Keine Angst vorm hinteren Ende der Kuh

+
Im Stall von Werner Gaubatz bereiteten sich Christian Scior-Walther (sitzend) und Sebastian Diehl auf die Prüfung zum Agrar-Betriebswirt vor.

Ober-Roden (lö) - Betriebswirt der Fachrichtung Agrar - das klingt nach Saatplanung am Computer, Fuhrparkmanagement, Direktvermarktung oder Gewinn- und Verlustrechnung.

Doch so sauber sich der Job auch anhört: Die künftigen Chefs moderner Bauernhöfe dürfen keine Berührungsängste vor Dingen haben, bei denen andere Leute die Nase rümpfen. Kuhstall oder Futtersilo sind halt keine OP-Säle.

Auf dem Hof von Werner Gaubatz im Ober-Röder Feld haben sich 19 junge Bauern aus ganz Hessen auf ihre Betriebswirt-Prüfung im Sommer vorbereitet. Sie absolvieren die zweijährige Ausbildung parallel zum Beruf an der Friedrich-Aereboe-Schule in Griesheim.

Thorsten Gath aus Braunfels und Heinrich Horst aus Stockstadt am Rhein unterzogen „Grobfuttermittel einer Sinnenprüfung“. Der Aufgabenbogen schreibt vor, aus mehreren Tonnen Mais-Silage eine Handvoll Viehfutter herauszugreifen, um die Qualität zu testen. Da muss auch die Nase ganz nah ran an die Häckselschnitzel.

Kuh-Bewertung wichtig für Zucht

Kühe werden grundsätzlich von hinten bewertet. Dort ist bekanntlich das Ende, aus dem nicht nur die Milch fließt. Schulleiter Dr. Klaus Neumeyer und seine Gruppe schauten im Stall nach Beckenneigung und Hinterbeinwinkelung, nach Fundament und Euteraufhängung. „Diese Bewertung ist wichtig für die Zucht“, erklärte Neumeyer. Sollte sie Mängel offenbaren, die die Milchleistung künftiger Kuh-Generationen mindern, kann der Bauer einen Bullen aussuchen, der da seine Stärken hat und aufs Kalb überträgt.

Die Friedrich-Aereboe-Schule bildet landwirtschaftliche Führungskräfte aus. Alle zwei Jahre beginnt ein Lehrgang mit 29 Studierenden. Neumeyer: „Ungefähr ein Drittel springt ab, weil die Anforderungen ihnen zu hoch sind.“ Rund 80 Prozent der Absolventen übernimmt hinterher den Bauernhof der Eltern, der Rest verdient sein Geld im Landhandel, in der Industrie oder in Beratungsbüros.

Zur Mehrheit dürfte auch Werner Gaubatz‘ Sohn Daniel gehören. Der 23-Jährige arbeitet schon lange auf dem Aussiedlerhof mit 106 Milchkühen, den sein Vater 2002 übernommen hat. Der Junior schloss seine Lehre zum Landwirt 2008 ab und managt hauptsächlich den Stall, der Senior kümmert sich überwiegend um die Felder. In den kommenden Monaten wird Werner Gaubatz wieder öfter mit dem Vieh zu tun haben. „Schule und Prüfungsvorbereitungen verschlingen momentan 80 Prozent meiner Zeit“, stellt der angehende Agrar-Betriebswirt fest.

Quelle: op-online.de

Kommentare