Nach und nach Gedenksteine für alle Opfer

Zwölf weitere „Stolpersteine“ für Rodgau

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Stolpersteine an der Nieuwpoorter Straße in Dudenhofen erinnern seit sieben Jahren an vier Menschen, die durch die Nazi-Diktatur ums Leben kamen. Im November werden zwölf weitere Gedenksteine in Weiskirchen verlegt. 

Rodgau - Zwölf weitere „Stolpersteine“ werden in Rodgau verlegt. Künstler Gunter Demnig kommt dazu am Freitag, 16. November, nach Weiskirchen. Von Ekkehard Wolf

Die Gedenksteine erinnern an die Mitglieder der Familien Lilienthal und Meyer, die in der Zeit des Nationalsozialismus ermordet wurden. Dies bestätigte Helmut Trageser vom Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Weiskirchen auf Anfrage. Der Verein hat viele Informationen über die früheren jüdischen Einwohner gesammelt und hält die Erinnerung an sie wach.

Die Steine werden in die Bürgersteige an der Waldstraße (Lilienthal) und an der Ecke Falltor-/Schillerstraße (Meyer) eingebettet. Jeder Stein trägt eine quadratische Messingtafel mit dem Namen sowie Lebens- und Sterbedaten eines Menschen.

In 23 Ländern Europas gibt es rund 69 000 solcher Steine, wie die Enzyklopädie Wikipedia schreibt. Damit sind die Stolpersteine das größte dezentrale Mahnmal der Welt.

In Rodgau gibt es bisher vier Stolpersteine, und zwar an der Nieuwpoorter Straße in Dudenhofen. Sie erinnern seit 2011 an Amalie Reinhardt, ihren Ehemann Adolf und dessen Schwestern Regine Raphael und Helene Klasen.

Gunter Demnig war damals auf Initiative des Vereins für multinationale Verständigung (Munavero) nach Rodgau gekommen. Der Verein ist auch diesmal federführend.

Der Wunsch nach Stolpersteinen in Weiskirchen besteht schon seit Jahren. Die Finanzierung war aber lange nicht gesichert. Eine Anwohnerin der Falltorstraße wandte sich an schließlich an Bürgermeister Jürgen Hoffmann, der die notwendigen Spenden einwarb.

Der Besuch von Gunter Demnig am 16. November soll nicht der letzte derartige Termin sein. „Nach und nach wollen wir Gedenksteine für alle Opfer verlegen“, sagt Helmut Trageser.

Seit vielen Jahren sammelt der Heimat- und Geschichtsverein Weiskirchen Dokumente und Informationen über die früheren jüdischen Einwohner. 73 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur tauchen immer noch weitere Fundstücke auf. „Wir haben jetzt auch Bilder von den Opfern“, berichtet Trageser. So gibt es von Johanna Lilienthal (Jahrgang 1888) den Pass mit eingestempeltem „J“. Milli Schlösser (Jahrgang 1909) und ihr Bruder sind auf Gruppenbildern aus der Schulzeit abgebildet.

Helmut Trageser und der Verein arbeiten an einem Buch über die jüdische Gemeinde Rodgaus seit dem 18. Jahrhundert. Seiner Einschätzung nach könnte es in zwei Jahren fertig sein. In Nieder-Roden und Dudenhofen sei bereits gute Vorarbeit geleistet worden, würdigt Trageser: „Unser Problem waren bisher Jügesheim und Dudenhofen.“

Großes Interesse an ersten „Stolpersteinen“

In Jügesheim gab es nach seiner Kenntnis drei jüdische Einwohner, die deportiert und ermordet wurden: Maria Jäger (1896 geboren, 1943 in Auschwitz ermordet), Martha Deisinger (1911 geboren, in die Niederlande geflohen, 1943 in Sobibor ermordet) und Rosa Reinhard aus der Vordergasse (1884 geboren, in Treblinka ermordet). „Wir wüssten gern Näheres über sie“, sagt Helmut Trageser. Sowohl Erinnerungen als auch Dokumente oder Angaben aus alten amtlichen Akten seien gefragt.

Beim Besuch der Jügesheimer Kolpingsfamilie in der ehemaligen Synagoge sprach der HGV-Vorsitzende vor einigen Wochen über diese Lücke der lokalen Geschichtsforschung. Mit Erfolg: Die Sammlung an Informationen und Dokumenten ist seither schon wieder ein bisschen gewachsen. (eh)

Quelle: op-online.de

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