Abschied nach 30 Jahren an Spitze

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Dank an die bisherigen Vorstandsmitglieder der evangelischen Frauenhilfe Dudenhofen (von links): Hildegard Ripper, Irma Seum, Pfarrer Ralf Weißenstein, Elsbeth Petzinger, Marlies Simon, Leni Unrein und Edith Koch. Drei von ihnen scheiden altersbedingt aus, drei machen weiter. Trude Kratz konnte nicht an der Hauptversammlung der Frauenhilfe teilnehmen. Für langjährige Mitarbeit wurden auch Irma Walter und Toni Merwarth geehrt.

Dudenhofen - (eh) In der evangelischen Frauenhilfe Dudenhofen ist am Samstag eine Ära zu Ende gegangen. Vier Tage nach ihrem 81. Geburtstag legte Elsbeth Petzinger das Amt der Vorsitzenden in jüngere Hände. Mit ihr hörten drei weitere langjährige Vorstandsmitglieder auf.

„Ich mach' das jetzt schon 30 Jahre und denke, dass ich mein Soll erfüllt habe“, sagt Elsbeth Petzinger. An den Gedanken an ein Leben ohne die Frauenhilfe muss sie sich erst noch gewöhnen. Den evangelischen Frauen geht es nicht anders. Eine Arbeit ohne die resolute „Schafferin“ an der Spitze ist nur schwer vorstellbar. Als Anerkennung wurde Elsbeth Petzinger einstimmig zur Ehrenvorsitzenden gewählt.

Als 50-Jährige hatte sie den Vorsitz von Anna Seum übernommen. Seither hat sie drei Jahrzehnte lang viel Privates der Kirche untergeordnet. „Wenn Gemeindefest war, bin ich nicht in Urlaub gefahren.“ Wer in Not war, fand bei ihr ein offenes Ohr - und oft genug auch offene Hände. Zusätzliche Aufgaben übernahm sie als Kirchenvorsteherin und in der Dekanatssynode. „Von Kind auf bin ich von der Kirche geprägt gewesen“,erzählt sie. Als Konfirmandin, mitten im Krieg, ging sie mit ihrer Freundin Irma sonntags zur Chorprobe in die Kirche - obwohl der christliche Glaube im nationalsozialistischen Deutschland nicht gern gesehen war. Nach der Konfirmation trat sie in die Frauenhilfe ein. 66 Jahre ist das jetzt her. „Als 55-Jähriger kann man sich das schwer vorstellen“, sagte Pfarrer Ralf Weißenstein.

Seit 1978 hat die evangelische Frauenhilfe Dudenhofen mehr als 200 000 Euro an Spenden eingenommen und weitergegeben. Das Basteln, Backen, Häkeln und Stricken war immer für wohltätige Zwecke bestimmt. Ein Teil für die eigene Kirchengemeinde, ein anderer Teil für ausgewählte Empfänger von der Aidshilfe bis zum Müttergenesungswerk oder zum Waisenhaus in Rumänien. Auch nach Naturkatastrophen halfen die Frauen mit Zuschüssen beim Wiederaufbau.

Etwas Bleibendes hat die Frauenhilfe mit dem Katharina-von-Bora-Fonds geschaffen, der 2007 in eine Stiftung umgewandelt wurde. Der anfängliche Kapitalstock von 50 000 Euro wächst durch Zustiftungen stetig weiter. Aus den Zinserträgen werden Menschen in Not unterstützt.

„Es war eine interessante Zeit“,blickt Elsbeth Petzinger auf ihre 30 Jahre an der Spitze zurück: „Ich möchte keinen Tag missen, auch die schlechten Tage nicht. Wenn man mal drüber geschlafen hat, geht es schon wieder. In der Bibel habe ich immer wieder Zuspruch gefunden.“

Organisationstalent und Visionen zeichneten die scheidende Vorsitzende aus, würdigte Erste Stadträtin Hildegard Ripper als Vorstandsmitglied. Elsbeth Petzinger habe „immer Brücken geschlagen zwischen Jung und Alt“, sie habe ausgleichend gewirkt, aber ihre Überzeugungen auch energisch vertreten. „Wer keine Ecken und Kanten hat, der hat auch nichts zu sagen“,so Ripper.

Ein solcher Abschied geht nicht ohne Tränen ab. Sichtlich bewegt las Elsbeth Petzinger als Abschiedsworte ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer, das auch Eingang ins evangelische Gesangbuch gefunden hat: „Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarte ich, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Nicht nur wegen ihrer Spendentätigkeit ist die Frauenhilfe ein wichtiger Teil der Kirchengemeinde. Doch die Zahl der Mitstreiterinnen geht zurück, wie Elsbeth Petzinger aus eigener Erfahrung berichtet: Als sie eintrat, waren 220 Frauen dabei, als sie den Vorsitz übernahm waren es 140, jetzt hat sich die Mitgliederzahl bei 90 eingependelt. Die scheidende Vorsitzende blickt mit Zuversicht in die Zukunft. Fünf junge Frauen auf einmal erklärten letztes Jahr ihren Beitritt, als Pfarrerin Anja Schwier aus Dudenhofen verabschiedet wurde.

Eine dieser jungen Frauen ist Kirchenvorsteherin Heike Nenner-Paul (39), die am Samstag prompt in den Vorstand gewählt wurde. Sie teilt sich die Arbeit künftig mit Doris Koch, Edith Koch, Hildegard Ripper und Marlies Simon. In einem Festgottesdienst am Pfingstsonntag, 31. Mai, wird dieses Fünferteam ins Amt eingeführt, während der alte Vorstand verabschiedet wird. Beim anschließenden Empfang im Gemeindehaus ist dann noch Gelegenheit für Dankesworte.

Den „Neuen“ verriet die scheidende Vorsitzende ein Geheimnis ihres Erfolges: „Wenn die Frauenhilfe etwas will, muss sie den Pfarrer fragen. Wenn er dafür ist, ist es gut. Wenn nicht, muss er überzeugt werden.“Mit einem Reisegutschein schickt die Frauenhilfe ihre langjährige Vorsitzende mit Ehemann jetzt auf Erholung. Welches Traumziel nach der Irland-Reise 2008 diesmal auf dem Plan steht, ist offen. „Jetzt möchte ich auch ein bisschen Freizeit haben“,kündigte Elsbeth Petzinger am Samstag an. „Aber wenn sie mich brauchen, bin ich da.“

Quelle: op-online.de

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