Jetzt soll das Amtsgericht Seligenstadt entscheiden

Kuriose Zaun-Blockade nervt Nachbarn

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Krass: Joachim Quaiser kann nicht mehr aus seinem Garten heraus, seit die Nachbarn einen Zaun gesetzt haben. Jetzt muss er mit dem Grünschnitt durchs Wohnzimmer.

Nieder-Roden - Der von Entertainer Stefan Raab spöttisch besungene Nachbarschaftsstreit am Maschendrahtzaun ist Kult. So etwas Ähnliches spielt sich derzeit im Stadtteil Nieder-Roden ab. Von Bernhard Pelka 

Man soll ja keinen Streit vom Zaun brechen. Joachim und Brigitte Quaiser wissen sich aber keinen anderen Rat mehr, als die Justiz zu bemühen. Seit 1983 wohnen sie in den 1964 an der Wismarer Straße errichteten Reihenhäusern. Nie war es in dieser langen Zeit ein Problem, dass sie und ein Nachbar den Grünschnitt aus ihren Gärten über das Gelände der Nachbarliegenschaft Leipziger Ring 2-6 trugen, um ihn dann zum Abtransport in den Kofferraum ihres Pkw zu laden. Seit einem Eigentümerwechsel in den Blocks am Leipziger Ring ist das nicht mehr möglich. Die Eigentümergemeinschaft hat im Oktober auf der Grenze zum Reihenhausgarten der Quaisers einen Zaun setzen lassen. Jetzt sind die Rentner quasi eingemauert.

Das Reihenmittelhaus der Quaisers hat keinen eigenen Ausgang aus seinem Garten, der zur Straße führt. Der fiel drei Garagen zum Opfer, die auf der Grundstücksgrenze zum Nachbargelände am Leipziger Ring stehen. Deshalb sprachen sich die Quaisers in all den Jahren immer mit den Nachbarn aus den Blocks am Leipziger Ring ab, ob sie über deren Grundstück an den Garagen vorbeilaufen dürfen. Ein für diesen Anspruch schriftlich eingetragenes Wegerecht gibt es zwar nicht. Es bestehen aber mündliche Absprachen – unter anderem mit den Bauherren und Vorbesitzern der Blocks, dem Siedlungswerk W. Werner.

„Es war immer ein Geben und Nehmen. Ich habe drüben manchmal gekehrt und Schnee weggeräumt, dafür durfte ich übers Grundstück, um meinen Grünschnitt zu entsorgen. Jetzt muss ich durch mein Wohnzimmer damit und zum Hauseingang raus“, bedauert Joachim Quaiser die Entwicklung. Dasselbe gilt für Fahrräder und Mülltonnen. Der frühere Projektleiter bei AEG kann sich nicht erklären, weshalb die von der Frankfurter Immobilienverwaltung Foncia vertretenen Eigentümer nicht mal mit ihm reden. Man schreibt hin und her. Aus dem Schriftverkehr geht hervor, dass die Eigentümergemeinschaft kein Interesse habe an einem Ortstermin.

Die irrsten wahren Geschichten der Welt

Alle Versuche, die Sache gütlich zu einigen, sind gescheitert. Joachim Quaiser hat einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Der hat beim Amtsgericht Seligenstadt den Erlass einer einstweiligen Anordnung gegen die Wohnungseigentümer vom Leipziger Ring beantragt. Der Jurist beruft sich auf das einst mündlich zugesicherte Wegerecht und möchte die Wohnungseigentümer verpflichtet sehen, den Zaun abzubauen. Dieses Wegerecht sei gegen die Zustimmung zum Bau der drei Garagen auf der Grenze zwischen Reihenhausgärten und Wohnblockgrundstück am Leipziger Ring erteilt worden. Vorgesehen gewesen seien damals eigentlich nur zwei – mit entsprechendem Abstand zum Reihenhausgarten der Quaisers.

Von der Immobilienverwaltung Foncia Rhein-Main GmbH als Verwalter war zu dem Vorfall keine Stellungnahme zu bekommen. Das Unternehmen zog sich auf Anfrage schriftlich darauf zurück: „Wir bitten um Verständnis, dass ein Verwalter keine Stellungnahme zu den Entscheidungen seines Auftraggebers abgeben kann.“ Also sprechen sich die Parteien eben vor Gericht.

Quelle: op-online.de

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