Zweites Leben dank Organspende

Geschenkte Lebenszeit

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Dudenhofen - Organspenden können Leben retten. Ein Beispiel dafür ist Sieglinde Koop, die seit vielen Jahren mit einer Spenderniere lebt. Heute feiert sie zum 25. Mal ihren „Zweiten Geburtstag“. Von Ekkehard Wolf

Besonders dankbar ist sie für die gute Versorgung in der Frankfurter Transplantations-Ambulanz.

Ihr zweites Leben begann mit einem Anruf nach Mitternacht: „Frau Koop, wir haben ein Organ. Sind Sie gesund?“ Das war um 0.25 Uhr - heute vor 25 Jahren. Die Zeit bis zum späten Abend kam ihr unwirklich vor: „Alles ist wie ein Film abgelaufen. Man realisiert es gar nicht. Das ist auch ein Selbstschutz.“

„Dialyse nicht vertragen und immer wieder kollabiert“

Wegen einer erblich bedingten Nierenkrankheit hatte Sieglinde Koop seit ihrer Kindheit an Beschwerden gelitten. Nach Auskunft von Ärzten hatte sie eine Lebenserwartung von 40 Jahren. Dank guter Betreuung in der Uniklinik musste sie erst als 52-Jährige zur Dialyse. Das war im Juli 1987. Die folgenden zehn Monate waren eine Qual: „Ich habe die Dialyse nicht vertragen und bin immer wieder kollabiert.“

Auf der Dringlichkeitsliste für eine Nierentransplantation stand ihr Name weit oben. Zur Jahreswende 1987/88 waren alle notwendigen Voruntersuchungen gemacht. Von den Ärzten hörte Ehemann Heinz Koop: „Wenn wir kein Organ finden, wird Ihre Frau das nächste Jahr nicht erleben.“

Den 25. Mai 1988 wird die Familie nie vergessen. Seither ist jeder Tag ein Geschenk: „Es ist eine wunderbare Sache, ein Vierteljahrhundert Leben.“

„Familie und Freunde haben mich aufgefangen“

Von dem Spender, dem sie die gesunde Niere verdankt, weiß Sieglinde Koop wenig: „Es war ein junger Mann, 21 Jahre, ein Österreicher.“ Aber ihre Gedanken kreisen immer wieder um den anonymen Spender: Was für ein Mensch war er? Wie ist er gestorben? Welchen Kummer mögen die Eltern empfunden haben? Solche Fragen können quälend sein. „Meine Familie und meine Freunde haben mich aufgefangen“, sagt die Dudenhöferin dankbar, „aber es gibt auch viele Menschen, die nach der Transplantation eine psychologische Betreuung brauchen.“

Auch von der medizinischen Nachsorge spricht man in der Öffentlichkeit kaum. Dabei ist sie für den Erfolg entscheidend. Nach 25 Jahren kann Sieglinde Koop die Transplantations-Ambulanz in Frankfurt-Niederrad nur uneingeschränkt loben: „Sie ist sehr gut besetzt. Die Mitarbeiter leisten Enormes in der Nachsorge. Bis zum heutigen Tag bin ich dort sehr gut betreut worden.“

Medikamente sind lebenswichtig

Nach der Organverpflanzung müssen sich Patienten zwei- bis dreimal pro Woche in der Ambulanz vorstellen. Dort werden unter anderem Blutwerte ermittelt und die Dosis der Medikamente wird überprüft. Nach all den Jahren reicht es, wenn Sieglinde Koop vier- oder fünfmal im Jahr zur Untersuchung geht.

Menschen, die mit einem Spenderorgan leben, müssen bis an ihr Lebensende Medikamente einnehmen, die ihr Immunsystem ausbremsen. „Der Körper merkt auch nach ganz langer Zeit, dass es ein Fremdkörper ist“, sagt Sieglinde Koop. Auch sie nimmt alle zwölf Stunden ihre Tabletten ein. In den 25 Jahren hat sie sie nur einmal vergessen. „Das ist wichtiger als Essen und Trinken“, sagt ihr Mann.

Organspende? „Das muss jeder selbst entscheiden“

Im Lauf der Jahre hat das Ehepaar etliche Menschen kennen gelernt, denen eine Transplantation Lebenszeit geschenkt hat. Sieglinde Koop bedauert, dass die Bereitschaft zur Organspende nach einigen Klinikskandalen zurückgegangen ist. Dennoch will sie niemanden in der Entscheidung pro oder contra Organspende beeinflussen: „Das muss jeder selbst entscheiden. Es ist nur wichtig, dass der Partner oder die Familie Bescheid weiß.“

Quelle: op-online.de

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