Klares Bekenntnis

Zerstörte Bücherschränke: Stadt setzt Belohnung aus

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In etwa vier Wochen solle Ersatz kommen für die eingetretenen oder -geschlagenen Scheiben der roten Telefonzelle.

Rodgau - Die Stadt hat wegen der wiederholten Anschläge auf die öffentlichen Bücherschränke in Rodgau in Absprache mit der Polizei eine Belohnung in Höhe von 500 Euro ausgesetzt. Zwei von den vier umgenutzten Telefonzellen sind derzeit kaputt oder gar völlig zerstört. Von Simone Weil

Eigentlich ist es ja eine schöne Sache: Bücher finden neue Liebhaber, wenn sie in den öffentlichen Schränken landen. Schließlich lesen die meisten Menschen ein Werk nicht mehrmals. Tatsächlich sieht man an der stark frequentierten Buchstation am Rathaus in Jügesheim regelmäßig Menschen, denen die Freude darüber anzumerken ist, dass sie ein paar schöne Schmöker entdeckt haben. Andere Vielleser sind dagegen froh, wenn sie ihre Regale daheim ein wenig entlasten oder vorm Überquellen bewahren können, indem sie Gelesenes weitergeben und in den Bücherschrank stellen. Eigentlich haben also viele etwas von dieser Idee.
Und doch stören sich offensichtlich manche Zeitgenossen an den umgenutzten ehemaligen Telefonzellen. Denn bereits mehrfach wurden sie Ziel mutwilliger Zerstörungen. Deswegen will die Stadt nun den Tätern auf die Spur kommen und hat die Belohnung ausgesetzt.

Im Oktober vergangenen Jahres brannte der Bücherschrank auf dem Puiseauxplatz in Nieder-Roden komplett ab. Ende Dezember – drei Wochen nach der Eröffnung – wurden die Scheiben der ritzeroten, englischen Telefonzelle in Dudenhofen eingeschlagen oder eingetreten. Kinder der Freiherr-vom-Stein-Schule hatten die Aufgabe übernommen, als Bücherschrank-Paten immer wieder nach dem Rechten zu sehen. „Die Bücherpaten waren sehr bestürzt über den Scherbenhaufen“, hatte Schulleiterin Alexandra Breitbach in einer E-Mail an die Stadtverwaltung geschrieben.

Beeindruckt zeigten sich die Schüler von der schnellen Reaktion: Die Stadt sperrte die beschädigte Telefonzelle ab und zeigte die Sachbeschädigung bei der Polizei an.

Damit künftig nicht jeder Fußtritt gleich mit Scherben endet, will die Stadt die kaputten Glasscheiben durch durchsichtigen Kunststoff ersetzen. „Da kommt kein Glas mehr rein“, kündigte Pressesprecherin Sabine Hooke an. Die Spezialscheiben werden in etwa vier Wochen erwartet. Kostenpunkt: 250 Euro. Ums Einsetzen und Wiederherstellen des Bücherschranks sollen sich die Jugendlichen des Projekts Rodgau 16+ kümmern.

Eine baugleiche Bücherzelle am Rathaus in Jügesheim wurde im Februar 2016 mit einem sogenannten Polen-Böller gesprengt. Vandalismus gibt es auch in Rödermark: Die Bücherzelle am Breidertring fiel schon zweimal Vandalen zum Opfer.

Lediglich der Bücherschrank am Badesee in Nieder-Roden – an der Kioskterrasse blieb bislang von solchen Attacken verschont. „Dort ist die soziale Kontrolle sehr hoch“, erklärte Sabine Hooke das Phänomen.

Aufräumarbeiten nach Brand von Bücherschrank in Rodgau: Bilder

Trotz der Zerstörungswut einiger Weniger gibt es seitens der Stadt aber ein ganz klares Bekenntnis zu den öffentlichen Buchstationen – auch wenn manche Bürger meinen, man könnte sich das Geld wegen der wiederholten Anschläge doch sparen: „So etwas Schönes zu zerstören, macht mich sehr wütend“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann.

Quelle: op-online.de

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