Zivildienst veränderte die Lebensplanung

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Sebastian Goldner ist derzeit Diakon in Mainz. 

Dudenhofen - Bischof Karl Kardinal Lehmann wird in diesem Jahr zwei junge Männer im Bistum Mainz zum Priester weihen. Einer davon stammt aus dem früher überwiegend evangelischen Dudenhofen: Sebastian Goldner. Von Bernhard Pelka

Er ist der erste Priester, der aus der 1953 gebildeten katholischen Kirchengemeinde St. Marien stammt.

Dort war der heute 28-Jährige bereits zwölf Jahre lang Messdiener. Die Gemeindemitglieder kennen ihn überdies als Küster. Derzeit dient der Theologe als Diakon der Gemeinde St. Pankratius in Mainz-Hechtsheim.

Am Samstag, 18. Juni, 9.30 Uhr, wird Bischof Lehmann Sebastian Goldner eine Woche nach dessen Geburtstag im Mainzer Dom zum Priester weihen. Sein Primizamt feiert der junge Mann dann einen Tag darauf in seiner Heimatgemeinde.

Um 10 Uhr ist Abholung am Elternhaus im Spessartring 33, der Gottesdienst beginnt um 10.30 Uhr. Anschließend findet um die Kirche ein Fest statt. Hierbei ist Gelegenheit zu Grußworten. Die Möglichkeit, den Primizsegen zu empfangen, besteht um 15.30 Uhr während der Primizvesper in St. Marien.

Die Startbedingungen könnten für Sebastian Goldner besser sein. Nach den Missbrauchsfällen erlebt die katholische Kirche einen massiven Vertrauensverlust und eine Austrittswelle.

Ursprünglich wollte er einen technischen Beruf ausüben

„Natürlich ist das auch unter uns Priesteranwärtern stark im Gespräch. Man stellt sich die Frage, was dies für den eigenen Weg bedeutet“, erläutert der Gottesmann seine Gedanken. „Mein Glaube ist mir aber durch das Fehlverhalten anderer nicht abhanden gekommen. Und ich bin überzeugt davon, dass aus diesen grässlichen Fehlern gelernt wird und dass man es selbst nur besser machen kann.“

Sebastian Goldners Ziel ist es, Gemeindepfarrer zu werden. Das war durchaus nicht immer so. Seine Lebensplanung sah zunächst einen technischen Beruf vor. Und so folgte dem Besuch der Freiherr-vom-Stein-Schule und der Georg-Büchner-Schule das Abitur an den Gewerblich-technischen-Schulen Offenbach. „Ich wollte Elektroingenieur werden und studieren.“ Kein Wunder: Vater Johann ist Elektrotechniker.

Der frisch gebackene Abiturient hatte sich bei der TU Darmstadt bereits nach einem passenden Studiengang erkundigt, da veränderte der Zivildienst im Gretel-Egner-Haus sein Leben.

Wichtige Erfahrungen im Pflegeheim gesammelt

Der Zivi Sebastian Goldner hatte in dem Pflegeheim in Dudenhofen Kontakt nicht nur mit alten Menschen, sondern auch mit Tod und Krankheit. „Da habe ich erkannt, dass das Leben nicht nur Naturwissenschaft ist, sondern auch noch etwas anderes.“ Mit der Folge, dass die Fragen nach dem Sinn des Lebens und nach Tod und Auferstehung die beruflichen Vorstellungen des Rodgauers damals vollkommen umgekrempelt haben.

Der anfängliche Wunsch, Priester zu werden, reifte schließlich zum festen Entschluss. Der erste, der davon erfuhr, war der Jügesheimer Pfarrer Wendelin Meissner. „Erst danach bin ich zu meinen Eltern und habe ihnen erzählt, dass ich mich umorientiert habe.“ Das war am 17. April 2003.

Die Ausbildung gliederte sich dann in zwei Abschnitte:

1. Studium in Mainz, mit kurzen Aufenthalten in der Türkei, Syrien, Rom, Freiburg und einem Jahr in Münster. Dazwischen drei Monate Praktikum in der Gemeinde St. Alban (Mainz-Oberstadt).

2. Die praktische Ausbildung umfasste im ersten Jahr Schule, Klinikseelsorge, Predigt, Visitationen kirchlicher sozialer Einrichtungen. Im zweiten Jahr folgte ein Gemeindepraktikum in Mainz-Hechtsheim.

Studienende war im Oktober 2009, die Diakonweihe am 17. April 2010 - exakt sieben Jahre nach dem entscheidenden Gespräch mit seinen Eltern. Mit der Weihe zum Priester wird Sebastian Goldner im Juni sein Ziel erreicht haben. Das ist für ihn freilich nur eine Etappe. Schließlich will er unbedingt Pfarrer werden. „Der Kontakt und das Gespräch mit den Menschen sind mir sehr wichtig.“

Quelle: op-online.de

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