Lynn Belcher wird Opfer hessisch-amerikanischer Hörfehler

Ahnensuche ohne Erfolgsgarantie

+
Der Besuch bei Bürgermeister Roland Kern bescherte Lynn Belcher zwar die Erkenntnis, dass es vom riesigen Rödermark ins winzige New York nur ein Katzensprung ist. Hinweise, dass ihr Ur-Ur-Ur-Ur-Großvater Erwin Beckmann aus einer der vielen Ober-Röder Beckmann-Familien entstammen könnte, fand die Ahnenforscherin aus Ohio aber nicht.

Ober-Roden - Die Suche nach Ahnen in fernen Ländern ist trotz hohen Kosten, großem Aufwand und kundiger Hilfe vor Ort nicht immer von Erfolg gekrönt. Diese Erfahrung mussten jetzt Lynn und Gordon Belcher aus dem US-Bundesstaat Ohio in Ober-Roden machen.

Lynn Belchers Mutter trug den offenbar deutschen Mädchennamen Beckmann, das machte sie neugierig: Wo liegen die Wurzeln meiner Familie? Im Internet stieß sie auf die Passagierliste eines Auswandererschiffs, das 1854 Richtung Amerika auslief. An Bord waren ein Erwin Beckmann, Jahrgang 1828, aus dem Hessischen und sein Bruder. Auch Lynn Belchers Großvater hieß Erwin Beckmann. Was ihre Theorie untermauerte, denn in den USA werden die Namen der Vorfahren gerne übernommen. Man denke nur an Vater und Sohn George Bush, die innerhalb weniger Jahre US-Präsident waren.

Aber Erwin Beckmann II. hatte so gut wie keine Aufzeichnungen über Erwin Beckmann I. hinterlassen. Das einzige Dokument außer der Passagierliste war eine Bestätigung, dass der deutsche Einwanderer während des amerikanischen Bürgerkrieges (1861 bis 1865) Soldat war. In der Familie wurde zudem erzählt, dass er mit einer Töpferin aus Homberg verheiratet war.

Hilfe vom Heimat- und Geschichtsverein

Das Traditionshandwerk führte Lynn Belcher und ihren Mann Gordon schließlich nach Rödermark, wo der Heimat- und Geschichtsverein seine Hilfe anbot. Die stellvertretende Vorsitzende Katja Schäfer fragte auch über unsere Zeitung bei allen Beckmanns nach, ob jemand einen Amerika-Auswanderer in der Ahnenreihe hatte. Die Resonanz war gleich Null.

Lynn Belcher war beim Bummel durch Ober-Roden erstaunt, an wie viel Briefkästen den Name Beckmann stand. Doch niemand war mit ihr verwandt. Katja Schäfer nimmt an, dass die Ahnenforscherin aus Ohio Opfer der gedehnten amerikanischen Sprache wurde: Ober-Roden klingt da fast so wie der Frankfurter Oberrad. Lynn Belcher muss also weitersuchen. Immerhin: Die irische Linie der Familie ihres Mannes konnte sie zurückverfolgen.

Persönliches Interesse

Katja Schäfer wurde aus persönlichem Interesse zur Ahnenforschungs-Fachfrau des Heimat und Geschichtsvereins. Ihr Mädchenname Swantes weckte das Interesse an der Familiengeschichte. 1995 begann die Reise in die Vergangenheit, die mit einer Überraschung endete. Trotz des slawisch klingenden Namen Swantes entstammt sie einer alteingesessenen Urberacher Familie - den Müllern der Obermühle.

Das enge Familiengeflecht der Urberacher und Ober-Röder Müller will Katja Schäfer als nächstes entwirren. Das Mühlen-Buch ihres Vereins- und Vorstandskollegen Norbert Cobabus hat sie auf die Idee gebracht.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare