Zeitzeugen zum Wallersee gesucht

Rodgau (bp) - Die Fraktion von „Zusammen mit Bürgern“ (ZmB) wehrt sich gegen den Vorwurf, beim Thema „Altlast Wallersee“ Ängste zu schüren und fahrlässig Endzeitszenarien heraufzubeschwören.

Der Fraktionsvorsitzende Horst Böhm sagte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung, ZmB gehe es einzig um „Sachinformationen“ und darum, dass die zur Altlast offenbar vorhandenen Messergebnisse „endlich öffentlich dargestellt werden“.

2007 hatte die Stadt die zwischen 1959 und 1974 verfüllte Deponie in Hainhausen zum Hessischen „Abschlussprogramm kommunale Altlastenbeseitigung“ angemeldet. Das Programm sieht die nahezu vollständige Beseitigung kommunaler Altlasten bis 2015 vor. ZmB-Sprecher Klaus Möller argumentierte, er sorge sich darum, „dass die Altdeponie Wallersee bis 2015 lediglich beprobt wird und zur eigentlichen Sanierung nichts geschieht“.

„Was ist nach 2015, wenn die Frist abgelaufen ist, in der wir zur Sanierung das Land noch ins Boot hätten holen können, und bis dahin die Sache nicht bereinigt ist“, erläuterte Böhm den Vorstoß seines Wählervereins.

ZmB hatte vergangene Woche in einer Pressemitteilung reklamiert, dass sich in Sachen Wallersee nichts tue und „der Mantel des Vergessens“ über die unliebsame Angelegenheit gedeckt werden solle. Insbesondere die Grünen wurden verbal attackiert. Das „Gefahrenpotenzial der ehemaligen Giftmüllhalde“ müsse offengelegt werden.

Giftige Ergebnisse bei Bodenproben im Jahr 1984

Stadtrat Michael Schüßler (FDP) hatte daraufhin den Wählerverein bezichtigt, fahrlässig mit den Ängsten der Bürger zu spielen. Seit fünf Jahren zögen alle an der Erkundung der Altlast beteiligten Behörden an einem Strang. Erst im Mai habe es mit Anwohnern ein Info-Treffen gegeben. Bisher sei am Wallersee nichts gefunden worden, „das die Menschen oder das Grundwasser massiv bedrohen könnte“. Überdies sei für dieses Jahr eine neue Messreihe bereits initiiert.

Sekundiert vom ehemaligen Grünen-Mitglied Dieter Stein (heute „Die Linke), erinnerten ZmB im Gespräch mit unserer Zeitung an eine Untersuchung des Landschaftsschadens am Wallersee durch den Umlandverband Frankfurt aus dem Jahr 1984. Bodenproben hätten damals zum Beispiel eine 2260-fache Überschreitung des Grenzwerts für Blei ergeben. Bei 16 giftigen Stoffen seien bis zu 340-fache Grenzwertüberschreitungen festgestellt worden. Im Dezember 2010 hatte Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) im Zuge eines Sachstandsberichts zum Wallersee vor der Presse mitgeteilt, dass bestimmte Flächen dort abgedeckt worden seien.

ZmB ruft nun Zeitzeugen auf, sich beim Wählerverein zu melden und ihre Beobachtungen mitzuteilen, was früher in die Deponie gekippt worden ist.

Quelle: op-online.de

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