Zeitreise ins Mittelalter

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„Das glaubt uns kein Mensch!“ Der Historiker ( Hans Bär, rechts) und der Nachtportier ( Manfred Krapp) am Morgen nach ihrer gemeinsamen Zeitreise.

Nieder-Roden - Eine Welturaufführung erlebten rund 250 Theaterbesucher am Donnerstag an der Kirche St. Matthias. Vor vollen Rängen entfaltete sich auf der Freilichtbühne ein Bilderbogen aus dem frühen Mittelalter mit Strauchdieben und Nonnen, Adeligen und fahrenden Händlern. Von Ekkehard Wolf

Etwa 60 Mitwirkende machen „Fata Rotaha“ lebendig.

Karl der Große ( Thomas Auerswald) und seine streitbare vierte Ehefrau Fastrada ( Simone Auerswald-Maier) mit Gefolge erwarten in der französischen Abtei Attigny den besiegten Sachsenführer Widukind.

Das Freilichtspiel rankt sich um das Kloster Rotaha, das vor 1225 Jahren erstmals in einer Urkunde erwähnt wurde. Eine Rahmenhandlung entführt das Publikum auf eine Zeitreise: Trommeln, Reiter und wallender Nebel der Geschichte inklusive. Nach zweieinhalb Stunden wacht man wie aus einem intensiven Traum auf.

Zwischen Einschlafen und Erwachen entspinnt sich ein schillerndes Gewebe aus Geschichte und Geschichten. Habgier, Machtkämpfe, Verschwörung, Mord, Liebe. Und mittendrin das Kloster Rotaha: Geheimversteck und Zufluchtsort, Spielball von Machtkämpfen und Schauplatz von Überfällen.

Auf der Bühne gibt es ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern: Bettina Hartmann als Äbtissin Aba, Hans Bär als Klosterverwalter, Matthias Ott und Michael Willmutz als hinterlistige Haudegen, Günter Ulmer als redseliger Händler... Lars Keller, der vor elf Jahren den Schinderhannes spielte, ist als polternder Schmied auf die Bühne zurückgekehrt. Weitere tragende Rollen spielen Silvia Radtke, Franziska Langer (die eine romantische Szene mit Gesang würzt), Manfred Krapp und die drei Kinder des Autors. Erstmals auf der Welttheater-Bühne: Thomas Lösch aus dem Theaterensemble um Tanja Garlt.

Die Gruppe „Großes Welttheater“ hat auch viele neue Akteure integriert, unter ihnen Jungtalent Maybrit Gutschling (14) und Herbert Kusenberg.

Bilder von der Aufführung

Freilicht-Theater auf dem Kirchplatz

Vor allem die Zuschauer auf den hinteren Reihen der zweigeteilten Tribüne haben den Überblick über die volle Bühnenbreite. Er lohnt sich, denn auch neben der Haupthandlung ist immer etwas zu sehen. Nicht alle Nebenrollen werden so detailverliebt ausgespielt wie bei früheren Inszenierungen: ein Zugeständnis an die neuen Mitspieler.

„Fata Rotaha“ ist bis einschließlich Mittwoch täglich um 20.30 Uhr zu sehen. Nur am Sonntag ist spielfrei. Ein Biergarten öffnet bereits um 18.30 Uhr. Infos gibt es auch im Internet.

Trotz der Vielzahl der Handlungsstränge und der 14 Aufzüge ist dem Regieteam Erik Schmekel und Christa Wolf eine runde, stimmige Inszenierung gelungen. Die Lichtführung trägt entscheidend dazu bei. Feinfühlig arrangierte Lichtstimmungen schaffen Atmosphäre. Videoprojektionen am Kirchturm erweitern das Bühnenbild um eine zusätzliche Dimension. Die Musik von Sue Ferrers an der Nyckelharpa hält das Stück über die Umbaupausen hinweg zusammen.

Der Applaus gilt auch Karl-Heinz Auerswald, dessen Porträt zum Schluss eingeblendet wird. Mit „Fata Rotaha“ hat der Autor seiner Theatergruppe und dem Rodgauer Publikum ein außergewöhnliches Geschenk gemacht.

Quelle: op-online.de

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