Individualität nicht erlaubt

Ärger bei Angehörigen: Stadt räumt Schmuck auf Gräbern weg

Rödermark - Auf den Friedhöfen in Ober-Roden und Urberach gibt es mehr als 800 pflegefreie Gräber, die von der Stadt einheitlich geschmückt werden.

Gegen diese Richtlinie verstoßen immer mehr Angehörige, die mit Blumen, Lampen, Engeln und dergleichen individuell an ihre Verstorbenen erinnern wollen. Die Stadt räumt diese Dekoration inzwischen konsequent ab - was bei den Hinterbliebenen Unmut auslöst.

Immer weniger Menschen können oder wollen sich über Jahre hinweg um die Gräber gestorbener Angehöriger kümmern. Auf diese Entwicklung nimmt die Stadt seit 2012 Rücksicht und bietet pflegefreie Gräber an: 450 Urnen- und 93 Sarggräber auf dem Friedhof Ober-Roden, 156 Urnengräber in Urberach. Dort kamen 2015 120 Baumgräber dazu. „Wir haben das Spektrum an Bestattungsmöglichkeiten erweitert und somit dem Wunsch vieler Bürger nach einer würdevoll gestalteten Grabstätte ohne Pflegeverpflichtung entsprochen“, sagt Bürgermeister Roland Kern.

Vielen Angehörigen ist die einheitliche Gestaltung durch die Stadt aber zuwenig. Sie schmücken die Gräber individuell mit Blumen, Pflanzschalen, Laternen und Erinnerungssymbolen wie Engeln oder Fotos. Das hat zum Leidwesen der Friedhofsverwaltung in den vergangenen Wochen massiv zugenommen. „Manchmal sieht es aus wie auf einem Jahrmarkt“, klagt eine Mitarbeiterin. Dieses Verhalten stehe im Widerspruch zu der eigenen Entscheidung, ein Grab ohne Pflege- und Unterhaltungsverpflichtung zu erwerben.

Die Stadt räumt diese persönlichen Erinnerungsstücke ab. Wohl wissend, dass das bei Trauernden selten auf Verständnis stößt. Sie tut’s aber nicht nur wegen der Paragrafen ihrer Friedhofssatzung, sondern auch mit Blick auf jene Angehörigen, die sich bewusst für diese Form der einheitlichen Bestattung entschieden hätten. Etliche Beschwerden kamen aus diesem Personenkreis.

Die Friedhofsverwaltung setzt auf eine Doppelstrategie aus Abräumen und Aufklären, schließlich sind Tod und Trauer zwei hochsensible Themen. Hinterbliebene wissen oft nicht, wo ihnen der Kopf steht und was bei einem Sterbefall alles zu regeln ist. Daher erläutere die Friedhofsverwaltung sowohl im persönlichen Gespräch als auch mit einem Merkblatt die vielen verschiedenen Gräber. Auch die Bestatter würden Hinterbliebene über die Wahlmöglichkeiten informieren.

Der Jüdische Friedhof in Berlin

Platz für Blumen, Kerzen oder persönliche Erinnerungsstücke gibt es auf beiden Friedhöfen: Zwischen den Urnenwänden hat die Stadt genau dafür Ablageflächen angelegt. An den Baumgräbern in Urberach ist dies jedoch nicht vorgesehen. (lö)

Quelle: op-online.de

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