Zinssteuer kostet Kirche Mitglieder

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Die Synode wählte die Urberacher Pfarrerin Sonja Mattes und das ehrenamtliche Rodgauer Magistratsmitglied Elke Tomala-Brümmer (Zweite von links) in die Leitung des Kirchenkreises.

Rodgau - (bp) Mit großer Mehrheit verabschiedete die Synode des evangelischen Dekanats Rodgau während ihrer Frühjahrstagung einen ausgeglichenen Haushaltsplan mit einem Volumen von knapp 1,5 Millionen Euro.

Zurückgehende Kirchensteuer aufgrund des demografischen Wandels zwingen Gemeinden und Dekanate, den Gürtel enger zu schnallen. Möglich wurde der Ausgleich, so Dekanatspräses Joachim Fleiss nur durch Einsparungen im Sachmittel-Etat um fünf Prozent. Diese Sparmöglichkeit sei aber rasch erschöpft.

Den größten Teil der Ausgaben bilden mit gut 75 Prozent die Personalkosten für Referenten und den gemeindepädagogischen Dienst. Inhaltlich investiert die evangelische Kirche in der Region über die Hälfte ihrer Mittel direkt in die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien vor Ort in den Kirchengemeinden und damit in die Zukunft der nächsten Generation. Traditionell hat diese Arbeit im Dekanat Rodgau den größten Stellenwert.

Zuvor hatte Dekan Carsten Tag seine Einschätzungen zur Situation der Kirche in der Region geschildert. Im Vergleich zu anderen Regionen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau sei die Besetzung von Gemeindepfarrstellen im Dekanat Rodgau noch sehr zufrieden stellend. Allerdings müssten sich auch hier Pfarrer/innen vermehrt auf Vertretungsdienste in Nachbargemeinden einstellen. In den nächsten Jahren erreichten überdurchschnittlich viele Pfarrerinnen und Pfarrer das Ruhestandsalter. Sorge bereitet dem Dekan der in manchen Gemeinden sprunghafte Anstieg der Kirchenaustritte. Nachdem in den vergangenen Jahren die Zahl derer, die der evangelischen Kirche den Rücken kehrten, stetig zurückgegangen war, verzeichneten die Kirchenbücher Ende 2008 und Anfang 2009 einen deutlichen Zuwachs. Experten führen dies auf Missverständnisse bei der Zinsertragssteuer zurück, bei deren Einzug Bankkunden ihre Konfession angeben sollten.

Nicht nur deshalb schlägt Dekan Tag eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema „Mitgliederorientierung“ vor: „Es gibt viele gute Gründe, in der evangelischen Kirche zu sein.“ Diese Gründe müsse die Kirche jedem deutlich machen, der am persönlichen und gesellschaftlichen Sinn seiner Mitgliedschaft zweifle. „Wir sind eine Kirche, die bei den Menschen ist, kein abstraktes Gebilde.“ Das wollen die Gemeinden vor Ort und das Dekanat noch deutlicher hervorheben - möglicherweise in Form eines neuen Jahresthemas.

Quelle: op-online.de

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