Zeitreise auf dem Friedhof

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Seine letzte Ruhestätte fand Pfarrer Josef Salg am Haupteingang des Hainhäuser Friedhofs neben den Pfarrern Sely und Grafenberger.

Rodgau ‐ Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer. Grabsteine, Gedenktafeln und Stelen laden vielmehr zur spannenden Reise durch die Historie der Stadtteile. Unsere Serie über markante Persönlichkeiten, die auf den örtlichen Friedhöfen zur letzten Ruhe gebettet wurden, beschließen wir heute mit Dudenhofen, Hainhausen und Weiskirchen. Von Andreas Pulwey

30 Meter vom Haupteingang des Dudenhöfer Friedhofs entfernt steht der Gedenkstein für Philipp Adolph Walter, der am 18. August 1870 bei Gravelotte in Frankreich „den Heldentod fürs Vaterland starb“. So drückte sich seinerzeit der Veteranenverein auf dem Gedenkstein aus und zeigt damit die Denkweise der Menschen zu Beginn des Kaiserreichs, den Tod auf dem Schlachtfeld heroisch zu sehen. Der junge Dudenhöfer war gerade einmal 25 Jahre alt, als er im deutsch-französischen Krieg sein Leben verlor.

Dudenhofen ist über die Jahrhunderte evangelisch geprägt. In Hainhausen war dies beim Tod von Philipp Adolph Walter genau anders herum: 1871 waren von den 344 Einwohnern 334 katholisch und einer evangelisch.

Spannende Reise durch die Historie

Zu den katholischen gehörte später Pfarrer Josef Wendelin Salg, der am 23. Februar 1913 geboren und von seinen sehr gläubigen Eltern im Alter von 14 Jahren auf die Klosterschule nach Ilbenstadt geschickt wurde.

Er galt als sehr intelligenter und introvertierter Mensch und hielt sein Leben lang Kontakt zum Elternhaus, wie sich seine Nichte Brigitte Schäufler erinnert. Als Nationalsozialisten sein Benediktinerkloster auflösten, führte ihn sein beruflicher Weg nach Siegburg und in die Diözese Fulda. Seine letzte Ruhestätte fand der Geistliche gleich rechts neben dem Haupteingang des Hainhäuser Friedhofs neben den Pfarrern Fridolin Sely und Alois Grafenberger.

Wird der Weiskircher Friedhof von der Hauptstraße her betreten, steht rechts der Grabstein des ersten demokratisch gewählten Bürgermeisters nach dem Ersten Weltkrieg: Peter Josef Ott (25. Januar 1883 bis 27. Mai 1947).

Während seiner Amtszeit erhielt Weiskirchen 1919 elektrisches Licht und ab 1928 floss Trinkwasser durch Leitungen in die Haushalte. Die Gemeinde errichtete ihr erstes Gemeindehaus in der Mozartstraße. Dort konnten Familien verbilligt wohnen.

Absolutes Neuland betraten die Weiskirchen während der Amtszeit Otts mit der Errichtung des gasbetriebenen Gemeindebades im Keller der Schule. Die hygienischen Verhältnisse erfuhren so eine deutliche Verbesserung, wie Helmut Trageser, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins zu berichten weiß.

1933 entließen die Nationalsozialisten den sozialdemokratischen Bürgermeister aus dem Amt. Nach dem Zweiten Weltkrieg leitete er aber erneut von 1946 bis 47 die Geschicke seines Heimatortes Weiskirchen. Die Erinnerung daran ist bis heute noch lebendig.

Quelle: op-online.de

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