„Adler“ fütterten Greifvögel

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Trotz des strengen Geruchs des rohen Fleisches faszinierte die Aktion die Kinder, die sonst Fleisch doch eher in Form von Hamburgern oder Chicken Mc Nuggets kennen.

Ober-Roden (chz) ‐ Für Spaziergänger in der Umgebung mag es merkwürdig ausgesehen haben: eine Gruppe Kinder, zwei Erwachsene, ein Bollerwagen, aus dem ab und zu große frische Fleischstücke herausgeholt und auf Pfähle genagelt werden – tatsächlich ist das eine lobenswerte Sache.

Die „Schlauen Adler“, die Kindergruppe des Naturschutzbundes Nabu Rödermark, legte damit Futter für die großen Greifvögel wie Habicht oder Bussard aus. Vor allem für Mäusebussarde zählt die Gegend zwischen den Waldackerer Versickerungsseen und dem Germaniagelände zum Überwinterungsgebiet. Früher hatten sie hier auch Brutplätze, inzwischen kommen sie überwiegend im Winter hierher, weil hier keine Ackerflächen, sondern Feuchtwiesen sind und das Gelände deshalb prädestiniert für die Greifvogelfütterung ist.

Gummistiefel unerlässlich, kleine Gummihandschuhe werden ausgeteilt, Dr. Rüdiger Werner hebt auch mal ein Kind hoch, wenn es mit dem großen schweren Hammer sonst nicht hoch reich. Das intensiv riechende Fleisch aus den Kübeln auf dem Leiterwagen wird auf Pfosten genagelt. Obwohl es den Kindern etwas vor dieser für sie eher ungewohnten Form von Fleisch graust, reißen sie sich ums Hämmern; schließlich freuen sie sich, eine gute Tat damit zu tun.

Das Rindfleisch wird gespendet

Unterwegs wurden sie schon vom Specht entdeckt und weitergemeldet - ob Grau– oder Grünspecht ist trotz der zahlreichen kleinen Ferngläser in den Händen der Kinder nicht genau erkennbar, doch sie fliegen in auffälligen Wellen.

Maja (9) schaffte es größenmäßig gerade so, mit dem Hammer hoch über den Pfählen zu hantieren.

„Ich habe unser Buch dabei, da schauen wir nachher in der Pause nach“, vertröstet Betreuerin Birgit Weimann, „... und ich habe Gummibärchen dabei“, ergänzt eines der Kinder. Normalerweise bestückt Nabu-Urgestein Werner Weber regelmäßig wöchentlich die vorgesehenen Pfosten zwischen Berngrundsee und Germania-Clubhaus, an der Kläranlage, beim Schützenhaus Diana und Richtung Bulau; unterstützt von einer Familie, die ehrenamtlich hilft. Verwendet wird Rindfleisch, frisch oder einige Tage alt, das Metzger oder Firmen wie etwa der Toom-Markt spenden.

Infos zur Nabu-Gruppe Rödermark gibt es per E-Mail unter nabu@pswerner.de oder unter 06074 914199 (Verena Henschler), 06074 2112030 (Dr. Rüdiger Werner) oder 06074 8648881 (Birgit Weimann).

In der letzten Gruppenstunde haben die Mitglieder der Nabu-Kindergruppe „Schlaue Adler“ diese Tour übernommen und bekamen im Laufe des Rundgangs zwischen Waldacker und Germania von Dr. Rüdiger Werner und vor allem von Birgit Weimann erzählt, warum das Fleisch auf Pfähle gehämmert wird und vieles mehr.

„Das Fleisch wird bald aufgefressen sein, nachdem wir hier weg sind - die Krähen haben uns schon bemerkt, sie stoßen jetzt spezielle Rufe aus und machen die anderen Vögel auf uns aufmerksam, darunter auch Falken, Bussarde, die hier überwintern, und Milane, die vom Winterausflug schon zurück sind“, erläutert die junge Frau.

Nabu-Kinder haben den Bach des Todes überquert

Birgit Weimann ist seit letztem Herbst beim Nabu, gemeinsam mit Dr. Rüdiger Werner und Verena Henschler hat sie im Oktober 2010 die neue Gruppe ins Leben gerufen, zu der sich derzeit im Schnitt acht bis zehn Kinder zwischen sieben und zehn Jahren alle zwei Wochen mittwochs von 15 bis 17 Uhr treffen. Dann gibt’s Streifzüge durch die Natur oder Nachmittage im Clubraum in der Odenwaldstraße.

„Beim letzten Treffen sind wir über die Wiese des Todes gelaufen und haben den Bach des Todes überquert“, erzählen die Kinder – das ist das Gelände hinter den früheren Jado-Gebäuden bis zum alten Forsthaus, wo die Kinder Naturerfahrungen machen. Dazu gehört der Bau eines Kinderbaums. Überdies stellen die kleinen Naturschützer selbst gebaute Vogelhäuschen auf.

Quelle: op-online.de

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