Zeit der kostenlosen Säle ist vorbei

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Heimspiel der HSG Nieder-Roden gegen den TSV Neuhausen/Filder: Für die Sporthalle Weiskircher Straße müssen die Handballer künftig einen fünfstelligen Betrag pro Jahr bezahlen.

Rodgau - Wer öffentliche Räume in Rodgau nutzt, muss ab Januar wieder dafür bezahlen. Sieben Jahre lang war das kostenlos. Für Vereine, Kirchen, Kindergärten, Schulen und Parteien gelten reduzierte Tarife.

Mit 23:13 Stimmen hat die Stadtverordnetenversammlung am Montag nach sachlicher Diskussion eine neue Gebührenordnung beschlossen. Keinen Erfolg hatte die CDU mit ihrem Antrag auf eine zweite Beratungsrunde im Sozial- und Kulturausschuss.

28 Minuten lang begründete Erster Stadtrat Michael Schüßler die Vorlage des Magistrats. Eine Beteiligung der Nutzer an den Gebäudekosten habe in Rodgau Tradition. Die Höhe der Gebühren sei „durchaus fair und vergleichbar“ mit den Sätzen von 1976 in der früheren Gemeinde Nieder-Roden. Im Gegensatz zu den Abfall- und Friedhofsgebühren strebe die Stadt bei den Bürgerhäusern und Sporthallen jedoch keine volle Kostendeckung an. Im Gegenteil: Übungsstunden und Veranstaltungen der Vereine würden künftig zu fast 90 Prozent subventioniert. Falls sich einzelne Regelungen nicht bewährten, so Schüßler, seien Nachbesserungen an der Satzung möglich.

Die jüngste Modellbahnausstellung der HEB Hobbyeisenbahner war möglicherweise die letzte im Bürgerhaus Weiskirchen. Vorsitzender Horst Meier erwartet in Zukunft Kosten von rund 1 000 Euro allein für die Saalnutzung: „Das trifft uns bis ins Mark.“ 

„Wenn wir uns jetzt die Zeit nehmen, die Drucksache länger zu diskutieren, müssen wir nicht so rasch korrigieren“, warb Anette Schweikart-Paul (CDU) für eine zweite Beratungsrunde. Zwölf Tage seien zu kurz gewesen, um sich gründlich damit auseinander zu setzen. So seien bei der Berechnung der Vollkosten seien noch Fragen offen (Bauunterhaltung, Personalaufwand). An Stelle stundengenauer Abrechnungen regte sie Pauschalgebühren an, bei Sommerveranstaltungen sollten aber keine anteiligen Heizkosten berechnet werden. Schweikart-Paul kritisierte, für Zumba-Kurse der Volkshochschule oder Theatervorstellungen des städtischen Kulturprogramms werde keine Gebühr fällig, wohl aber für ähnliche Veranstaltungen von Vereinen.

Bei der aktuellen Haushaltslage könnten öffentliche Räume nicht mehr kostenlos angeboten werden, unterstrich Horst Böhm von „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB). Es sei jedoch sinnvoll, das In-Kraft-Treten der Satzung um sechs Monate zu verschieben.

Die Arbeit der Vereine sei „ein elementares Gut“, betonte Ralf Kunert (SPD). Das Geld aus der Vereinsförderung sei gut angelegt. Auch künftig trage die Stadt den größten Teil der Gebäudekosten. Von den Gebühren erhoffe man sich eine effizientere Nutzung der Hallen und Säle.

Von einer Solidarumlage sprach Winno Sahm (Grüne), Die Allgemeinheit trage 90 Prozent der anfallenden Kosten, „weil wir die Vielfalt des Angebots hoch schätzen und weil wir diese Vielfalt erhalten wollen“. Beispiele: „Wir muten Hip-Hop-Fans zu, Blaskonzerte zu finanzieren. (...) Und wir muten Leuten wie meiner 95-jährigen Mutter zu, Zumba-Kurs mitzufinanzieren, wenn sie in öffentlichen Räumen stattfinden.“

In namentlicher Abstimmung votierten die Stadtverordneten von SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern für die Gebührenordnung. CDU und der Stadtverordnete der Linken waren dagegen, die ZmB-Fraktion enthielt sich. Heike Frey (SPD) nahm an der Abstimmung nicht teil.

eh

Quelle: op-online.de

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