Bürgermeisterkandidaten zu Finanzen und Belebung der Ortszentren

Alles eine Frage des Geldes?

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Geld ist nicht alles, doch ohne Geld ist alles nichts - behauptet das Sprichwort. Die Bürgermeisterkandidaten erläutern heute, wie sie die Stadtkasse füllen wollen.  

Rödermark - Die Bürgermeisterwahl hat keinen ausgemachten Favoriten. Diese Spannung kommt der Beteiligung zugute. Bis gestern Mittag hatten schon 2 452 Rödermärker ihre Stimme per Wahlbrief abgegeben. Von Michael Löw

Bleibt AL-Galionsfigur Roland Kern Bürgermeister? Lösen ihn Carsten Helfmann (CDU), Samuel Diekmann (SPD) oder Tobias Kruger (FDP) ab? Schaffen die Rödermärker schon beim ersten Durchgang am Sonntag Klarheit? Oder schicken sie die beiden Bestplatzierten zwei Wochen später in die Stichwahl? Fragen über Fragen, die eines verheißen: Spannung. Schon jetzt meldet die Stadt 2 452 Briefwähler. Bei der Bürgermeisterwahl 2011 gab es 2 718 Briefwähler. Doch an diesem Sonntag, gut zwei Wochen nach der Atomkatastrophe von Fukushima, wurde auch die neue Stadtverordnetenversammlung gewählt, das gab der Wahlbeteiligung einen Schub. Roland Kern siegte mit 59,1 Prozent vor Norbert Rink (CDU, 30,6 Prozent), Stefan Junge (SPD, 4,6 Prozent), Hans Gensert (3,7 Prozent) und Manfred Rädlein (FWR, 2,0 Prozent).

Die 2017er Kandidaten beantworten diesmal Fragen zu Finanzen und den Ortszentren und begründen, warum sie und kein Anderer der beste Mann für Rödermark sind.

Wie wollen Sie Einnahmen generieren und Schulden abbauen? (ohne Steuer- und Gebührenerhöhungen?)

Carsten Helfmann (CDU):  Ja, dies ist möglich auch ohne Steuer- und Gebührenerhöhungen. Rödermark benötigt dauerhaft mehr Einnahmen, um die steigenden Aufgaben im sozialen, kulturellen und sportlichen Bereich zukünftig bezahlen zu können. Mit einer aktiven Wirtschaftsförderung können neue Betriebe in Rödermark angesiedelt werden. Dies schafft zusätzliche Gewerbesteuereinnahmen und weitere Arbeitsplätze. Durch ein Leerstandsmanagement sollen vorrangig bestehende Gebäude und Flächen genutzt werden. Mittel- und langfristig muss mit dem Rödermarkplan mit allen Beteiligten abgestimmt werden, an welcher Stelle zusätzliche hochwertige Gewerbefläche entstehen kann.

Roland Kern (AL/Grüne):  Indem wir die erfolgreiche Haushaltssanierung fortsetzen. Ohne die (...) Maßnahmen hätten wir bis 2020 weitere 68 Mio € Schulden gemacht. Die sind jetzt gestrichen. Der beschlossene Plan sieht für 2018 erstmals seit 20 Jahren wieder einen ausgeglichenen Haushalt vor. Dann kann der Schuldenabbau beginnen, und zwar zunächst mit 1,7 Mio € und ab 2019 mit jährlich 2,5 Mio €. Das alles (...) ohne weitere Steuer- oder Gebührenerhöhungen. Natürlich hilft uns die Rekordeinnahme aus der Gewerbesteuer von über 10 Mio € (70% mehr als 2009), die auch dank unserer Wirtschaftsförderung, die eine ausgezeichnete Standortsicherung betreibt, erzielt werden konnte. Auch werden Gewerbeflächen für (...) neue Unternehmen weiter zur Verfügung stehen.

