Änderungen bis in letzter Sekunde

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Artistin Antonia Modersohn probt ihren Auftritt in luftiger Höhe.

Ober-Roden - Links ist manchmal rechts, geht nicht gibt's nicht, Stars sind auch nur Menschen: Das sind drei von vielen Maximen, die Jörg Seitel bei seiner Arbeit beherzigen muss. Von Michael Löw

Seitel ist technischer Leiter der Kulturhalle und steht mit seinem Team immer dann unter Hochspannung, wenn Spielleiter Dietmar Schrod wieder eine besonders aufwändige Vorstellung fürs Rödermärker Publikum eingekauft hat. Das „Traumtheater Salome“, das am Donnerstagabend weit über 600 Zuschauer verzauberte, war eine solche Produktion. Knappe neun Tonnen Material hatten die Künstler mitgebracht. Mittags um zwölf begann der Aufbau, gegen halb zwei gestern Morgen konnte Seitel seine Leute heim schicken.

Fast 14 Stunden lang griff da ein Rädchen ins andere, damit Impresario Harry Owens zwei Stunden lang sein poetisches Varieté-Theater präsentieren konnte. Owens gastierte übrigens zum zehnten Mal in der Kulturhalle. Er kommt gern, versicherte er. Für Sarah Lindamayer und Antonia Modersohn war ihr Balanceakt an hängenden Tüchern der erste Auftritt vor großem Publikum, erläuterte Owens. Sie sind Absolventen seiner Akademie der schönen Künste und sehen das „Traumtheater“ als Sprungbrett in eine internationale Karriere.

Jörg Seitel fuhr für die beiden Artistinnen noch am Donnerstagabend in den Baumarkt. Sie hatten ihm Klebeband gebeten, um eine Kante zu polstern. Solche Extrawünsche sind für Seitel aber kleine Fische, da hat die Kulturhallencrew schon ganz andere Dinge möglich gemacht. „Wir haben auf der Bühne sogar ein Gewächshaus aufgebaut“, erzählt Seitel. Wie das Stück hieß, hat er längst vergessen. Aber an jede einzelne Scheibe erinnert er sich.

Jörg Seitel, Winfried Carl und Horst Schwab sind die fest angestellten Veranstaltungstechniker der Kulturhalle. Sechs handwerklich versierte 400-Euro-Kräfte waren beim „Salome“-Aufbau fürs Grobe verantwortlich.

Farbiges Licht mit einem Mouseclick

Die einen wie die anderen arbeiten nahezu reibungslos mit den angereisten Technikern zusammen. DMX-Kabel besorgen? Kein Problem. Die Farbe 122 (kräftiges Amber) in die 105 (Orange) verwandeln? Per Mouseclick ändert sich das Licht. Selbst Schweißnähte nachzuziehen ist für die Helfer dank ihrer Erfahrung und einer gut ausgestatteten Werkstatt nicht wirklich ein Problem.

Die gibt's - wenn überhaupt - höchstens bei der Unterscheidung zwischen rechts und links. Denn egal, wo die Helfer gerade stehen: Überall gilt die Blickrichtung der Zuschauer. Am leichtesten sind die Vorbereitungen für einen Comedy-Abend zu bewerkstelligen. Selbst Hochkaräter wie Urban Priol kommen mit acht Scheinwerfern, Headset und Mikrophon klar. „Priol kommt auch immer erst 40 Minuten vor der Vorstellung angerauscht, macht eine kurze Sprechprobe und los geht's“, beschreibt Seitel einen einfachen Gast.

Selbst das renommierte Ohnsorg-Theater stellt seine Leute vor keine besonderen Herausforderungen. Die Norddeutschen bringen ihre maximal 1,50 Meter hohen Kulissen nämlich im „Sprinter“ zum Veranstaltungsort. Beim „Traumtheater Salome“ benötigen die Techniker allein fürs Einleuchten fast zwei Stunden. Ganze Legionen von Scheinwerfern, Farbwechslern und Verfolger müssen in Position gebracht werden. Klingt aber komplizierter als es ist. Denn in 95 Prozent aller Spielstätten von reisenden Ensembles lässt sich die Lichttechnik des Hauses mit der mobilen synchronisieren. „Salome“-Lichttechniker Björn Zeller meint denn auch generös: „Für mich ist das hier eine ganz einfache Veranstaltung!“ Jörg Seitel und seine Mannschaft machen's möglich.

Quelle: op-online.de

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