Zauberwürfel aus Rodgau

Lange hat Dieter Stein getüftelt. Nun erreichte seine Software Marktreife. Sie dürfte für die IT-Branche eine kleine Revolution sein. Der Name beschreibt das Programm: Cube Twister - Cube heißt Würfel, twisten drehen. Von Marc Kuhn

Wenn Stein seine Software erläutert, greift er zu einer Schachtel und dreht sie. Das gleiche können Anwender, die seine Software gekauft haben, am Rechner mit Tabellen tun. Bisher lassen sich beispielsweise Ecxel-Tabellen nur zweidimensional darstellen. „Wir haben die dritte Dimension ergänzt“, sagt Karlo Dilger, der das Programm mit Stein entwickelt hat. Soll heißen, Nutzer können wie in einem Karteikasten mit einem Klick Seiten aufschlagen, sie liegen wie in einem Würfel hintereinander. Blättert man, erschließt sich die dritte Dimension. Dreht man den Würfel, so ist der Zugriff von verschiedenen Seiten möglich. So können riesige Datenmengen einfacher durchleuchtet und dargestellt werden. „Ein Novum bei der Tabellenkalkulation kommt aus dem Rodgau“, erklärt Frank Gube, Geschäftsführer der im Dezember gegründeten Cube twister Software GmbH.

Dieter Stein

Das Internationale Medizinische Institut in Frankfurt setzt das Programm bereits ein. Und eine Großbank habe Interesse signalisiert, es in der Finanzwelt einzuführen, erläutert Horst Rühmkopf, der in der Bankenbranche sein Geld verdient hat und dem neuen Unternehmen als Berater hilft. „Das Marktpotenzial ist riesig“, berichtet Jürgen Brüggerhoff. Der Investmentbanker ist für den Vertrieb zuständig. Einer kleinen Firma aus dem Rodgau sei das gelungen, was die Großen nicht geschafft haben, sagt er. Interesse an den Rechten des Cubetwister hätten schon zwei IT-Riesen angemeldet, erklärt Stein. Die Namen verrät er nicht. Der Jügesheimer sagt lediglich, dass es sich nicht um Google und Wikipedia handelt. Einen Verkauf schließt er aber nicht aus - zumal seine Truppe an weiteren Projekten tüftelt.

Karlo Dilger

Zwölf Jahre hat Stein, der einst seine Softwarefirmen verkauft hatte, am Cube twister gearbeitet. Der erfolgreiche Programmierer war finanziell unabhängig. Doch das Interesse an Hightech erlosch nie. Irgendwann habe er sich gesagt: „Ich zeig' mal, was ich noch drauf habe“, berichtet Stein. Er zog sich in ein Baumhaus in Indien und ein kleines Dorf auf Madagaskar zurück. „Ich habe in einer Wellblechhütte gelebt, die ab und zu von einem Zyklon weggefegt wurde“, sagt der 70-Jährige. In der Abgeschiedenheit gebe es keine Hektik. „Man kann sich konzentrieren und den ganzen Tag nachdenken.“ Schritt für Schritt entstand Cubetwister. In den vergangenen zehn Jahren arbeitete er mit Dilger zusammen, der in Jügesheim das EDV-Systemhaus KDC Computerservice besitzt. „Er war die treibende Kraft im Uhrwerk“, berichtet Stein.

Dilger zeigt sich vom Cube twister überzeugt: „Mit ihm kann man Informationen ohne Umwege erhalten.“ Das nach Angaben des Unternehmens weltweit erste 3D-Tabellenkalkulations-Programm mit frei drehbaren Würfeln soll die sogenannte Business Intelligence forcieren - die Fähigkeit eines Unternehmens, aus Daten Erkenntnisse zu gewinnen.

Worldcalculator für Internet und Intranet

Sie können gesammelt, aufbereitet und weitergeleitet werden. Das Programm könne alle Datenbanken auslesen und sei Office-kompatibel, erklärt Stein. Es sei für alle Formen der Analyse geeignet, erläutert Rühmkopf. Gerade kleine und mittelständische Firmen, die sich dies bisher nicht leisten konnten, könnten nun umfangreiche Analysen betreiben, erklärt Gube.

Stein hat neben dem cubetwister den Worldcalculator für Internet und Intranet entwickelt. „Es handelt sich dabei um die erste Anwendung, die Taschenrechner und Tabellenkalkulation kombiniert, unter jedem Browser - auch in Smartphones - läuft und die ohne Serverunterstützung auskommt“, sagt Stein. Die Tabellen könnten beispielsweise Verknüpfungen mit Internet- und E-Mail-Adressen, Dokumenten, Bildern sowie Audiodateien enthalten. „Mit dem Worldcalculator wird cloud computing Realität, weil die Daten ,in der Wolke' gespeichert werden und der Anwender kein zusätzliches Programm speichern muss“, erklärt Stein.

Der Cubetwister kostet in der Standardversion für einen Arbeitsplatz 5800 Euro, wie Gube erläutert. Werde zusätzlich der Worldcalculator erstanden, koste das Paket 7800 Euro. „Kauft der Kunde die Mehrplatzlösung für drei Klienten, muss er 16.500 Euro zahlen“, berichtet der Geschäftsführer. Jeder weitere Arbeitsplatz koste 2500 Euro, allerdings werde das Paket ab einer bestimmten Menge günstiger.

Die Tabellen-Freaks tüfteln noch an weiteren großen Projekten

Auf der Homepage von Cube twister warten aber auch einige Überraschungen auf den Besucher. Klickt er auf den Worldcalculator und dann auf countries 2009 so finden sich dort Informationen über alle Länder der Erde - zur Verfügung gestellt vom amerikanischen Geheimdienst CIA. „Wir haben angefragt und sie haben uns das erlaubt“, sagt Gube. So können sich Interessenten zum Beispiel über Bevölkerungszahlen, Wirtschaftsdaten oder die Telekommunikationsinfrastruktur eines Staates informieren und die Daten verrechnen. So lasse sich ausrechnen, wie viel CO2 ein Land pro Kopf ausstoße.

Die Tabellen-Freaks tüfteln noch an weiteren großen Projekten, so Stein. Ähnlich wie bei der Online-Bibliothek Wikipedia wollen sie unter http://www.wikicube.de das gesamte tabellarische Wissen der Welt sammeln. Die Homepage sei noch nicht freigeschaltet, berichtet Dilger. Der Start sei für Mai geplant. Wikicube solle Teil der Deutschen Digitalen Bibliothek werden, die die Kultur- und Wissenschaftsdatenbanken vernetzen solle, sagt Gube. Kulturstaatsminister Bernd Neumann habe den Entwicklern grünes Licht für die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut für intelligente Analyse- und Informationssysteme gegeben, das das Projekt umsetzen werde.

Quelle: op-online.de

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