Samuel Diekmann (SPD):  Wenn wir bei der gleichen Anzahl an Steuerzahler bleiben: Nein! Daher ist mein Weg: mehr Steuerzahler durch Einwohner und Gewerbetreibende. Durch (...) Bauland (laut Regionalverband fehlen in Rödermark bis 2030 1 871 Wohnungen) (...) bekommt die Stadt Grundsteuer und anteilige Mehrwertsteuer- und Lohnsteuereinnahmen und durch die Ansiedelung guter mittelständischer Unternehmen (...) Steuerzahler. Um neue Gewerbetreibende zu gewinnen, werde ich einen ehrenamtlichen Wirtschaftsbeirat ins Leben rufen. Weiter möchte ich meine Expertisen als StartUp- Berater weiter mit der Wirtschaftsförderung verzahnen und ein Gründerzentrum für die Stadt und Kreis in unserer Stadt errichten.

Tobias Kruger (FDP):  Eine dauerhafte Gesundung der städtischen Einnahmen kann nur durch ein Zusammenspiel aus einem starken, bestehenden Handel und Gewerbe in Kombination mit gewerblichen Neuansiedlungen geschehen. (...) Zudem muss Schluss damit sein, dass die Stadt via Griff ins Portemonnaie der Bürger ihre Einnahmen den Ausgaben anpasst. Rödermark liegt (...) bei der Grundsteuer und Gebühren sehr deutlich über dem hessischen Durchschnitt - das ist ein (...) Armutszeugnis. Neben einer Steigerung der Einnahmen ohne zusätzliche Belastungen der Bürger muss flankierend ein dauerhaftes (...) Ausgabencontrolling stattfinden, damit der Abbaus des Schuldenberges überhaupt seriös in Angriff genommen werden kann.

Ortskern-Belebung: Ist das Nostalgie oder Notwendigkeit, und wie wollen Sie das anpacken?

Carsten Helfmann (CDU): Durch die Reduzierung der Schließzeiten der Bahnschranken in Ober-Roden um zehn Minuten pro Stunde während der Hauptverkehrszeiten, kann ein erster wichtiger Schritt für die Innenstadtentwicklung umgesetzt werden. Der Verkehrsstau wird reduziert, und schädliche Abgase werden minimiert. Die beschlossenen Projekte im Stadtleitbild müssen in Abstimmung mit den Quartiergruppen und den Beteiligten umgesetzt werden. Die Stadt muss Aktionen des Gewerbevereines besser unterstützen und als ständiger Partner sichtbar werden. In beiden Ortskernen gilt es Dienstleistungsangebote zu etablieren, die Gastronomie zu stärken, Platz zum Verweilen schaffen und den innenstadtrelevanten Einzelhandel fördern.

Roland Kern (AL/Grüne):  Das ist keine Nostalgie sondern immerwährende Notwendigkeit (...). Das unansehnliche „Dornheim“ in Urberach wurde abgerissen, um dort ein Projekt zu realisieren, das wieder in die Umgebung passt. Mit unseren Plänen zur Verkehrsberuhigung lassen wir beim Land nicht locker. Auch in Ober-Roden zeigt der Daumen nach oben: Der neue Bahnhof (...) kommt langsam, aber sicher. Gegenüber dem Rathaus wird der Leerstand durch ein neues Wohn- und Geschäftsprojekt ersetzt. Wir erarbeiten mit (...) Bürgern einen Aktionsplan zum Förderprojekt „Stadtumbau in Hessen“: S-Bahn-Unterführung für Radfahrer und Fußgänger von der Garten- zur Babenhäuser Straße, Belebung der Plätze, (...) Erlebbarkeit der Rodau, Hervorhebung historisch wichtiger Punkte, energetische Sanierung.

Samuel Diekmann (SPD): Wir dürfen hier nicht müde werden, weiter alles zu tun, was wir können. Aber - und damit breche ich wohl ein Tabu - wir müssen uns auch fragen, was wir tun, wenn der Einzelhandel aus unseren Ortskernen gegangen ist und nix Neues mehr kommt! Erstens müssen wir (...) über die Umwidmung von Gewerberäumen (...) diskutieren. Wohnraum ist besser als Lehrstand und hält den Ortskern am Leben. Zweitens sollten wir auch über ein gutes Gastronomiekonzept an bestimmten Plätzen sprechen. Unsere historischen Ortskerne haben hier einiges zu bieten. Sie sind zwar zu klein für manchen Einzelhändler, aber gut nutzbar für die Gastronomie - diese Überlegungen gehören in den Antwortkatalog des Rödermarkplanes.

