Zuflucht in Rodgau

Ein Helferkreis in jedem Stadtteil

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Runder Tisch im Rathaus: Wo sonst Kooperation und Opposition um den besten Weg für Rodgau streiten, herrschte zum Start des Flüchtlingsnetzwerks Einigkeit.

Rodgau - Ein Netz der Unterstützung für Flüchtlinge entsteht in Rodgau. Mehr als 80 hilfsbereite Bürger trafen sich zur Auftaktveranstaltung im Rathaus. Sie vereinbarten, in jedem Stadtteil eine eigene Arbeitsgruppe zu bilden.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann zeigte sich „überwältigt“ von der großen Hilfsbereitschaft. Alltagshilfe, Kinderbetreuung, Fahrdienste, Dolmetscher, Begleitung zum Arzt oder eine Fahrradwerkstatt: Auf der Teilnehmerliste notierten die Anwesenden eine breite Palette an Hilfsangeboten. Unter den Besuchern waren auch etliche Vertreter von Vereinen mit -zig oder mehreren hundert Mitgliedern.

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Es gehe darum, den Menschen „nach einer langen Flucht beim Ankommen zu helfen“, sagte Bürgermeister Jürgen Hoffmann. Menschliche Wärme und Unterstützung im Alltag seien gefragt. Als Beispiel erwähnte er Annemarie Jonas in Weiskirchen, die sich seit Ende letzten Jahres um die neun Flüchtlinge in der Pension „Obermühle“ kümmert. Die Neuankömmlinge sind medizinisch versorgt, können bei „Tante Emma“ einkaufen und finden sozialen Anschluss beim Sport im Verein. „Wir haben jetzt schon ein kleines Netzwerk aufgebaut“, berichtet die vielfach engagierte Ortsvorsteherin: „So etwas müsste es in jedem Stadtteil geben.“

Warnung vor übereiltem Aktionismus

Gesagt, getan: Die Helfer wollen nun Stadtteilgruppen bilden, um die Arbeit vor Ort zu organisieren. Erster Stadtrat Michael Schüßler warnte vor übereiltem Aktionismus. Ein abgestimmtes Vorgehen in geregelten Bahnen sei wichtig, damit „nicht jeder irgendwas“ mache. Näheres wird in den Stadtteilen besprochen. Die ersten Termine stehen bereits fest: am 20. März im Bürgerhaus Nieder-Roden, am 26. März um 19.30 Uhr im evangelischen Gemeindehaus Dudenhofen und am 31. März um 19.30 Uhr im Haus der Begegnung Jügesheim. Zu diesen Treffen kann jeder hingehen, der zuhören oder mitarbeiten will. Die Koordination übernimmt die städtische Agentur für Kultur, Sport und Ehrenamt (AKSE) in der Alten Apotheke Jügesheim. Sie dient auch als Anlaufstelle für interessierte Bürger. Mietwohnungen und Sachspenden können dort ebenfalls angeboten werden (E-Mail: fluechtlinge@rodgau. de). Wer Flüchtlinge unterstützen möchte, kann sich auch an den Verein für multinationale Verständigung Rodgau wenden - die E-Mail-Adresse hilfe@munavero.de ist eigens dafür eingerichtet.

Wie ehrenamtliche Hilfe in der Praxis gelingt, kann Susan Ritter vom Arbeitskreis Asyl in Hainburg berichten. Eine ehemalige Fabrik in Klein-Krotzenburg dient seit etwa 20 Jahren als Unterkunft für Flüchtlinge. Derzeit leben dort 118 Menschen aus mehreren Herkunftsländern, unter ihnen sowohl allein Stehende als auch Großfamilien. Der Bildungsstand der Erwachsenen reicht vom Analphabeten bis zum Hochschulabsolventen. „Aber den Deutschkurs besuchen alle“, sagt Susan Ritter. Die sprachliche Verständigung sei das Wichtigste. Bei Neuankömmlingen müsse man mitunter über mehrere Zwischenstufen hinweg dolmetschen.

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Eine Institution der Flüchtlingshilfe im Ostkreis ist Maria Schwab, „Mama Schwab“, wie sie viele nennen. Auch sie erzählte am Donnerstag in Jügesheim über ihre Erfahrungen - angefangen von einem Familienvater aus Kamerun, den sie in der Kirche sah und in ein paar Brocken Schulenglisch mit seiner Familie zum Kaffee einlud. Einige Jahre später begleitete sie die Tochter dieser Familie zur Erstkommunion. Heute steht die Haustür des Ehepaars Schwab praktisch Tag und Nacht für Asylbewerber offen. Die Erfahrungen mit den Menschen aus aller Herren Länder will Maria Schwab nicht missen: „Ich habe viel Schönes erlebt, das mein Leben bereichert.“ Ehemalige Bewohner des Asylantenheims kommen auch nach Jahren zu ihrer „Mama Schwab“ zurück.

(eh)

Quelle: op-online.de

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