisen, dass man Shakespeare auch nach mehr als 400 Jahren spielen kann.

Ihnen gelingt das Kunststück, sowohl ernsthaft als auch unterhaltsam zu sein. Mit Respekt vor der berühmten Vorlage – und doch so lebhaft und lebendig, dass die Zuschauer begeistert Szenenapplaus geben.

Nicht nur schauspielerisch überzeugten die 20 Darsteller, die Tanja Garlt aus mehreren Laien-Ensembles zusammengeholt hatte. Einige von ihnen begeisterten auch als Sänger. Lieder rund um die Liebe verwandelten den Theaterklassiker stellenweise fast in eine Revue. So besang Elfenkönig Oberon (Stefan Schmidt) „Deine blauen Augen“, Helena (Nadja Scherff) fragte „Kann denn Liebe Sünde sein?“ und Hermia (Ilka Ludwig) sang dem schlafenden Lysander (Thomas Lösch) „Das große Erwachen“ entgegen.

Bilder von der Aufführung

„Theater total“ begeistert mit Shakespeares „Sommernachtstraum“

Der junge Demetrius (Lucas Pritchard), hin- und hergerissen zwischen Helena und Hermia, intonierte beschwingt: „Ich sing’ für Gertrud“. Die Lieder illustrierten und kommentierten den Theaterklassiker auf vergnüglich-unterhaltsame Weise. Lieder und Musik gehörten schließlich auch bei Shakespeare zum Spiel.

Für heutige Ohren klingen Shakespeares Verse künstlich. Entsprechend waren die beiden Liebespaare angelegt. Da blieb nichts dem Zufall überlassen: Jedes Mimenspiel und jede Bewegung unterstreicht und akzentuiert den Text. Nicht soll von der Kraft der Sprache ablenken.

Ganz anders wirkt die Handwerkertruppe, die im Wald ihr Theaterspiel probt. Die Tragödie von Pyramus und Thisbe, von Shakespeare als Parodie angelegt, wird hier noch übersteigert. Tanja Garlt inszeniert sie clownesk und slapstickhaft. Bei den Auftritten der Handwerker vergisst man, wie klein die Bühne ist. Doch auch sie bleiben Theater. Das scheinbare Durcheinander ist Choreographie. Jede Bewegung ist bewusst gesetzt.

Quelle: op-online.de

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