Tobias Kruger (FDP):  Ich sehe in der Belebung eine dringende Notwendigkeit sowie eine ambitionierte Herausforderung. Die Belebung ist keine Sache von heute auf morgen und muss auf mehreren Ebenen angepackt werden: Viel zu wenig wurde in den letzten 10 Jahren dafür getan, um eine verlässliche Grund-Nahversorgung zurück zu bringen. Verschiedene Konzepte gibt es, es fehlt im Rödermark des kernigen Stillstandes der Mut zu Visionen - die völlig ausgefahrenen Gleise werden stoisch weiter befahren. Es gibt in den Ortskernen Plätze mit Potenzial - diese möchte ich mit dem Ziel einer spürbaren Steigerung der Aufenthaltsqualität (..) miteinander verbinden und damit mehr Flair (...) schaffen. Wichtig ist mir der (...) ständige Dialog mit den Anwohnern: gemeinsam die Herausforderungen anpacken und die Zukunft gestalten.

Bürgermeister-Bewerber bei Podiumsdiskussion: Fotos

Warum sollen die Rödermärker am 5. Februar Sie und keinen Ihrer Mitbewerber wählen?

Carsten Helfmann (CDU):  Auf die interessanten Gespräche der letzten Monate mit vielen Rödermärkerinnen und Rödermärkern möchte ich aufbauen und weiterhin im Gespräch bleiben. In meinem jetzigen Amt habe ich es geschafft, die Bürgerinnen und Bürger bei vielen Entscheidungen mit einzubinden. In meiner Arbeit als Bürgermeister werde ich mit allen Fraktionen sprechen, um zum Wohle der Stadt Rödermark eine breite Zustimmung bei Entscheidungen zu erhalten. Ich möchte meine Netzwerke, Erfahrung und Kompetenz einbringen, um Rödermark zukunftsorientiert zu entwickeln.

Roland Kern (AL/Grüne):  Ich stehe für einen Ausgleich der politischen Kräfte. Meine bisherige Arbeit hat, denke ich, der Stadt ganz gut getan. Warum sollte es nicht eine Verlängerung geben? 

Samuel Diekmann (SPD):  Meine Familie und ich wohnen seit über 10 Jahren in Rödermark, wir lieben diese Stadt, und ich möchte meinem Zuhause mit meiner Kandidatur für eine volle Amtszeit (...) etwas zurück geben. Ich bin jung, habe aber in meinem Beruf bewiesen, dass ich gut mit Menschen umgehe und bereit bin Verantwortung zu tragen. (...) Die Wahl ist dabei keine Parteien-, sondern eine Persönlichkeitswahl. Ich bin der einzige Kandidat der überparteilich um die Stimmen (...) wirbt, auf keinem meiner Flyer, Broschüren oder Plakate finden Sie ein Parteizeichen. Ich will (...) überparteilich agieren.

Tobias Kruger (FDP):  Ich bin 37 Jahre alt, wohne seit 36 Jahren in Rödermark und setze mich seit 15 Jahren als Stadtverordneter ehrenamtlich für (...) unser Gemeinwohl ein. Damit bin ich also jung genug für Mut zu Visionen (...) und auch für den Wechsel mit frischen Ideen. Drüber hinaus bin ich trotz meines Alters einer der (...) erfahrensten Kommunalpolitiker und kenne unsere Stadt von Kindesbeinen an. Damit verbinde ich also das in einer Person das, was meine geschätzten Mitbewerber nur zu dritt in die Waagschale werfen können. Rödermark braucht das Ende des Stillstandes und den (...) Wechsel - dafür stehe ich.

Die Abstimmung ist beendet.
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Wer soll Bürgermeister in Rödermark werden?
Roland Kern (AL/Grüne)
36.58%
Carsten Helfmann (CDU)
29.19%
Samuel Diekmann (SPD)
28.11%
Tobias Kruger (FDP)
6.1%

Quelle: op-online.de

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