Jedes Türchen ein Bierchen

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Marktleiter Christian Keim (rechts) und sein Kollege Mike Helmer haben in den vergangenen Tagen nicht nur alle flüssigen Adventskalender zweier Biermarken verkauft, sondern auch Kästen mit 24 verschiedenen Gerstensäften als Adventsgeschenke zusammengestellt.

Rödermark - Rund 58 Jahre alt ist der glitzernde Adventskalender mit Türchen und silbernen Verzierungen, der keine Schokolade, kein Spielzeug und keine Geschichten, sondern winzig kleine Bilder von Äpfelchen, Lebkuchen oder Engelchen hinter seinen Klappen verbirgt. Von Christine Ziesecke

Das Mädchen, das ihn damals geschenkt bekam, ist selbst Mutter und Oma und bastelt längst eigene Adventskalender mit Päckchen und Säckchen für seine Kinder und Enkel. Denn der Reiz des Verborgenen in der Vorweihnachtszeit ist ungebrochen.

Bei den Schwestern Paula (8) und Greta Daxer (3) etwa wird seit dem 1. Dezember jeden Abend eine fortlaufende Geschichte vorgelesen von Rica, dem kleinen Schaf, das mit dem Hirten und dem Hirtenhund in einer alten Scheune eingeschneit ist. Das Warten aufs Christkind wird zusätzlich durch Fensterbilder verkürzt, die im Laufe der 24 Tage eine Krippenszene mit vielen Figuren an die Scheibe zaubern.

Einen spirituellen Adventskalender mit Gedanken und Anregungen für jeden Tag hat Martina Heckroth geschenkt bekommen. Sie liest sie an einem ruhigen Moment des Tages, ehe der unvermeidliche vorweihnachtliche Stress losgeht.

Die Geschichte von „Rica“, dem Schaf, und passende Fensterbilder werden zum selbst geklebten Adventskalender von Paula Daxer (8).

Süßes, Geschichten oder kleine Spielsachen für Kinder, edle Pralinen oder besinnliche Texte für Frauen: Doch wie vertreibt sich der Mann die Zeit bis zur Stillen Nacht? Daran hat die Industrie natürlich auch längst gedacht und ihn kurzerhand zum Biertrinker erklärt: Brauereien bieten 24 Flaschen oder Dosen hübsch verpackt an, und das mit großem Erfolg. Im Klasse-Getränkemarkt von Peter Montwé waren diese flüssigen Kalender schon mehrmals ausverkauft. Marktleiter Christian Keim hat deshalb für suchende Partnerinnen selbst 24er Kästen zusammengemischt, mit Schleifchen verziert und auch gleich eine Geschäftsidee fürs kommende Jahr entwickelt: Oben drauf gesetzte „Hüte“ mit 24 gestanzten Türchen würden die Überraschung steigern.

Adventskalender mit Bonus-Märkchen

Eine gute Idee hatte auch der Urberacher Fotograf Hajo Löbig. Gemeinsam mit neun weiteren Einzelhändlern bestückte er einen großen Adventskalender mit Bonus-Märkchen für tägliche Angebote hinter den Türchen – ein Erfolg, ähnlich den ganz persönlichen Adventskalendern, die er für Kunden gestaltet.

Guten Absatz hatten auch Geschäfte wie etwa die Rewe-Läden, deren Adventskalender nahezu ausverkauft sind, wie die stellvertretende Filialleiterin Cemile Bölükbas berichtet. Ob Schokolade, Überraschungseier oder Spielzeug: alles, was hinter den Türen etwas Lukullisches oder Spannendes verbirgt, wird gerne verschenkt. Zumal - wie Sparfüchse hochgerechnet haben - die Spielwaren-Adventskalender trotz hoher Preise fast günstiger sind als die einzelne Produkte zusammengerechnet.

58 Jahre alt ist dieser Adventskalender. Hinter den Türchen verbergen sich winzige Bildchen von Äpfeln, Lebkuchen, Schneemännern oder Engeln.

Viele Vereine, Verbände, soziale Einrichtungen und Firmen haben längst die Chancen des Internets und der hohen Erwartungshaltung genutzt. Sie stellen Adventskalender online, die Tag für Tag neue Geschichten, Cartoons oder wie etwa der Online-Versender Amazon besonders günstige Angebote frei Haus liefern. Der Reiz, hinter notfalls auch digitalen Türchen eine Überraschung oder ein Schnäppchen zu entdecken, ist hoch – der Mensch als solcher ist wohl neugierig. Der beliebteste Kalender bleibt nach wie vor der nostalgische auf Karton.

Quelle: op-online.de

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