Neun der 17 Mitglieder hören auf

Zukunftsrat ohne Zukunft?

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Hochhäuser in Nieder-Roden, sterbende Ortsmitte in Hainhausen: Der Rodgauer Zukunftsrat kritisiert ein fehlendes Konzept der Stadtgestaltung.

Rodgau - Den Stadtpolitikern weht mächtiger Gegenwind ins Gesicht - nicht nur in Sachen Einkaufszentrum Jügesheim. Jetzt wackelt auch der Zukunftsrat, der Ideen für die Stadtentwicklung erarbeiten soll. Die Hälfte der Mitglieder sieht darin keine Zukunft mehr. Von Ekkehard Wolf 

Schon eineinhalb Jahre nach dem Start des Zukunftsrats haben neun der 17 Mitglieder ihr Amt niedergelegt. Sie sehen keine Chance, positive Veränderungen für Rodgau zu bewirken. Im Rathaus sei wenig Bereitschaft erkennbar, Bürger an Entscheidungen zu beteiligen. „Wir sind überzeugt, dass eine aktive (…) Bürgerbeteiligung gut für die zukünftige Entwicklung Rodgaus wäre“, formulieren die Neun in einem Brief an den Magistrat. Die Kommunikation mit Bürgern sei jedoch offenbarvon Teilen der politischen Entscheider nicht gewünscht.

Die Unterzeichner des Briefs kritisieren insbesondere den Umgang mit einem ersten Thesenpapier, das der Zukunftsrat am 23. Januar vorgelegt hat. Die Stadt Rodgau habe diese „Leitlinien zur weiteren Stadtentwicklung und Positionierung Rodgaus in der Rhein-Main-Region“ erst drei Monate später nach mehrfacher Aufforderung im Internet veröffentlicht. Ein öffentlicher Diskurs mit allen interessierten Bürgern sei nicht zu Stande gekommen. Ohne klares Mandat, ohne offenen Austausch mit den Gremien und ohne umfassende Informationen könne der Zukunftsrat seinem Auftrag nicht gerecht werden.

Kein wesentlicher Einfluss auf Politik

Ihren Frust drücken die Neun in deutlichen Worten aus: Sie hätten „die Überzeugung gewonnen, dass die Ergebnisse des Zukunftsrats keinen wesentlichen Einfluss auf die Politik nehmen werden“. Da sei es nur logisch, das Amt niederzulegen. „Wir haben überhaupt keine Resonanz gespürt“, bringt es Dr. Michael Römer auf den Punkt: „Wir haben unsere Zeit geopfert und irgendwann ist halt Schluss.“ Ebenfalls zurückgetreten sind Uwe Beier, Stefan Eckhardt, Gregor Fröhlich, Dr. Carsten Lehr, Dr. Manfred Schade, Dr. Björn Simon, Wilfried Viertel und Hannelore Wrede. Zwei von ihnen, Lehr und Wrede, sind als ehemalige CDU-Stadtverordnete mit Entscheidungswegen und Befindlichkeiten in der Kommunalpolitik vertraut.

Das Thesenpapier des Zukunftsrats sei sehr wohl in der Politik angekommen, sagt Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Kaiser, der auch dem Zukunftsrat vorsitzt. Die Fraktionen bräuchten jedoch Zeit, um sich mit dem Inhalt auseinander zu setzen: „Dass daraus innerhalb von vier Wochen ein Antrag entsteht, ist nicht zu erwarten.“ Zudem könne frühestens 2015 Geld in den Haushaltsplan bereitgestellt werden.

Eine gewisse Ungeduld bei den Mitgliedern des Zukunftsrats sei verständlich, so Kaiser: „Sie wollen erleben, wie ihre Ideen in die Praxis umgesetzt werden.“ Er korrigiert jedoch den Eindruck, „dass die Mitglieder des Zukunftsrates davon ausgehen, dass sie die Bürgerschaft repräsentieren“: Sie seien zwar sachkundige Bürger, aber keine gewählten Vertreter der Bevölkerung. Nach dem Rückzug der Neun will Jürgen Kaiser die fehlenden Plätze zügig wieder besetzen. Zwölf Personen seien im Losverfahren zunächst nicht zum Zug gekommen: „Die schreiben wir an und fragen sie, ob sie bereit sind, das Amt anzunehmen.“

Der weiteren Arbeit des Zukunftsrats sieht Kaiser optimistisch entgegen: „Themen gibt es genug.“ Als Beispiele nennt er die Sicherung der kulturellen und sportlichen Vielfalt sowie Freizeitangebote für alle Altersgruppen in der alternden Gesellschaft. Der Rat müsse den Blick weit nach vorne richten, mindestens bis ins Jahr 2030.

Quelle: op-online.de

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