Zwei Seiten einer Medaille

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Die Praxen im Ärztehaus erfreuen sich großen Zuspruchs, deshalb sind freie Parkplätze oft knapp. Das erschwert Dietmar Brettunger die Suche nach einem Mieter für den seit Dezember leerstehenden Supermarkt.

Ober-Roden (lö) - Die Idee war seinerzeit richtungsweisend. Die Stadt verkauft einem Investor ein Grundstück in bester Lage und baut in den Vertrag eine Strafklausel ein.

Der Preis erhöht sich um eine Million Mark, wenn der Käufer dort nicht mindestens vier Fachärzte ansiedelt, die es in Rödermark noch nicht gibt. Dietmar Brettinger machte vier Medizinern den Standort Breidert schmackhaft, und beide Seiten profitierten von diesem Geschäft. Brettinger kaufte das Grundstück zum günstigeren Preis, Rödermark verbesserte die medizinische Versorgung nicht nur seiner Bürger.

Denn das Ärztehaus im Breidert ist seit der Eröffnung 1989 eine Anlaufstelle für Kranke aus der ganzen Umgebung. Sie finden dort längst mehr als vier Spezialisten: Internisten, Orthopäden, Neurologen, Hals-Nasen-Ohren-, Augen-, Zahn- und Hausarzt. „Die Praxen sind extrem gut frequentiert“, sagt Brettinger zufrieden.

Idealer Standort - nur Parkplätze feheln

Doch genau das macht die Vermietung von Läden so schwierig. „Nahkauf“ schloss im Dezember seinen rund 1 100 Quadratmeter großen Markt im Erdgeschoss des Ärztehauses. Seither verhandelt Brettinger mit großen und nicht ganz so großen Lebensmittel-Ketten. Tenor der Antworten: Im Prinzip ein idealer Standort, doch Parkplätze sind Mangelware. Und auf die legt der schnelle Einkäufer größten Wert.

Rund 40 Patienten und Kunden können ihre Autos kostenlos für zwei Stunden abstellen. Theoretisch müssen sie eine Parkscheibe hinters Fenster legen, doch das tut fast niemand. Im unschöner Regelmäßigkeit beobachtet der Hausmeister Autos, die dort den ganzen Tag stehen, weil ihre Besitzer im Breidert bequem auf den Bus Richtung S-Bahn umsteigen können.

Noch sucht Dietmar Brettinger nach einer Lösung, die Fremdparker aussperrt ohne Kunden, Patienten und Mieter zu verprellen. Die vor einigen Jahren montierte Schranke mit Parkscheinautomat war ein Flop und bescherte der Hausverwaltung reichlich Ärger.

Initiative hilft bei Mietersuche

„Die Möglichkeiten, die die Stadt hat, sind mir leider verwehrt“, bedauert Brettinger. Die markierte nach dem Bau des benachbarten Hauses Wittenberger Straße 1 nämlich kurzerhand auf dem Breidertring Parkplätze.

Die Initiative „Wir sind Breidert“ unterstützt Brettinger bei der Suche nach Mietern für den Markt und der Lösung des Parkproblems. „Wir haben großes Interesse daran, dass die Nahversorgung sichergestellt ist“, sagt Karlheinz Weber. Er verweist auf 3 800 potenzielle Kunden direkt im Breidert und eine ähnlich große Zahl in den Straßen Richtung Ortsmitte. Je älter diese Leute würden, desto eher brauchen sie Einkaufsmöglichkeiten, die sie ohne Auto erreichen können.

Weber kann sich auch einen genossenschaftlich getragen Markt oder eine Kleinmarkthalle nach dem Frankfurter Vorbild mit mehreren Lebensmittelgeschäften vorstellen. Dietmar Brettinger bevorzugt im Ärztehaus einen klassischen Supermarkt. Der Umbau in mehrere kleine Geschäfte ist ihm zu teuer. Zudem brauchen ältere Kunden nicht zwangsläufig eine Ansammlung teurer Spezialitätenhändler, sondern einen Rundum-Versorger, bei dem sie auch Zahnpasta, Waschmittel oder Glühbirnen bekommen. Brettinger geht mit einer Quadratmetermiete von fünf Euro in die Verhandlungen mit möglichen Marktbetreibern und bietet auch einen Zuschuss zu den Umbaukosten in fünfstelliger Höhe an.

Quelle: op-online.de

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