Fünf Spielhallen mit neuer Konzessionen

Zocker verlieren drei Millionen Euro pro Jahr

Rodgau -  Die neue Rechtslage für Spielhallen wirkt sich in Rodgau nicht aus. Während in Offenbach, Hanau und Frankfurt viele Betriebe geschlossen wurden, gibt es in Rodgau weiterhin fünf Spielhallen: drei in Nieder-Roden und je eine in Dudenhofen und Hainhausen. Von Ekkehard Wolf

Das hessische Spielhallengesetz schreibt seit 1. Juli einen Mindestabstand von 300 Metern zwischen den einzelnen Etablissements vor. In Rodgau ist das kein Problem. In größeren Städten wurde die Betriebsdichte erheblich ausgedünnt, allein in Offenbach um 44 Prozent. „Wir haben die Betriebe geprüft und unter Berücksichtigung des gesetzlichen Rahmens den Antragstellern neue Konzessionen erteilt“, sagt Rathaus-Pressesprecherin Sabine Fischer: „Es geht nicht darum, den Betreibern das Leben schwer zu machen, sondern der Spielsucht vorzubeugen.“ Laut Gesetz darf die Betriebserlaubnis für höchstens 15 Jahre erteilt werden.

Zwei der drei Spielhallen in Nieder-Roden sind sogenannte Mehrfachspielhallen – eine mit zwei, die andere mit drei Konzessionen. Sie sind eigentlich nicht mehr zulässig. Die Behörden können aber Ausnahmen erlauben, um „unbillige Härten“ zu vermeiden. Das hat die Stadt Rodgau getan. Sabine Fischer: „Bei Mehrfachkonzessionen wurde die Befristung verkürzt.“

Der Gesetzgeber verfolgt hehre Ziele: Er will Glücksspielsucht verhindern und bekämpfen, den „natürlichen Spieltrieb der Bevölkerung in geordnete und überwachte Bahnen lenken“ und die Spieler vor betrügerischen Machenschaften schützen. Das alles lässt sich im Spielhallengesetz nachlesen. In der Praxis werden die Ziele aber offenbar nicht erreicht. Etwa 70 Prozent ihrer Einnahmen erzielt die Glücksspielbranche von Spielsüchtigen, wie die hessische Landesstelle für Suchtfragen berichtet.

Auch die Stadt Rodgau steckt in einer Zwickmühle. Einerseits will sie das Glücksspiel eindämmen, andererseits profitiert sie von der Spielapparatesteuer, die rund 650.000 Euro pro Jahr in die Stadtkasse bringt. Auf Initiative der Viererkooperation aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern beschloss das Stadtparlament Ende 2012 die damals höchsten Steuersätze im Kreis Offenbach: 20 Prozent der Einnahmen von Glücksspielgeräten und acht Prozent von Geschicklichkeitsspielen ohne Gewinnmöglichkeit.

Doch das Spielglück lockt und die Umsätze steigen. In nur vier Jahren (2012 bis 2016) sind die Einnahmen der Geldspielgeräte in Rodgau um mehr als 50 Prozent gestiegen, wie die Landesstelle für Suchtfragen berichtet. Allein im vergangenen Jahr verloren die Spieler in Rodgau 3,1 Millionen Euro. Das entspricht rund 70 Euro pro Kopf der Bevölkerung vom Baby bis zum Greis. Der Umsatz der Wettbüros ist in diesen Zahlen nicht enthalten. Die Stadtverwaltung weiß nicht einmal, wie viele Sportwetten-Anbieter es in Rodgau gibt. Deren Genehmigung sei Sache der Kreisbehörden.

Quelle: op-online.de

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