Kampf gegen Zecken

Zecken-Gel entschärft den Biss

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Hilft und tut nicht weh: 1. Studienassistentin Sigrid Biermann stellte sich fürs Foto zur Verfügung, um die Anwendungsweise des Gels vorzuführen. Rechts: Dr. Ingomar Naudts.

Rodgau - Die Pharmaindustrie rüstet im Kampf gegen Zeckenbisse auf. Statt wochenlanger Gabe hochdosierter Antibiotika könnte in Zukunft ein zweimal täglich auf die Bissstelle aufgetragenes Gel vorbeugend gegen Borreliose helfen. Von Bernhard Pelka

Derzeit wird das Gel im Zuge einer Studie letztmals getestet. Sechs Patienten der Dudenhöfer Praxis von Dr. Ingomar Naudts nehmen an dem Versuch teil. Weitere Freiwillige sind dem Praxis-Team willkommen.

Schon zur nächsten Zeckensaison 2013 soll die kleine Tube im freien Verkauf erhältlich sein. „Dann gehört zum Waldspaziergang nicht nur der Mückenstift dazu, sondern auch das Zecken-Gel“, blickt Dr. Naudts in die Zukunft. Der Allgemeinmediziner ist zugelassener Prüfarzt, seine Praxis eines von mehreren Prüfzentren bundesweit. Wer weitere Prüfzentren sucht, findet sie im Internet. Dr. Naudts’ Praxis nimmt seit drei Monaten an der klinischen Studie teil. Bisher machen sechs Patienten mit. Zuvor wurden sie natürlich umfassend aufgeklärt.

Zecken: Die häufigsten Irrtümer

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Kleine Tube, große Wirkung: das Zecken-Gel.

Zeckenbisse werden am besten so schnell wie möglich behandelt. Wer unmittelbar nach Entdeckung des Parasiten zum Arzt geht, hat die größten Chancen, nicht mit Borrelien infiziert zu werden. Denn die Bakterien wandern erst nach einiger Zeit aus dem Darm der Blutsauger ins Innere des Körpers - in der Regel nach zwölf bis 24 Stunden. Auch bleiben die Bakterien anfangs im Hautgewebe an der Bissstelle. Das ist die Chance des neuen Medikaments. Statt wie bisher zu versuchen, mit Antibiotikatabletten oder einer intravenösen Antibiotikagabe eine genügend hohe Konzentration des Wirkstoffs an der Bissstelle zu erreichen, wird der Inhaltsstoff des Gels (Azithromyzin) unmittelbar über die Haut auch in tiefere Gewebeschichten eingeschleust und geht somit direkt auf die Eindringlinge los.

„Wenn der Patient kommt, entfernen wir die Zecke und schicken sie ein, um zu prüfen, ob sie infiziert ist“, erläutert Dr. Naudts. Patienten, die an der Studie teilnehmen, erhalten dann zweimal täglich an drei Tagen hintereinander einen kleinen Klecks des antibiotischen Gels auf die Bissstelle. Parallel wird das Blut der Probanden untersucht (was sich sechs Wochen später zur Kontrolle wiederholt).

Weitere Infomationen:

www.zeckenstudie.com

www.medizin-aus-einer-hand.de

Sofern die Bissstelle bereits deutlich infiziert ist, ist das Gel ungeeignet. Auch wenn Patienten trotz des Gels Anzeichen einer Infektion zeigen, werden unverzüglich Antibiotika gegeben. Dr. Naudts hütet sich, die durchsichtige Paste als Wundermittel zu bezeichnen. „Aber es ist eine gute Chance, eine Infektion zu vermeiden.“

Quelle: op-online.de

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