Senior Experte Dr. Wilhelm Senske gehört noch lange nicht zum alten Eisen

Zukunft baut auf die Erfahrung

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Dr. Wilhelm Senske (Vierter von links) vor der Hochschule in Batam im Kreis der Hochschullehrerinnen und -leher.

Rodgau - Wissen sichern, Erfahrung weitergeben: Gemäß diesem Motto zieht der Nieder-Röder Physiker Dr. Wilhelm Senske regelmäßig hinaus in die Welt und gibt an Hochschulen und in Firmen im Ausland weiter, was er sein Leben lang gelernt hat. Von Bernhard Pelka 

Unterwegs ist der 67-Jährige für den Senior-Experten-Service, die Stiftung der Deutschen Wirtschaft für Internationale Zusammenarbeit. Polytechnische Hochschule Batam (Indonesien). Durch das mürbe Dach des Gästeappartements im siebten Stock tröpfelt Regenwasser in die Gemeinschaftsküche. Es empfiehlt sich deshalb, dort ausschließlich in Badeschlappen aus Gummi zu laufen. Einen Telefonanschluss gibt es nicht. Die Gastfreundschaft und die Freundlichkeit der Hochschullehrer und der Wissensdurst der Schüler entschädigen allerdings für kleine Unzulänglichkeiten. „Wozu gibt es schließlich E-Mail?“, sagt Dr. Wilhelm Senske, lacht fröhlich und klappt sein Laptop auf. „Das war meine Verbindung in die Heimat. Telefon brauchte ich doch gar nicht.“

Auf dem Laptop gespeichert sind Fotos von seinem jüngsten Drei-Wochen-Aufenthalt. Sie zeigen ihn mit Mundschutz und im weißen Kittel in einem Labor der Hochschule – umringt von Studenten. Oder beim lockeren Abendessen in kurzen Hosen und offenen Schuhen im Kreis der strahlend lächelnden Gastgeber. Die Offenheit und Herzlichkeit dieser Leute wird dem Senior-Experten immer in Erinnerung bleiben. Und natürlich seine Vorträge und praktischen Übungen mit den jungen Studenten. „Den Elan und die Bereitschaft zu lernen, fand ich super. Vorschläge, die man gemacht hat, wurden teils schon am nächsten Tag realisiert“, fühlte sich der Entwicklungshelfer stets ernstgenommen.

Gebraucht wurde Dr. Senske in der Modellfabrik der Hochschule zur Fertigung elektrotechnischer Teile. Mechatronikstudenten machen sich dort mit Maschinen und Technologien vertraut. „Die haben nach dem Studium dann ganz gute Berufsaussichten, weil Firmen die gleichen Technologien wie die Hochschule verwenden. Sie bildet Diplomstudenten in Studiengängen wie Mechatronik, IT, Buchhaltung, Wartung von Flugzeugmotoren aus. Das dauert bis zu fünf Jahre. Insgesamt sind rund 3 400 junge Leute eingeschrieben, die in zwei Schichten morgens bis 17 Uhr und abends von 19 bis 22.30 Uhr pauken. Die Abendschicht ist für Studenten gedacht, die neben der Arbeit studieren möchten. Für den Abschluss als Ingenieur fehlt der Hochschule noch die Zulassung seitens des Staates.

„Mein Eindruck war, dass sehr praxisnah an fertigen Einrichtungen ausgebildet wird. Wobei einige Bereiche vergleichbar mit Berufsschulen sind“, beschreibt der Rodgauer Physiker sein Erlebnis. Zusammen mit dem Nachwuchs baute er in Indonesien zum Beispiel Gehäuse für Integrierte Schaltkreise. Thema in Theorie und Praxis war auch die Qualitätssicherung. „Bei den Arbeiten im Reinraum gab es Defizite, auf die ich hinweisen musste.“

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Im Berufsleben waren Reinlichkeit und Genauigkeit das Credo von Dr. Senske und seinen Mitarbeitern. Von AEG gekommen, arbeitete der begeisterte Naturwissenschaftler bei Daimler als Leiter der Abteilung für Werkstoffe der Elektrotechnik. Hauptsächlich ging es dabei um Technologien für Steuergeräte im Auto. Was kommt an Technik auf den Markt und was hat das für Konsequenzen für den Automobilbau? war eine der Fragestellungen, denen der gebürtige Niedersachse und sein Team nachgingen. Zu seinem Job gehörte es überdies, Prüfverfahren für bestimmte Bauteile zu entwickeln, um deren Haltbarkeit und Sicherheit über Jahre hinweg garantieren zu können – und natürlich die Fehlersuche. Gut in Erinnerung ist ihm etwa noch der Stress wegen Bremsproblemen der Mercedes E- und SL-Klasse 2004. Damals musste Mercedes ungezählte Fahrzeuge mit einem Defekt der elektrohydraulischen Bremse (SBC - Sensotronic Brake Control) zurückrufen.

Seit seinem Vorruhestand gibt der Unruheständler ehrenamtlich sein Wissen weiter. Schon fünfmal war er für den Senior-Experten-Service auf Achse, viermal davon in China. Das bot sich an, da er dort von Berufs wegen für Daimler jahrelang in einer Forschungsdependance gearbeitet hat. Auch hält er als Lehrbeauftragter Vorlesungen an der Technischen Hochschule Bingen. Die Erfahrungen von Dr. Senske in seinem zweiten Berufsleben sind durchweg positiv. Und seine Gastgeber im Ausland mögen ihn offenbar auch. „Die in Batam wollen mich wiederhaben.“

Quelle: op-online.de

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